der Professor auf und blickte sich nach Friedrich um . Der arme Bursche stand noch immer am Fuß der Treppe ; die Blumen waren seinen Händen entfallen , und regungslos starrte er der schönen stolzen Erscheinung nach , die ihn so herb abgewiesen . Sein Herr legte die Hand auf seine Schulter . „ Komm mit hinauf , Friedrich . “ Bei dieser Anrede kam einiges Leben in die Züge des Burschen , die allmählich den Ausdruck tiefster Gekränktheit annahmen , er fuhr mit der Hand durch sein staubblondes Haar und blickte mit den hellblauen Augen , in denen ein paar bittere Thränen standen , seinen Herrn an . „ Ja , was habe ich denn eigentlich gethan ? “ fragte er im kläglichsten Tone . „ Laß gut sein , Friedrich , “ sagte der Professor gepreßt . „ Die junge Dame ist vermuthlich an diese deutsche Art des Empfanges nicht gewöhnt , Komm jetzt . “ Friedrich gehorchte , er bückte sich nach seinem Bouquet und hob es auf , beim Anblick desselben aber schien sich seine bisherige Gekränktheit in Zorn zu verwandeln . Mit dem Ausdruck vollster Wut ergriff er den Strauß und schleuderte ihn weit hinaus in den Garten . „ Friedrich ! “ Der Ruf und der ernste Ton seines Herrn brachte den Burschen sofort zur Besinnung . „ Ich komme schon , Herr Professor ! “ antwortete er demüthig , und mit der Hand die Thränen aus dem Auge wischend , schlich er mit gesenktem Haupte hinter seinem Herrn die Treppe hinauf . ( Fortsetzung folgt . ) Heft 16 Mehr als sechs Wochen waren bereits seit der Ankunft der jungen Amerikanerin verstrichen , und noch immer war und blieb sie fremd im Hause ihrer Verwandten . An diesen lag die Schuld nicht , sie kamen ihr vom ersten Augenblick an mit warmer Herzlichkeit entgegen . Doctor Stephan und seine Frau gehörten zu jenen guten , harmlosen Leuten , deren einziges Bestreben darauf gerichtet ist , mit aller Welt in Frieden zu leben , und sich durch nichts in dem gewohnten behaglichen Gleichgewicht stören zu lassen , und der verstorbene Forest beurtheilte seinen Schwager ganz richtig , wenn er behauptete , dieser habe ihm die für seine damaligen Verhältnisse bedeutende Summe zur Reise nach Amerika vorgestreckt , zum Theil aus gutem Herzen , größtentheils aber in dem Bestreben , den gefährlichem Demagogen , der die ganze , sonst so loyale Familie in Argwohn und Verdacht zu bringen drohte , endlich los zu werden . Der Doctor hatte in der That seine Schwester stets aufrichtig bedauert , daß sie ihr Schicksal an diesen unseligen Mann gekettet , der in seinem Hochmuth und Starrsinn die Seinigen lieber darben ließ , ehe er von ihren Verwandten die geringste Unterstützung annahm , und war fest überzeugt , der wilde , excentrische Kopf werde in dem praktisch nüchternen Amerika vollends zu Grunde gehen . Es kam anders , und der Erfolg that , wie überall , auch hier seine Schuldigkeit . Hatten Stephan und seine Frau es früher ängstlich vermieden , den Namen Förster , als in irgend einer Beziehung zu ihnen stehend , zu erwähnen , so sprachen sie jetzt gern und oft von ihrem Schwager , „ dem Millionär “ jenseits des Oceans , und der angekündigte Besuch von dessen Tochter versetzte sie in nicht geringe Aufregung . Die verwaiste Nichte hätte , selbst wenn sie arm und hülflos zu ihnen gekommen wäre , offene Arme gefunden , die junge Erbin aber empfingen sie mit dem allertiefsten Respect , und das war es ja auch hauptsächlich , was Jane beanspruchte . Sie setzte gleich anfangs jedem etwaigen Versuche zur Autorität über sie eine so absolute Selbstständigkeit entgegen , daß ihre Verwandten bald genug zu der Ueberzeugung gelangten , es sei der jungen Dame weder damit , noch überhaupt in irgend einer Weise nahe zu kommen . Sie hatten ihr , mit Rücksicht auf ihr Vermögen , gern jede Laune und jeden Fehler verziehen , was sie ihr aber nicht verzeihen konnten , das war jene fortwährende Kälte und Abgeschlossenheit , durch die nie ein Strahl von Wärme drang , und die jede Vertraulichkeit , freilich auch jede Differenz unmöglich machte . Zwar verrieth Jane niemals mit einem Worte oder Blicke die leiseste Unzufriedenheit mit dem Hause , worin sie Gast war , aber die mitleidige Verachtung , mit der die im Schooße amerikanischen Reichthums und Luxus Erzogene sich in die einfach bürgerliche Lebensweise fügte , ward doch gefühlt und verletzte darum nicht weniger ; kurz , es galt dem Ehepaar schon nach den ersten Tagen des Zusammenseins für ausgemacht , daß ihre Nichte das hochmüthigste und herzloseste Geschöpf auf der Welt sei . In einer Hinsicht thaten sie Jane damit Unrecht , zum Mindesten wurzelte ihr Hochmuth nicht in dem Bewußtsein ihres Reichthums und ihrer persönlichen Vorzüge , sondern einzig in der geistigen Ueberlegenheit , mit der sie so ziemlich Alles beherrschte , was überhaupt in ihren Gesichtskreis kam , und die sich bald genug auch in weiteren Kreisen fühlbar zu machen begann . In der großartigen Freiheit des amerikanischen Lebens aufgewachsen und durch den Vater mehr als jede Andere darin eingeweiht , an den unbeschränkten Verkehr der Stände untereinander , an zwangslose Umgangsformen gewöhnt , fand sie die Rücksichten , welche man hier auf die leitenden Persönlichkeiten nahm , sclavisch , die Abgeschlossenheit der einzelnen Kreise lächerlich , und die im Gesellschaftsverkehr unvermeidlichen Titel und Ceremonien riefen nun vollends ihren herbsten Spott hervor . Ihre Verwandten schwebten oft genug in Todesangst , wenn sie mit diesen Anschauungen in Gegenwart Fremder hervortrat , indessen sie hätten sich beruhigen können . Miß Forest war Amerikanerin und , wie das Gerücht wenigstens behauptete , Millionärin , zwei Eigenschaften , die ihr einen Freibrief für Alles , gaben , was eine Andere sich nie hätte erlauben dürfen , und dies um so mehr , als ihre Verlobung Geheimniß geblieben war . Es gab kaum eine angesehene Familie in der Stadt