bald in ein Jubelfest verwandelt ; denn man hat beschlossen , zu Pferd und zu Wagen uns durch das Salzburgische zu begleiten , wer sich kein Pferd verschaffen kann , der geht zu Fuß voraus ; nun freuen sich alle gar sehr auf den Genuß dieser letzten Tage , beim aufgehenden Frühling durch eine herrliche Gegend mit ihrem geliebten Lehrer zu reisen ; auch ich erwarte mir schöne glückliche Tage , - ach , ich glaub , ich bin nah an dem Ziel , wo mein Leben am schönsten und herrlichsten ist . Sorgenfrei , voll süßem Feuer der Frühlingslust , in Erwartung herrlicher Genüsse , so klingen Ahnungstöne in meiner Brust , wenn das wahr wird , so muß es gewiß wahr werden , daß ich Dich bald begegne ; ja , nach so vielem , was ich erlebt und Dir treulich mitgeteilt habe , wie kann es anders sein , da muß das Wiedersehen eine neue Welt in mir erschaffen . Wenn alle freudigen Hoffnungen in die Wirklichkeiten ausbrechen , wenn die Gegenwart die Finsternis der Ferne durch ihr Licht verscheucht , ach und mit einem Wort : wenn Gefühl und Blick Dich erfaßt und hält , da weiß ich wohl , daß mein Glück zu ungemeßnem Leben sich steigert . Ach , und es reißt mich mit Windesflügeln zu diesen höchsten Augenblicken , wenn auch bald die süßesten Genüsse scheidend fliehen , einmal muß doch wiederkehren zu festem Bund , was sich begehrt7 . Landshut , den 31. März 1810 Bettine Wenn Du mir eine Zeile gönnen wolltest über Deinen Aufenthalt dieses Sommers , so bitte ich an Sailer in Landshut zu adressieren , dieser bleibt mit Savigny in Korrespondenz und wird mir am besten die Kleinodien Deiner Zeilen nachschicken . An Bettine Von Dir , liebe Bettine , habe ich sehr lange nichts gehört und kann meine Reise ins Karlsbad unmöglich antreten , ohne Dich nochmals zu begrüßen und Dich zu ersuchen , mir dorthin ein Lebenszeichen zu geben ; möge ein guter Genius Dir diese Bitte ans Herz legen , da ich nicht weiß , wo Du bist , so muß ich schon meine Zuflucht zu höheren Mächten nehmen . Deine Briefe wandern mit mir , sie sollen mir dort Dein freundliches , liebevolles Bild vergegenwärtigen . Mehr sage ich nicht , denn eigentlich kann man Dir nichts geben , weil Du Dir alles entweder schaffst oder nimmst . Lebe wohl und gedenke mein . Jena , den 10. Mai 1810 Goethe Wien , den 15. Mai Ein ungeheuerer Maiblumenstrauß durchduftet mein kleines Kabinett , mir ist wohl hier im engen kleinen Kämmerchen auf dem alten Turm , wo ich den ganzen Prater übersehe : Bäume und Bäume von majestätischem Ansehen , herrlicher grüner Rasen . Hier wohne ich im Hause des verstorbnen Birkenstock , mitten zwischen zweitausend Kupferstichen , ebensoviel Handzeichnungen , soviel hundert Aschenkrügen und hetrurischen Lampen , Marmorvasen , antiken Bruchstücken von Händen und Füßen , Gemälden , chinesischen Kleidern , Münzen , Steinsammlung , Meerinsekten , Ferngläser , unzählbare Landkarten , Pläne alter versunkener Reiche und Städte , kunstreich geschnitzte Stöcke , kostbare Dokumente und endlich das Schwert des Kaiser Carolus . Dies alles umgibt uns in bunter Verwirrung und soll grade in Ordnung gebracht werden , da ist denn nichts zu berühren und zu verstehen , die Kastanienallee in voller Blüte und die rauschende Donau , die uns hinüberträgt auf ihrem Rücken , da kann man es im Kunstsaal nicht aushalten , heute morgen um sechs Uhr frühstückten wir im Prater , rund umher unter gewaltigen Eichen lagerten Türken und Griechen , wie herrlich nehmen sich auf grünem Teppich diese anmutigen buntfarbigen Gruppen schöner Männer aus ! Welchen Einfluß mag auch die Kleidung auf die Seele haben , die mit leichter Energie die Eigentümlichkeit dieser fremden Nationen hier in der frischen Frühlingsnatur zum Allgemeingültigen erhebt und die Einheimischen in ihrer farblosen Kleidung beschämt . Die Jugend , die Kindheit , beschauen sich immer noch in den reifen Gestalten und Bewegungen dieser Südländer ; sie sind kühn und unternehmend , wie die Knaben rasch und listig , doch gutmütig . Indem wir an ihnen vorübergingen , konnte ich nicht umhin , einen Pantoffel , der einem hingestreckten Türken entfallen war , unter meinen Füßen eine Strecke mit fortzuschlurren , endlich schleifte ich ihn ins Gras und ließ ihn da liegen ; wir saßen und frühstückten , es währte nicht lange , so suchten die Türken den verlornen Pantoffel . Goethe , was mir das für eine geheime Lust erregte ! Wie vergnügt ich war , sie über dies Wunder des verschwundenen Pantoffels staunen zu sehen ; auch unsre Gesellschaft nahm Anteil daran , wo der Pantoffel geblieben sein möchte ; nun wurde mir zwar Angst , ich möchte geschmält werden , allein der Triumph , den Pantoffel herbeizuzaubern , war zu schön , ich erhob ihn plötzlich zur allgemeinen Ansicht auf einer kleinen Gerte , die ich vom Baum gerissen hatte , nun kamen die schönen Leute heran und lachten und jubelten , da konnt ich sie recht in der Nähe betrachten , mein Bruder Franz war einen Augenblick beschämt , aber er mußte mitlachen , so ging alles noch gut . 17. Mai Es sind nicht Lustpartien , die mich abhalten , Dir zu schreiben , sondern ein scharlachkrankes Kind meines Bruders , bei dem ich Tage und Nächte verbringe , und so vergeht die Zeit schon in die dritte Woche ; von Wien hab ich nicht viel gesehen und von der Gesellschaft noch weniger , weil einem eine solche Krankheit eine Diskretion auflegt wegen Ansteckung . Der Graf Herberstein , der in meiner Schwester Sophie eine geliebte Braut verloren hat , hat mich mehrmals besucht und ist mit mir spazieren gegangen und hat mich alle Wege geführt , die er mit Sophie gewandert ist , da hat er mir sehr Schönes , Rührendes von ihr erzählt , es ist seine Freude , meiner Ähnlichkeit mit ihr nachzuspüren ; er