Führer diene in dieser Wüste des Lebens . « In diesem Moment öffnete sich die Thüre , Albert sprang erschrocken auf . Es war nur einer seiner Diener , der Licht brachte und zugleich ein schwarzgesiegeltes ziemlich starkes Briefpacket ihm überreichte , welches so eben der Bote von der nächsten Post abgegeben hatte . Mechanisch nahm Albert es an und öffnete es , eigentlich nur , um dem Bedienten , der noch einige Augenblicke im Zimmer beschäftigt blieb , seinen heftig bewegten Zustand zu verbergen . Doch einzelne Worte zogen dennoch seine Aufmerksamkeit an , indem er die in dem Packet enthaltenen Papiere ohne eigentlich zu lesen nur flüchtig überschaute . Er zwang sich aufmerksamer zu lesen , und der Inhalt derselben fesselte ihn endlich ganz . Als er vollendet hatte , rieselte Todeskälte ihm den Nacken hinab , sein Haar sträubte sich und die Hand zitterte konvulsivisch , in welcher er die Papiere hoch empor hob . » Du hast mich erhört ! « rief er bleich wie ein Sterbender , den starren Blick zum Himmel gerichtet , » Du hast das Zeichen mir gegeben , das ich vielleicht an Deiner Gnade frevelnd mir erflehte . Ich beuge mich tief in den Staub vor Dir , ich folge zitternd aber willig dem Wink Deiner allmächtigen Hand . Nimm das Opfer gnädig an , seegne Luise und Oskar ! « Das Packet , welches Albert gerade in diesem Moment erhielt und das seine aufgeregte Phantasie so wunderbar ergriff , enthielt die Nachricht von dem im hohen Alter erfolgtem Absterben des Kardinals , seines Großoheims und zugleich die Abschrift von dessen letzten Willen . Der fromme Greis hatte eine Hälfte seines wirklich fürstlichen Vermögens der Kirche zu wohlthätigen Stiftungen hinterlassen , die zweite Hälfte desselben in reiche Legate unter seine Freunde , Verwandte und alte treue Diener vertheilt . Albert war mit einem reichen Vermächtnisse bedacht worden , das beinahe dreimal so viel betrug als die Summe , welche nach Meinaus Berechnung nöthig war , um alle seine Schulden zu tilgen . Eine Anweisung war dem Briefe beigefügt , gegen welche er den vollen Betrag des Vermächtnisses bei einem der ersten Handelshäuser in St * * * erheben konnte , sobald er sich als der , dem es bestimmt war , legitimirte . Mit jener an Todeskälte gränzenden Fassung , die dem auf den Fluthen des Lebens Müdegetriebenen das Ansehen scheinbarer Ruhe gewährt , setzte Albert sich hin , um an Luisen zu schreiben , die unter dem Vorwande großer Nervenschwäche an diesem Tage niemanden vor sich lies . Er meldete ihr , daß ein dringendes Geschäft ihn zwinge , morgen in aller Frühe nach St * * * zu reisen . Sie lies ihm mündlich zurücksagen , daß sie sich zu schwach fühle , um ihn noch vor seiner Abreise zu sehen , daß sie hoffe , er würde nicht lange ausbleiben und ihn bitte , das jüngste Kind nebst seiner Wärterin bis B * * mitzunehmen , wo ihre Eltern wohnten , indem eine sehr bösartige Blatterepidemie anfange , unten im Dorfe und in der Umgegend Ueberhand zu gewinnen und sie daher wünsche , den Kleinen bei den Großeltern in Sicherheit zu wissen . Albert hörte von diesem allen nur , daß Luise ihn nicht wiedersehen wolle . Die Nacht ward zum Theil unter dem Einpacken der zu seiner Legitimation nothwendigen Papiere hingebracht . Sein Herz lag tod und schwer in seiner Brust und keine Thräne kam in seine heißbrennenden Augen . Noch einmal zog er durch alle Zimmer seines Schlosses , wie ein rastloser Geist , der weder im Himmel noch auf Erden eine bleibende Stätte findet . Der Morgen dämmerte , leise öffnete Albert die Thüre zu Luisens Zimmer , sie schlummerte sanft und hörte ihn nicht . Noch einmal betrachtete er die holde Gestalt , wie sie in jugendlicher Anmuth , aufgelöst in süßem Vergessen dalag . Tief und schmerzlich , in blutigen Zügen prägte das geliebte Bild sich ihm ins gemarterte Herz für eine Ewigkeit ein . Er wagte es nur , eine ihrer Locken zu küssen , um sie nicht zu wecken und riß sich dann von ihr los , wie ein Verzweifelnder vom Leben scheidet . Im Wagen versank er anfangs in dumpfes starres Hinbrüten und ward es gar nicht gewahr , daß die Wärterin , seinen schlummernden Knaben auf dem Schooß , ihm gegenüber saß . Doch als ein flammendes Lichtmeer sich über Erde und Himmel ergoß , und die spät aufgehende Sonne in ihrer winterlichen Pracht Bäume und Felder mit blitzenden Rubinen übersäete , da wachte auch das Kind auf und streckte , laut jauchzend für Freude , dem Vater die kleinen Arme liebkosend entgegen . Ein Strom von Thränen stürzte jetzt aus Alberts Augen und erleichterte sein bis zum zerspringen zusammengedrücktes Herz . Er nahm das zarte kleine Wesen in seine Arme , das sich in dem , vor jedem Eindringen der Kälte sorgfältig geschützten Wagen sehr behaglich fühlte , und in seiner wortlosen Sprache seine Freude auszudrücken strebte . » Dich habe ich noch ! « rief Albert ; » doch noch ein Wesen das zu mir gehört ! Dich gab ein Gott mir zum Troste mit in die verödete Welt . Und willst Du immer mir bleiben ? Willst Du mich niemals verlassen ? « Das Kind schlang lächelnd ihm beide Aermchen um den Nacken . Es war zu viel für sein Herz , er gab es der Wärterin zurück und weinte laut . Ohne Plan für sich selbst war Albert in die Welt hinausgezogen , nur des Entschlusses sich bewußt , von allem was ihm theuer war zu scheiden . Doch der Anblick seines Kindes gab ihn sich selbst wieder zurück . In dem rastlosen kummervollen Leben das er bis jetzt geführt hatte , war ihm wenig Raum für die Beschäftigung mit seinen Kindern geblieben und oft waren ganze Wochen vergangen , ohne daß er sie zu Gesichte bekam . Doch jetzt beim Anblicke dieses wirklich sehr