Lehnstuhl ans Fenster ; er tat vor sich selbst , als wolle er die Nachtigall hören , die unten in den Taxuswänden schlug ; aber er hörte nur den Schlag seines eigenen Herzens . Unter ihm im Hause ging alles zur Ruh , die Nacht verrann , er fühlte es nicht . – So saß er stundenlang . Endlich stand er auf und legte sich ins offene Fenster . Der Nachttau rieselte zwischen den Blättern , die Nachtigall hatte aufgehört zu schlagen . Allmählich wurde auch das tiefe Blau des Nachthimmels von Osten her durch einen blaßgelben Schimmer verdrängt ; ein frischer Wind erhob sich und streifte Reinhards heiße Stirn ; die erste Lerche stieg jauchzend in die Luft . – Reinhard kehrte sich plötzlich um und trat an den Tisch ; er tappte nach einem Bleistift , und als er diesen gefunden , setzte er sich und schrieb damit einige Zeilen auf einen weißen Bogen Papier . Nachdem er hiemit fertig war , nahm er Hut und Stock , und das Papier zurücklassend , öffnete er behutsam die Tür und stieg in den Flur hinab . – Die Morgendämmerung ruhte noch in allen Winkeln ; die große Hauskatze dehnte sich auf der Strohmatte und sträubte den Rücken gegen seine Hand , die er ihr gedankenlos entgegenhielt . Draußen im Garten aber priesterten schon die Sperlinge von den Zweigen und sagten es allen , daß die Nacht vorbei sei . Da hörte er oben im Hause eine Tür gehen ; es kam die Treppe herunter , und als er aufsah , stand Elisabeth vor ihm . Sie legte die Hand auf seinen Arm , sie bewegte die Lippen , aber er hörte keine Worte . » Du kommst nicht wieder « , sagte sie endlich . » Ich weiß es , lüge nicht ; du kommst nie wieder . « » Nie « , sagte er . Sie ließ die Hand sinken und sagte nichts mehr . Er ging über den Flur der Tür zu ; dann wandte er sich noch einmal . Sie stand bewegungslos an derselben Stelle und sah ihn mit toten Augen an . Er tat einen Schritt vorwärts und streckte die Arme nach ihr aus . Dann kehrte er sich gewaltsam ab und ging zur Tür hinaus . – Draußen lag die Welt im frischen Morgenlichte , die Tauperlen , die in den Spinngeweben hingen , blitzten in den ersten Sonnenstrahlen . Er sah nicht rückwärts ; er wanderte rasch hinaus ; und mehr und mehr versank hinter ihm das stille Gehöft , und vor ihm auf stieg die große weite Welt . – – – Der Alte [ 1 ] Der Alte Der Mond schien nicht mehr in die Fensterscheiben , es war dunkel geworden ; der Alte aber saß noch immer mit gefalteten Händen in seinem Lehnstuhl und blickte vor sich hin in den Raum des Zimmers . Allmählich verzog sich vor seinen Augen die schwarze Dämmerung um ihn her zu einem breiten dunkeln See ; ein schwarzes Gewässer legte sich hinter das andere , immer tiefer und ferner , und auf dem letzten , so fern , daß die Augen des Alten sie kaum erreichten , schwamm einsam zwischen breiten Blättern eine weiße Wasserlilie . Die Stubentür ging auf , und ein heller Lichtstrahl fiel ins Zimmer . » Es ist gut , daß Sie kommen , Brigitte « , sagte der Alte . » Stellen Sie das Licht nur auf den Tisch . « Dann rückte er auch den Stuhl zum Tische , nahm eins der aufgeschlagenen Bücher und vertiefte sich in Studien , an denen er einst die Kraft seiner Jugend geübt hatte .