Nein ; sage : nie in alle Ewigkeit ! « » Nie in alle Ewigkeit ! – Auch drunten , unter den flüsternden Schatten will ich bei dir sein ! « Seine Augen ruhten auf dem süßen Antlitz , das sie noch immer mit geschlossenen Lidern ihm entgegenhielt . Nun aber schlug sie leise die Wimpern auf ; erst noch ein wenig zögernd , dann immer vertrauender blickte sie ihn an , und immer sonniger wurde der Ausdruck ihres lieblichen Gesichtes . Wie lange er sie so an seiner Brust gehalten ? – Wer könnte es sagen ! – Ein Vogel , der von draußen aus den Kastanienbäumen gegen die Fensterscheiben flog , brachte den ersten Laut der Außenwelt zu ihren Ohren . Da ließ er sie sanft zu Boden gleiten ; nur mit einem Arm noch hielt er die leichte Gestalt umfangen . » Aber du ! « sagte er – und es war , als wenn er plötzlich mit Erstaunen sie betrachte – , » du schöne Lebendige , wie bist du nur hieher geraten ? Oder versteht vielleicht das Glück sich ganz von selbst ? « Sie wies mit scheuem Finger auf die Marmorgruppe und barg zugleich den Kopf an seiner Brust . » Das da « , sagte sie . » Sie sprachen davon , daß es das Lieblichste von allem sei . « – Und kaum hörbar , so daß er sich tief zu ihrem Munde neigte , setzte sie hinzu : » Ich mußte es allein sehen , ehe die andern mit mir kamen . Mich trieb eine Angst – – nein , frag mich nicht ! Ich weiß nicht , was ! Aber hier hab ich mich sehr gefürchtet . « » Welche andern ? « fragte er . » Die mit mir hier sind : mein Oheim und meine Mutter . Ich war mit ihnen oben in den Gemäldesälen ; ganz heimlich bin ich ihnen fortgelaufen . « Dann plötzlich schoß es wie ein Blitz des alten Übermutes über das ein wenig blasse Antlitz . » Aber « , rief sie , » wie heißt du denn ? Mein Gott , ich weiß nicht einmal deinen Namen ! « » Ja , rat einmal ! « Sie schüttelte das Köpfchen , daß die blonden Haare ihr in die Stirn fielen . » Nein , rate du zuerst ! « » Ich ? Was soll ich raten ? « » Was du raten sollst ? Als ob ich keinen Namen hätte ! « » Aber den kenne ich ja längst ! « Er strich das seidene Haar ihr von der Stirn . » Sieh nur hin ! Das bist du ja ! Und glaub es nur , ich habe jeden Tag zu dir gesprochen in all der langen , langen Zeit . « Von dunklem Purpur übergossen , schlang sie die Hände um seinen Hals und ließ ihn tief in ihre Augen blicken . » Oh , welch ein Glück , daß du der Künstler bist ! « Mit beiden Armen umfaßte er die Geliebte und küßte zum ersten Male den jungfräulichen Mund . – Dann aber flüsterten sie sich ihre Namen zu , ganz leise , als seien es Geheimnisse , die selbst die steinernen Gestalten um sie her nicht wissen dürften ; und als sie seinen Namen hörte , rief sie : » Oh , wie schön ! Du konntest gar nicht anders heißen ! « Er aber blickte ganz träumerisch auf sie nieder ; er konnte es nicht verstehen , daß sie » Maria « heiße . Sie lachte , als er ihr das sagte , und flüsterte ihm zu : » Die alte Bürgermeisterin sagt es auch , ich sei verkehrt getauft . « » Getauft ! « wiederholte er fast staunend . » Wie seltsam doch , daß du getauft bist ! « Einen Augenblick sah sie ihn fragend an ; dann wie zwei glückliche Kinder , lachten beide miteinander . Aber sie waren hier nicht mehr allein . Vom Eingange her nahten sich Schritte , und im mittleren Saale wurde eine noch immer schöne Frau am Arme eines älteren Mannes sichtbar . » Dein Töchterchen « , sagte dieser , nicht ohne einen Ausdruck von Besorgnis , » scheint doch nicht hier zu sein . « Die Frau an seinem Arme lächelte . » Du mußt dich schon daran gewöhnen , daß sie ihre eigenen Wege geht ; sie wird wohl oben noch von irgendeinem Bild gefangen sein . Aber die gerettete Psyche , wo ist denn die ? « Sie erhielt keine Antwort ; denn in demselben Augenblick hing auch das Kind an ihrem Halse . » Hier ist sie , Mutter ; deine Tochter ist es ! Oh , seid beide gut und freundlich ! « Die jungen Augen glänzten ; über die geöffneten Lippen ging schwer der Atem aus und ein . » Mein Kind , mein liebes Kind ! « Die Mutter wollte sie beruhigen ; aber schon hatte sie in freudiger Hast deren beide Hände ergriffen und zog sie über die Schwelle in den letzten Saal , wo der Geliebte in stummer Erwartung neben seinem Werke stand . Daheim in der Werkstatt des Künstlers ging derweile zwischen den Statuen und Modellen eine kleine alte Frau umher . Sie schien so recht nicht etwas vorzuhaben , trotz des Staubtuches in ihrer Hand , mit dem sie hie und da an den umherstehenden Dingen sich zu tun machte . Endlich hatte sie sich in den Sessel neben der Modellierscheibe niedergelassen , ein stiller Seufzer ging über ihre Lippen , ein Seufzer , daß doch die großen Kinder , ja auch die allerbesten , sich von dem Mutterherzen lösen . Sinnend blickte sie auf die leere Stelle , die noch vor kurzem das letzte Werk ihres Sohnes eingenommen hatte . Da wurden Schritte und Stimmen auf dem Hausflur laut , und noch bevor sie aus ihren schweren Gedanken sich emporgearbeitet hatte , waren durch die