, ja demüthigen Ausdruck und in den hellen Augen , die das Alter noch nicht getrübt , lag etwas wie stille Resignation . Seine ganze Haltung hatte etwas Gedrücktes und Schüchternes , er fühlte sich offenbar nicht heimisch auf diesem Marmorfußboden und in der Gegenwart des Priors , der in gönnerhafter , vornehm herablassender Art zu ihm sprach . Bei dem Eintritt Benedict ’ s verstummte die Unterhaltung und Beide wandten sich dem Eintretenden zu , der mit dem üblichen Klostergruße an ihnen vorüber wollte , der Prior hielt ihn jedoch zurück . „ Ist die Audienz bei dem Herrn Prälaten schon beendet ? “ „ Ja , Hochwürden . “ „ So ? “ Der Prior schien befremdet , er machte eine nachlässig vorstellende Bewegung mit der Hand . „ Pater Benedict , der Jüngste unserer Brüder “ – und zu diesem gewendet fuhr er fort : „ Sie kennen ja wohl den Herrn Pfarrer Clemens noch nicht ? “ „ Nein , Hochwürden . “ „ Er ist unser Gast für einige Tage ! Wird der Herr Graf Rhaneck heut zur Tafel bleiben ? “ „ Ich weiß nicht . “ Der Prior sah ihn mit einem Blicke an , der deutlich verrieth , wie wenig er mit diesen einsilbigen Antworten zufrieden war . [ 26 ] Benedict schien das nicht zu bemerken , er wartete schweigend auf weitere Fragen seines Vorgesetzten , und als diese nicht erfolgten , neigte er sich wie vorhin , schritt durch den Kreuzgang , und verschwand durch die entgegengesetzte Thür . Der Prior blickte ihm eine Weile nach und wendete sich dann mit dem Ausdruck unverstellten Hohnes zu seinem Begleiter . „ Da sehen Sie , Reverendissime , unseren zukünftigen Abt und Herrn – nach dem Willen des Prälaten und seines Bruders nämlich , die ihn schon als solchen betrachten . “ Der alte Pfarrer sah ihn fast erschreckt an . „ Sie scherzen , Hochwürden ! Dieser junge Priester ! “ „ Ist das Schooßkind des Prälaten , das Wunder des ganzen Klosters , man hat sehr hochfliegende Pläne mit ihm . Es ist nur ein Glück , daß mit dem Tode eines Abtes auch dessen Regiment aufhört , und die Freiheit der Wahl an uns zurückfällt . Pater Benedict müßte etwas weniger hochmüthig sein , und sich vor allen Dingen weniger Feinde unter den Brüdern machen , wenn er im Ernste von einer dereinstigen Erhebung träumen wollte , auf die jeder Andere denn doch mehr Anspruch hat , als er . “ „ Mir schien in dem Wesen des jungen Paters nichts von Hochmuth zu liegen , “ wendete der Pfarrer schüchtern ein , „ ich fand seine Haltung im Gegentheil unterwürfig und durchaus geziemend . “ Eifer ist mir verdächtig . Der Prior zuckte verächtlich die Achseln . „ Ja , die Klostervorschriften hat er trefflich eingelernt , und dennoch gebe ich Ihnen mein Wort , es ist der hochmüthigste Starrkopf , der je eine Kutte getragen . Sie haben es ja gehört . ‚ Ja ‘ und ‚ Nein ‘ und ‚ Ich weiß nicht ‘ , weiter ist überhaupt nichts aus ihm herauszubringen . Blicken Sie einmal in seine Augen , ob da etwas von Demuth und Unterwerfung geschrieben steht , ich lese ganz andere Dinge darin . Wir werden noch etwas erleben an diesem Eindringling , der von Rechtswegen in einen Bettelorden gehört , und nicht in ein Herrenstift , das sich immer nur aus den ersten und besten Familien des Landes recrutirte und dies Privilegium bisher festgehalten hat , trotz aller Klosterregeln . Aber unser Herr Prälat wollte und Seine Gnaden haben uns Alle so trefflich in Zucht , daß kaum Einer es mehr wagt , sein Veto noch geltend zu machen , diesem allmächtigen Willen gegenüber , genug , die Aufnahme ward durchgesetzt . “ „ Pater Benedict ist also von sehr niedriger Herkunft ? “ Ein boshaftes Lächeln glitt über die unangenehmen Züge des Priors . „ Wie man ’ s nimmt ! Es heißt , er sei der Sohn eines ehemaligen Dieners des gräflich Rhaneck ’ schen Hauses . Bah , wozu geben solche Leute den Namen nicht her , wenn man es ihnen gut bezahlt ! Thatsache ist , daß Graf Rhaneck ganz vernarrt ist in diesen – Schützling ; er liegt seinem Bruder fortwährend mit Briefen , und jetzt sogar persönlich an , ihm das Kleinod nur ja recht zu behüten , und Pater Benedict weiß nur zu gut , unter welcher mächtigen Protection er steht . Er versteht es meisterlich , das noli me tangere im Kloster zu spielen , keinen von den Brüdern würdigt er seiner Unterhaltung oder seines Umganges , Alle hält er sie sich vornehm fern , er , der Jüngste , der nur aus besonderer Gnade hier Aufgenommene ! Freilich , er weiß , daß er sich schlechterdings Alles erlauben darf und in Allem geschützt wird . “ „ Aber ich hörte bereits den Eifer und den Fleiß des jungen Bruders rühmen , “ wagte der Pfarrer mit seiner leisen schüchternen Stimme zu bemerken . Das häßliche Lächeln von vorhin trat wieder auf die Lippen des Priors . „ O ja , daran fehlt es ihm nicht , aber gerade dieser Eifer ist mir verdächtig . Er denkt zu viel ! Das ist an und für sich schon gefährlich im Kloster , am gefährlichsten aber unter dem Regiment unseres Prälaten . Nicht wahr , Herr Mitbruder , “ ein halb mitleidiger , halb verächtlicher Blick glitt dabei über die dürftige Erscheinung des Greises , „ damit haben Sie sich wohl niemals abgegeben ? “ Jener verstand den Spott nicht . „ Nein , “ sagte er treuherzig . „ Ich habe redlich und treulich meines Amtes gewartet , aber mich nie an Grübeleien gewagt , die für mein geringes Wissen und Verstehen zu hoch waren . “ Der Prior legte ihm mit gönnerhafter Miene die Hand auf die Schulter . „ Recht so ! Deshalb