Verlangen trägt , und was ich ihm als treuer Untertan gönne und , soviel an mir liegt , verschaffen möchte . Mein Plan ist folgender : Eine hugenottische Freischar ist in diesen Tagen in Flandern eingefallen . Kann sie sich gegen Alba halten – und dies hängt zum großen Teil davon ab , daß Ihr gleichzeitig den spanischen Feldherrn von Holland her angreift – so wird dieser Erfolg den König bewegen , alle Hindernisse zu überwinden und entschlossen vorwärts zu gehn . Ihr kennt den Zauber eines ersten Gelingens . Ich war mit dem Schreiben zu Ende , als ein Diener erschien und dem Admiral etwas zuflüsterte . Ehe dieser Zeit hatte , sich von seinem Sitze zu erheben , trat ein sehr junger Mann von schlanker , kränklicher Gestalt heftig erregt ins Gemach und eilte mit den Worten auf ihn zu : » Guten Morgen , Väterchen ! Was gibt es Neues ? Ich verreite auf einige Tage nach Fontainebleau . Habt Ihr Nachricht aus Flandern ? « Jetzt wurde er meiner gewahr und auf mich hindeutend frug er herrisch : » Wer ist der da ? « – » Mein Schreiber , Sire , der sich gleich entfernen wird , wenn Eure Majestät es wünscht . « – » Weg mit ihm ! « rief der junge König , » ich will nicht belauscht sein , wenn ich Staatsgeschäfte behandle ! Vergeßt Ihr , daß wir von Spähern umstellt sind ? – Ihr seid zu arglos , lieber Admiral ! « Jetzt warf er sich in einen Lehnstuhl und starrte ins Leere ; dann , plötzlich aufspringend , klopfte er Coligny auf die Schulter , und als hätte er mich , dessen Entfernung er eben gefordert , vergessen , brach er in die Worte aus : » Bei den Eingeweiden des Teufels ! wir erklären seiner katholischen Majestät nächstens den Krieg ! « Nun aber schien er wieder in den früheren Gedankengang zurückzufallen , denn er flüsterte mit geängstigter Miene : » Neulich noch , erinnert Ihr Euch ? als wir beide in meinem Kabinett Rat hielten , da raschelte es hinter der Tapete . Ich zog den Degen , wißt Ihr ? und durchstach sie zweimal , dreimal ! Da hob sie sich , und wer trat darunter hervor ? Mein lieber Bruder , der Herzog von Anjou , mit einem Katzenbuckel ! « Hier machte der König eine nachahmende Gebärde und brach in unheimliches Lachen aus . » Ich aber « , fuhr er fort , » maß ihn mit einem Blicke , den er nicht ertragen konnte und der ihn flugs aus der Türe trieb . « Hier nahm das bleiche Antlitz einen Ausdruck so wilden Hasses an , daß ich es erschrocken anstarrte . Coligny , für den ein solcher Auftritt wohl nichts Ungewöhnliches hatte , dem aber die Gegenwart eines Zeugen peinlich sein mochte , entfernte mich mit einem Winke . » Ich sehe , Eure Arbeit ist vollendet « , sagte er , » auf Wieder sehen morgen . « – Während ich meinen Heimweg einschlug , ergriff mich ein unendlicher Jammer . Dieser unklare Mensch also war es , von dem die Entscheidung der Dinge abhing . – Wo sollte bei so knabenhafter Unreife und flackernder Leidenschaftlichkeit die Stetigkeit des Gedankens , die Festigkeit des Entschlusses herkommen ? Konnte der Admiral für ihn handeln ? Aber wer bürgte dafür , daß nicht andere , feindliche Einflüsse sich in der nächsten Stunde schon dieses verworrenen Gemütes bemächtigten ! Ich fühlte , daß nur dann Sicherheit war , wenn Coligny in seinem König eine selbstbewußte Stütze fand ; besaß er in ihm nur ein Wertzeug , so konnte ihm dieses morgen entrissen werden . In so böse Zweifel verstrickt , verfolgte ich meinen Weg , als sich eine Hand auf meine Schulter legte . Ich wandte mich und blickte in das wolkenlose Gesicht meines Landsmannes Boccard , der mich umhalste und mit den lebhaftesten Freudenbezeugungen begrüßte . » Willkommen , Schadau , in Paris ! « rief er , » Ihr seid , wie ich sehe , müßig , das bin ich auch , und da der König eben verritten ist , so müßt Ihr mit mir kommen , ich will Euch das Louvre zeigen . Ich wohne dort , da meine Kompanie die Wache der innern Gemächer hat . – Es wird Euch hoffentlich nicht belästigen « , fuhr er fort , da er in meinen Mienen kein ungemischtes Vergnügen über seinen Vorschlag las , » mit einem königlichen Schweizer Arm in Arm zu gehn ? Da ja Euer Abgott Coligny die Verbrüderung der Parteien wünscht , so würde ihm das Herz im Leibe lachen ob der Freundschaft seines Schreibers mit einem Leibgardisten . « » Wer hat Euch gesagt ... « unterbrach ich ihn erstaunt – » Daß Ihr des Admirals Schreiber seid ? « lachte Boccard . » Guter Freund , am Hofe wird mehr geschwatzt , als billig ist , Heute morgen beim Ballspiel war unter den hugenottischen Hofleuten die Rede von einem Deutschen , der bei dem Admiral Gunst gefunden hätte , und aus einigen Äußerungen über die fragliche Persönlichkeit erkannte ich zweifellos meinen Freund Schadau . Es ist nur gut , daß Euch jenesmal Blitz und Donner in die drei Lilien zurückjagten , sonst wären wir uns fremd geblieben , denn Eure Landsleute im Louvre hättet Ihr wohl schwerlich aus freien Stücken aufgesucht ! Mit dem Hauptmann Pfyffer muß ich Euch gleich bekannt machen ! « Dies verbat ich mir , da Pfyffer nicht nur als ausgezeichneter Soldat , sondern auch als fanatischer Katholik berühmt war , willigte aber gern ein , mit Boccard das Innere des Louvre zu besichtigen , da ich den vielgepriesenen Bau bis jetzt nur von außen betrachtet hatte . Wir schritten nebeneinander durch die Straßen und das freundliche Geplauder des lebenslustigen Fryburgers war mir willkommen , da es mich von meinen schweren Gedanken erlöste . Bald betraten wir das französische Königsschloß ,