einem französischen Memoirenwerke eine unterhaltende Geschichte . Eine wahrhaftige Geschichte mit wörtlicher Angabe der gerichtlichen Deposition des Admirals – ich meine den Admiral Coligny , den ich als Feldherrn zu schätzen weiß . Ich erzähle sie mit der Erlaubnis der Majestät . Bei dem Admiral trat eines Tages ein Partisan ein , Poltrot oder wie der Mensch hieß . Wie ein halb Wahnsinniger warf er sich auf einen Stuhl und begann ein Selbstgespräch , worin er sich über den politischen und militärischen Gegner des Admirals , Franz Guise , leidenschaftlich äußerte und davon redete , den Lothringer aus der Welt zu schaffen . Es war , wie gesagt , das Selbstgespräch eines Geistesabwesenden und es stand bei dem Admiral , welchen Wert er darauf legen wollte – ich möchte die Szene einem Dramatiker empfehlen , sie wäre wirksam . Der Admiral schwieg , da er das Gerede des Menschen für eine leere Prahlerei hielt , und Franz Guise fiel , von einer Kugel – « » Hat Coligny so gehandelt « , unterbrach der König , » so tadle ich ihn . Er tat unmenschlich und unchristlich . « » Und unritterlich « , höhnte der Friedländer kalt . » Zur Sache , Hoheit « , bat der König . » Majestät , etwas Ähnliches ist mir heute begegnet , nur hat der zum Mord sich Erbietende eine noch künstlichere Szene ins Werk gesetzt . Einer der Eurigen wurde gemeldet , und da ich eben beschäftigt war , ließ ich ihn in das Nebenzimmer führen . Als ich eintrat , war er in der schwülen Mittagsstunde entschlummert und sprach heftig im Traume . Nur wenige gestammelte Worte , aber ein Zusammenhang ließ sich erraten . Wenn ich daraus klug geworden bin , hätte ihn Eure Majestät , ich weiß nicht womit , tödlich beleidigt , und er wäre entschlossen , ja genötigt , den König von Schweden umzubringen um jeden Preis , oder wenigstens um einen anständigen Preis , was ihm leicht sein werde , da er in der Nähe der Majestät und in deren täglichem Umgang lebe . Ich weckte dann den Träumenden , ohne ein Wort mit ihm zu verlieren , wenn nicht daß ich nach seinem Begehr fragte . Es handelte sich um Auskunft über einen schon vor Jahren in kaiserlichem Dienste verschollenen Rheinländer , ob er noch lebe oder nicht . Eine Erbsache . Ich gab Bescheid und entließ den Listigen . Nach seinem Namen fragte ich ihn nicht ; er hätte mir einen falschen angegeben . Ihn aber auf das Zeugnis abgerissener Worte einer gestammelten Traumrede zu verhaften , wäre untunlich und eine schreiende Ungerechtigkeit gewesen . « » Freilich « , stimmte der König bei . » Majestät « , sprach der Friedländer jede Silbe schwer betonend , » du bist gewarnt ! « Gustav sann . » Ich will meine Zeit nicht damit verlieren und mein Gemüt nicht damit vergiften « , sagte er , » so zweifelhaften und verwischten Spuren nachzugehen . Ich stehe in Gottes Hand . Hat die Hoheit keine weiteren Zeugen oder Indizien ? « Der Friedländer zog den Handschuh hervor . » Mein Ohr und diesen Lappen da ! Ich vergaß der Majestät zu sagen , daß der Träumer schlank war und ein ganz charakterloses , nichtssagendes Gesicht , offenbar eine jener eng anschließenden Larven trug , wie sie in Venedig mit der größten Kunst verfertigt werden . Aber seine Stimme war angenehm markig , ein Bariton oder tiefer Alt , nicht unähnlich der Stimme Eures Pagen , und der Handschuh , der ihm entfiel und bei mir liegen blieb , sitzt selbigem Herrn wie angegossen . « » Der König lachte herzlich . « » Ich will mein schlummerndes Haupt in den Schoß meines Leubelfings legen « , beteuerte er . » Auch ich « , erwiderte der Friedländer , » kann den jungen Menschen nicht beargwöhnen . Er hat ein gutes ehrliches Gesicht , dasselbe kecke Bubengesicht , womit meine barfüßigen böhmischen Bauermädchen herumlaufen . Doch , Majestät , ich bürge für keinen Menschen . Ein Gesicht kann täuschen und – täuschte es nicht – ich möchte keinen Pagen um mich sehen , wäre es mein Liebling , dessen Stimme klingt wie die Stimme meines Hassers , und dessen Hand dasselbe Maß hat wie die Hand meines Meuchlers . Das ist dunkel . Das ist ein Verhängnis . Das kann verderben . « Gustav lächelte . Er mochte sich denken , daß der großartige Emporkömmling jetzt , da er durch seinen ungeheuerlichen Pakt mit dem Habsburger das Reich des Unausführbaren und Chimärischen betreten hatte , mehr als je allen Arten von Aberglauben huldigte . Den innern Widerspruch durchschauend zwischen dem Glauben an ein Fatum und den Versuchen , dieses Fatum zu entkräften , wollte der seines lebendigen Gottes Gewisse mit keinem Worte , nicht mit einer Andeutung ein Gebiet berühren , wo das Blendwerk der Hölle , wie er glaubte , sein Spiel trieb . Er ließ das Gespräch fallen und erhob sich , dem Herzoge für sein loyales Benehmen dankend . Doch griff er dabei nach dem Handschuh , welchen der Friedländer nachlässig auf ein zwischen ihnen stehendes Tischchen geworfen hatte , aber mit einer so kurzsichtigen Gebärde , daß sie dem scharf blickenden Wallenstein , der sich gleichfalls erhoben hatte , seinerseits ein unwillkürliches Lächeln abnötigte . » Ich sehe mit Vergnügen « , scherzte der König , den Friedländer gegen die Türe begleitend , » daß die Hoheit um mein Leben besorgt ist . « » Wie sollt ich nicht ? « erwiderte dieser . » Ob sich die Majestät und ich mit unsern Armaden bekriegen , gehören die Majestät und ich « – der Herzog wich höflich einem » wir « aus – » dennoch zusammen . Einer ist undenkbar ohne den andern und « scherzte er seinerseits – » stürzte die Majestät oder ich von dem einen Ende der Weltschaukel , schlüge das andere unsanft zu Boden . « Wieder sann