, der Wald hörete auf , und da lag es vor uns – weit und dunstig ; hie und da blänkerte noch ein Wassertümpel , und schwarze Torfringeln rageten daneben auf ; ein großer dunkler Vogel , als ob er Verlorenes suchte , revierete mit trägem Flügelschlage über dem Boden hin . An meiner Seite stund Renate ; ich hörte ihren Odem gehen und konnte gewahren , wie ihre Augen angstvoll und nach allen Seiten in die vor uns hingestreckte Nacht hinausschauten ; denn uns im Rücken hinter den gewaltigen Schatten des Waldes lag das letzte Tageleuchten . Da mußte ich mit dem Psalmisten sprechen : » Herr , du machest Finsterniß , und es wird Nacht ; aber Himmel und Erde sind dein : denn du hast sie gegründet und alles , was darinnen ist ! « Indem aber rührete Renate mit der einen Hand an meine Schulter , und mit der anderen wies sie auf das Moor hinaus . » Was meinest du , Renate ? « frug ich . – » Sehet Ihr nicht ? Dort ? « Und da ich meine Augen anstrengte , meinete ich fern im Duste einen Schatten schreiten zu sehen ; aber nur eines Athemzuges lang . » War das dein Vater ? « frug ich wieder . Da nickte sie und sprach : » Verzeihet , meine Angst war thöricht ; er ist schon jenseit unseres Moores auf der festen Geest . « » So lasset uns eilen « , rief ich ; » ob wir ihn noch erreichen mögen ! « Aber sie ergriff mit beiden Händen meinen Arm : » Das Moor , Herr Studiosi , kennet Ihr das Moor ? Wir können nimmermehr hinüber ! « Dann , als ob ein plötzlich Grauen sie befiele , zog sie mich zurück und sagte » Kommet , hier führt der Weg am Wald hinab ! « und ließ meine Hand nicht los , so lange wir den düstern Ungrund an unserer Seiten ... * Die Handschrift ist hier lückenhaft ; zunächst fehlen einige Blätter gänzlich , das dann Folgende ist durch Wasserflecke fast zerstört . Doch ist zu ersehen , daß der Studiosus Josias ein Musikfreund und mit seinem Vater der Ansicht Dr. Luthers war , die lateinische Sprache habe viel feiner musica und Gesanges in sich , daher man sie keineswegs aus dem Gottesdienste solle wegkommen lassen . – Schon als Knabe hatte er zu den auserwählten Schülern gehört , welche dem derzeitigen Husumer Kantor Petrus Steinbrecher vor der Frühpredigt assistierten und » zur Ehre Gottes und zur Erweckung eines jedes Christen Devotion « von der Orgel in die damalige gewaltige Kirche hinab das Te Deum laudamus mitgesungen . Hier in Schwabstedt werden derzeit sich auch noch Reste des lateinischen Kirchengesanges erhalten haben ; denn es gelingt ihm – wo , ist nicht ersichtlich – , eine Anzahl junger Kirchensänger und -sängerinnen um sich zu versammeln , wie es heißt , » zur besseren Einübung der bekannten , sowie Erlernung einiger neu hinzugebrachter Lieder « . Renatens Stimme , welche » gleich einem silbern Licht ob allen andern schwebete « , scheint den Zauber noch verstärkt zu haben , den die Bauerntochter so unbewußt auf unsern Gottesgelahrten ausübte . Worauf sonst in jenem Sommer der Verkehr der beiden jungen Menschen sich erstreckt habe , ist nicht erkennbar ; erst mit dem Ende desselben beginnen wieder die bis zu einem gewissen Punkte fortlaufend erhaltenen Teile der Handschrift , der nun wieder wie vorhin das Wort gelassen wird . * ... war es eines Abends Ende Septembris , als ich mit meinem Vater sel . in dessen Studirstüblein über Abfassung einer Supplike an unsern allergnädigsten Herzog beisammen saß ; denn da meinen lieben Vater wegen übermäßiger studia in seiner Jugend eine Augenschwäche befallen , so hatte er es gern , wenn ich für ihn die Feder führete . Wollte nämlich die Angelegenheit mit unserem Keller noch immer keinen Fortgang nehmen . Zwar hatte der Hofbauer , nur auf meine frühere Rede – denn mein Vater wollte ihn nicht um seine Dienste angehen – , die Sache noch einmal in der Gemeinde fürbracht ; aber die Bauren hatten ihm erwidert , der alte Pastor habe bei seinem Bier gut predigen können , so werd der Keller auch wohl für den neuen reichen . Es war nun an diesem Abend ein gar wüstes Wetter , und brausete es draußen von dem Walde her , daß man hier innen oft die Worte kaum erfassen konnte . » Schreibe nun so « , sagte mein Vater , indem er zu mir rückte : » Obgleich die meisten meiner Beichtkinder mir herzlich gern einen besseren Keller gönneten , so waren doch derer , die halsstarrig dawider stritten ; von Mitten Maji bis hieher habe kein frisch und kühl , sondern nur sauer Bier gehabt ; und was mir das vor eine Plage gewesen , ist Gott am besten bekannt ; wie viel aber von solchen Gaben Gottes , salvo honore , zum Schweinetrank hingießen lassen , will ich hier seufzend übergehen . « Ich entsinne mich noch aller dieser Worte meines lieben Vaters ; denn ich setzete die Feder ab , weil mich ein Bedenken anwandelte , Hochfürstliche Gnaden also wegen des pastoris sauerem Bier in Compassion zu nehmen . Als ich aber solches eben nur geäußert , hörte ich draußen auf der Hausdiele ein laut Gerede mit unserer alten Margreth . Wurde dann auch unsere Stubenthür gewaltsam aufgerissen , und erschien ein Mann in schier beschmutzten Reisekleidern , scheinbar von meines Vaters Alter und auch wohl geistlichen Standes , aber mit vollem braunrothen Antlitz , daraus ein Paar kleine blanke Augen gar hurtige Blicke über uns hin laufen ließen . » Salve , Christiane , confrater dilectissime ! « schrie er ; » komme gar spät unter dein gastlich Dach ! Aber der Teufel , der mir als seinem scharfen Widersacher allzeit auf den Hacken ist , hatte mit seiner höllischen Kunst meinen Gaul vom