gelassen haben . « » Da gilt ' s freilich Vorsicht für den Rest , Alter « , sprach der Student und kam dem mürrischen Worte des Wirtes zum heiligen Vitus nach . Er stieg herunter von der Tafel , reckte und dehnte sich behaglich , streckte sich sodann lang auf der langen Bank aus , zog die qualmende Lampe näher zu sich heran und schob seinen Lauriger jetzt als Ruhekissen unter den Kopf . Dann schlug er die Hände gleichfalls unter dem Hinterkopfe zusammen und sah so halb schläfrig und ganz gleichgültig dem leise vor sich hinbrummenden Hospes zu , der die Gläser und Krüge abräumte und von Zeit zu Zeit an das niedere Fenster oder vor die Tür seiner Spelunke trat , um in die Nacht hinaus- und seinen liebenswerten Stammgästen nachzuhorchen . Aus der Tiefe des Hauses ertönte gedämpft das Krächzen eines Säuglings , dazwischen die singende Stimme der Wirtin zum heiligen Veit . Auch den Wind vernahm man , und von Zeit zu Zeit das Niederrauschen eines Regenschauers . Bei allem diesem Getön entschlummerte nach den geistigen und körperlichen Strapazen des Tages Herr Lambert Tewes sanft und schlief eine halbe Stunde besser als vielleicht sonst irgendein Mensch in Höxter . Nach einer halben Stunde aber fuhr er wieder in die Höhe und starrte verbiestert um sich und nicht ohne Grund . Die Sturmglocken waren noch nicht ruiniert in Höxter : es läutete Sturm auf Sankt Kilian und es läutete Sturm auf Sankt Niklas ! » Was will uns dieser Tummel doch ? Schlagt in den Erdball mir kein Loch ! Hallo , da sind sie aneinander ! Juchhe , Höxter und Corvey ! Höxter und Corvey ! « schrie der Student jubelnd , und wir – halten uns beide Ohren zu und gehen nunmehr den Weg , den vorhin der gute Mönch , Bruder Heinrich von Herstelle , nach Hause gegangen war . – Heute führt eine schöne Kastanienallee von der Stadt nach der Abtei , und wir wissen von mehr als einem wolkenlosen Sommertage her ihren Schatten zu würdigen . Damals zog sich der Pfad , vom Kriege kahl gefressen , die Weser entlang , nur daß hie und da ein dickköpfiger Weidenstrunk gespenstisch aus dem niedern Ufergebüsch aufragte . Die Nacht und das Winterwetter hatten den Weg für sich ; der Bruder Henricus zog die Kapuze über den Schädel und sah nicht nach rechts und links ; er stolperte selbst für seine Geduld auf dem durch Rosseshuf und Räderspur aufgewühlten und durchfurchten Boden allzu häufig . » Dem Herrn sei Lob ! « ächzte er , als er endlich vor dem Tor von Corvey stand und nach der Glocke des Pförtners tastete ; allein seine Geduld sollte nunmehr noch auf die höchste Probe gestellt werden . Er hätte ebensogut vor das schlafende Schloß der Prinzeß Dornröschen kommen können . Er läutete , und er läutete vergeblich . Sie schliefen alle , vom Herrn Prior , Niklas von Zitzwitz , an bis zum Bruder Pförtner . Kein Lichtstrahl fiel aus irgendeinem Fenster ; – wenn Vater Adelhardus , der Kellermeister , noch Licht hatte , so half das dem Bruder Henricus fürs erste nichts ; denn das Gemach des Pater Kellners war gen Osten , dem Flusse zu gelegen , und der müde Wanderer kam von Westen vor dem Tore an . » All ihr Heiligen , was hat der Böse ihnen in den Schlaftrunk gemischt ? ! « stöhnte der Bruder Henricus nach zehn Minuten unablässigen Pochens , Rufens und Schellens . Nun hing er sich noch einmal an die Glocke , und nimmer hatte er dieselbe im Kirchenturm so brünstig zur Hora oder Mette gezogen . » Endlich ! « rief er grimmig , als sich dann das Fenster neben der Pforte auftat und der Pförtner die Frage tat , wer da Einlaß begehre ? – Das wurde gesagt und der Bruder Henricus eingelassen . In früheren Jahren würde er jetzo den Torhüter an der Gurgel genommen haben ; als alter Mann und demütiger , sanfter Diszipul des heiligen Benedictus aber begnügte er sich mit der unwirschen Frage : » Nun sagt nur , was ist denn eigentlich hier vorgegangen , daß zu dieser frühen Abendzeit das ganze Stift daliegt wie ein Hamsternest im Januar ? « » Wohlleben und Jubilation , ehrwürdiger Herr « , erwiderte der schlaftrunkene , kaum auf den Füßen sich haltende und zwischen jeglichen zwei Worten gähnende Pförtner . » Offenes Haus – seit Eurer Abfahrt – wochenlang – die französische Generalität bei Tag und Nacht ! – O , wir haben uns als freundliche Wirte erwiesen , mein Frater , – wie es uns zukam , mein Frater , – und die französischen Herren waren auch sehr zufrieden mit uns . Wir haben ein gutes Gedüfte von uns mit ihnen in die Ferne entlassen . « » So , so , hm , hm « , brummte der Bruder Heinrich von Herstelle , » und derweilen mußte unsereiner im unwegsamen Solling umhervagieren und mit des verdrießlichen Braunschweigers kalter Küche und lackem Kofent vorliebnehmen ! Ei , ei , und ich bringe doch auch Botschaft vom Gange – wichtige Nachrichten ! Ist denn niemand von den Patres noch wach , daß er sie mir abnehme und mich der Responsabilität erledige ? « » Keiner ! Wir sind alle zu Bett in der großen Müdigkeit ; – wenn – nicht vielleicht , der ehrwürdige Vater Adelhard – « » Aha ! « brummte der Bruder Henricus . » Saget nichts weiter , mein lieber Sohn . Ich danke Euch , daß Ihr mir das Tor geöffnet habt ; nun leget Euch wieder , und Sankt Benedictus versorge Euch mit einem heilsamen und frommen Traum . « » Euch desgleichen , mein Frater « , erwiderte der Bruder Pförtner und zog sich zurück in seine Zelle ; der Bruder Henricus fand seinen Weg schon allein . Er tappte die Gänge und Zellen entlang , und hinter mancher eichenen Tür hervor