? « – Katharina zögerte ein Weilchen und blickte mich fast verwirret an mit allem ihrem Liebreiz . » Ich glaub , sie wollte den Vetter ihrer Mutter nicht zum Ehgemahl . « – » War es denn ein gar so übler Mann ? « Ein Blick fast wie ein Flehen flog zu mir herüber , und tiefes Rosenroth bedeckte ihr Antlitz . » Ich weiß nicht « , sagte sie beklommen ; und leiser , daß ich ' s kaum vernehmen mochte , setzte sie hinzu : » Es heißt , sie hab einen andern lieb gehabt ; der war nicht ihres Standes . « Ich hatte den Pinsel sinken lassen ; denn sie saß vor mir mit gesenkten Blicken ; wenn nicht die kleine Hand sich leis aus ihrem Schoße auf ihr Herz geleget , so wäre sie selber wie ein leblos Bild gewesen . So hold es war , ich sprach doch endlich : » So kann ich ja nicht malen ; wollet Ihr mich nicht ansehen , Katharina ? « Und als sie nun die Wimpern von den braunen Augensternen hob , da wer kein Hehlens mehr ; heiß und offen ging der Strahl zu meinem Herzen . » Katharina ! « Ich war aufgesprungen . » Hätte jene Frau auch dich verflucht ? « Sie athmete tief auf . » Auch mich , Johannes ! « – Da lag ihr Haupt an meiner Brust , und fest umschlossen standen wir vor dem Bild der Ahnfrau , die kalt und feindlich auf uns niederschauete . Aber Katharina zog mich leise fort . » Laß uns nicht trotzen , mein Johannes ! « sagte sie . – Mit Selbigem hörte ich im Treppenhause ein Geräusch , und war es , als wenn etwas mit dreien Beinen sich mühselig die Stiegen heraufarbeitete . Als Katharina und ich uns deshalb wieder an unsern Platz gesetzet und ich Pinsel und Palette zur Hand genommen hatte , öffnete sich die Thür , und Bas ' Ursel , die wir wohl zuletzt er wartet hätten , kam an ihrem Stock hereingehustet . » Ich höre « , sagte sie , » Er will nach Hamburg , um den Rahmen zu besorgen ; da muß ich mir nachgerade doch Sein Werk besehen ! « Es ist wohl männiglich bekannt , daß alte Jungfrauen in Liebessachen die allerfeinsten Sinne haben und so der jungen Welt gar oft Bedrang und Trübsal bringen . Als Bas ' Ursel auf Katharinens Bild , das sie bislang noch nicht gesehen , kaum einen Blick geworfen hatte , zuckte sie gar stolz empor mit ihrem runzeligen Angesicht und frug mich allsogleich : » Hat denn das Fräulein Ihn so angesehen , als wie sie da im Bilde sitzet ? « Ich entgegnete , es sei ja eben die Kunst der edlen Malerei , nicht bloß die Abschrift des Gesichts zu geben . Aber schon mußte an unsern Augen oder Wangen ihr Sonderliches aufgefallen sein , denn ihre Blicke gingen spähend hin und wider . » Die Arbeit ist wohl bald am Ende ? « sagte sie dann mit ihrer höchsten Stimme . » Deine Augen haben kranken Glanz , Katharina ; das lange Sitzen hat dir nicht wohl gedienet . « Ich entgegnete , das Bild sei bald vollendet , nur an dem Gewande sei noch hie und da zu schaffen . » Nun , da braucht Er wohl des Fräuleins Gegenwart nicht mehr dazu ! – Komm , Katharina , dein Arm ist besser als der dumme Stecken hier ! « Und so mußt ich von der dürren Alten meines Herzens holdselig Kleinod mir entführen sehen , da ich es eben mir gewonnen glaubte ; kaum daß die braunen Augen mir noch einen stummen Abschied senden konnten . Am andern Morgen , am Montage vor Johannis , trat ich meine Reise an . Auf einem Gaule , den Dieterich mir besorget , trabte ich in der Frühe aus dem Thorweg ; als ich durch die Tannen ritt , brach einer von des Junkers Hunden herfür und fuhr meinem Thiere nach den Flechsen , wannschon selbiges aus ihrem eigenen Stalle war ; aber der oben im Sattel saß , schien ihnen allzeit noch verdächtig . Kamen gleichwohl ohne Blessur davon , ich und der Gaul , und langeten abends bei guter Zeit in Hamburg an . Am andern Vormittage machte ich mich auf und befand auch bald einen Schnitzer , so der Bilderleisten viele fertig hatte , daß man sie nur zusammenzustellen und in den Ecken die Zierathen daraufzuthun brauchte . Wurden also handelseinig , und versprach der Meister , mir das alles wohl verpacket nachzusenden . Nun war zwar in der berühmten Stadt vor einen Neubegierigen gar vieles zu beschauen ; so in der Schiffergesellschaft des Seeräubern Störtebeker silberner Becher , welcher das zweite Wahrzeichen der Stadt genennet wird , und ohne den gesehen zu haben , wie es in einem Buche heißet , niemand sagen dürfe , daß er in Hamburg sei gewesen ; sodann auch der Wunderfisch mit eines Adlers richtigen Krallen und Fluchten , so eben um diese Zeit in der Elbe war gefangen worden und den die Hamburger , wie ich nachmalen hörete , auf einen Seesieg wider die türkischen Piraten deuteten ; allein , obschon ein rechter Reisender solcherlei Seltsamkeiten nicht vorbeigehen soll , so war doch mein Gemüthe , beides , von Sorge und von Herzenssehnen , allzu sehr beschweret . Derohalben , nachdem ich bei einem Kaufherrn noch meinen Wechsel umgesetzet und in meiner Nachtherbergen Richtigkeit getroffen hatte , bestieg ich um Mittage wieder meinen Gaul und hatte allsobald allen Lärmen des großen Hamburg hinter mir . Am Nachmittage danach langete ich in Preetz an , meldete mich im Stifte bei der hochwürdigen Dame und wurde auch alsbald vorgelassen . Ich erkannte in ihrer stattlichen Person allsogleich die Schwester meines theueren seligen Herrn Gerhardus ; nur , wie es sich an unverehelichten Frauen oftmals zeiget , waren die Züge des Antlitzes