brachtest mir aus dem Schmuckkästchen zwei Kristalle – « Die Richterin lauschte . » Stemma , du bist noch jung , und auch ich bin jung geblieben , wenig alter als da wir uns liebten « , schluchzte Peregrin zärtlich . » Wir liebten uns « , sagte Stemma . » Du lagest in meinen Armen ! « » Wo dich der Judex überraschte und erwürgte « , sprach sie hart . Peregrin ächzte und Flecken wurden an seinem Halse sichtbar . » Er lud mich auf ein Maultier , zog mit mir davon und warf mich in den Abgrund . « » Peregrin , ich habe geweint ! Aber besinne dich : dein ist die Schuld ! Bin ich nicht dreimal vor dich getreten , mein Bündel in der Hand ? Habe ich dich nicht drohend beschworen , mit mir zu fliehen ? Wer wollte Fuß neben Fuß in Armut und Elend wandern ? Du aber erblaßest und erbleichtest , denn du hast ein feiges Herz . Ich liebte dich und , bei meinem Leben ! – warest du ein Mann – Vater , Heimat , alles hätte ich niedergetreten und wäre dein eigen geworden . « » Du wurdest es « , flüsterte der Schatten . » Niemals ! « sagte Stemma . » Sieh mich an : gleiche ich einer Sünderin ? Blicke ich wie eine Leidenschaftliche und Leichtfertige ? Bin ich nicht die Zucht und die Tugend ? Und so war ich immer . Du hast mich nicht berührt , kaum daß du mir mit furchtsamen Küssen den Mund streiftest . Wo hättest du auch den Mut hergenommen ? « Da geriet der Schatten in Unruhe . » O ihr Gewalttätigen beide , der Vater und du ! Er hat mich geraubt und erwürgt , du , Stemma , locktest mit dem Blutstropfen ! Gib den Finger , da sitzt das Närbchen ! « Stemma hob die Achseln . » Es war einmal « , höhnte sie . Da wiegte Peregrinus , der sich gleich wieder besänftigte , die Locken und sang mit gedämpfter Stimme : » Es war einmal , es war einmal Ein Fürst mit seinem Kinde , Es war einmal ein junger Pfaff In ihrem Burggesinde . Am Mahle saßen alle drei , Da riefen den Herrn die Leute › Herr Judex , auf ! Zu Roß ! Zu Roß ! Im Tal zieht eine Beute ! ‹ Er gürtet sich das breite Schwert Und wirft mit einem Gelächter Den Hausdolch zwischen Maid und Pfaff Als einen scharfen Wächter . Den Judex hat das schnelle Roß Im Sturm davongetragen , Zweie halten still und bang Die Augen niedergeschlagen . Stemma hebt das Fingerlein , Sie tut es ihm zu Leide , Und fährt damit wohl auf und ab Über die blanke Schneide . Ein Tröpflein warmen Blutes quoll – « » Stille , Schwächling ! « zürnte die Richterin . » Das hast du dir in deinem Schlupfwinkel zusammengeträumt . Solche Schmach kennt die Sonne nicht ! Stemma ist makellos ! Und auch der Comes , er komme nur ! ihm will ich Rede stehen ! « » Stemma , Stemma ! « flehte Peregrin . » Hinweg , du Nichts ! « Sie entzog sich ihm mit einer starken Gebärde und seine Züge begannen zu schwimmen . » Mein Weib , mein – « » Leben « wollte er sagen , doch das Wort war dem Ohnmächtigen entschwunden . » Hilf , Stemma « , hauchte er , » wie heißt es , das Atmende , Blühende ? Hilf ! « Die Richterin preßte die Lippen und Peregrinus zerfloß . Erwacht stand sie vor dem Lager ihres Kindes . Sie küßte ihm die geschlossenen Augen . » Bleibet unwissend ! « murmelte sie . Dann glitt sie neben Palma auf das breite Lager und schlang den Arm um das Mädchen , wie um eine erkämpfte Beute : » Du bist mein Eigentum ! Ich teile dich nicht mit dem verschollenen Knaben ! Dich siedle ich an im Licht und umschleiche dich wie eine hütende Löwin ! « Der Traum hatte ihr Peregrin gezeigt nicht anders als sein Bild in ihr zu leben aufgehört hatte . Längst war der Jüngling , dem sie sich aus Trotz und Auflehnung mehr noch als aus Liebe heimlich vermählt , an ihrem kasteiten Herzen niedergeglitten und untergegangen , und der einst aus ihrer Fingerbeere gespritzte Blutstropfen erschien der Geläuterten als ein lockeres und aberwitziges Märchen . Schon glaublicher deuchte ihr der andere Bewohner der Unterwelt , und da sie sich auf dem Lager umwendete und das Haupt in die Kissen begrub , ohne den Arm von der Schulter ihres Kindes zu lösen , erblickte die Entschlummernde den Comes , wie er an den Speer gelehnt verdrießlich im Schilfe saß und etwas Feindseliges in den Bart murmelte . Ein Lächeln des Hohnes glitt über ihr verdunkeltes Gesicht , denn Stemma kannte die Hilflosigkeit der Abgeschiedenen . Im ersten Lichte weckte die zwei Schlafenden ein jäher Hornstoß und riß sie vom Lager empor . Der gewaltsame Tagruf beleidigte das feine Ohr der Richterin . Sie erriet , wen er meldete , und mit schnellem Entschluß und festem Schritte ging sie Wulfrin entgegen . Noch vor ihr , den rasch ergriffenen Wulfenbecher in der Hand , war Palma durch die Tür gehuscht . In das von Rudio geöffnete Tor tretend , stand Stemma vor dem Höfling , der sie mit verwunderten Augen betrachtete . Das Antlitz gebot ihm Ehrfurcht . Er verschluckte ein unziemliches Scherzwort über sein durch vier Weiber gerettetes Leben . Bewältigt von dem ruhig prüfenden Blicke und der Hoheit der blassen Züge sagte er nur : » Hier hast du mich , Frau « , worauf sie erwiderte : » Es hat Mühe gekostet , dich nach Malmort zu bringen . « » Wo ist die Schwester , daß ich sie küsse ? « fuhr er fort und diese , die inzwischen den Becher gefüllt hatte ,