gleichgültig wie nur möglich . Der junge Mann senkte traurig den Kopf und schwieg . Sie meinte innerlich , nun habe sie wohl lange genug dagestanden . Er schien nichts mehr sagen zu wollen , und doch ging er auch nicht fort . Ihre Lage wurde immer peinlicher , so daß sie endlich einen Schritt zurücktrat und verlegen sagte : » Ich werde nun wohl hineingehen müssen – wir haben Gäste . Auch ist ' s nicht ratsam für Euch , so lange hier zu stehen – die Nachbarn sind bös ... Wenn Euch jemand hier sieht , so könnt Ihr bei Schulzens großen Schaden davon haben . « » Nun , und was kümmert mich das ? « Marie sah hastig und erstaunt auf . Sein Ton klang so merkwürdig gleichgültig und kalt . » Ihr sprecht recht sonderbar « , sagte sie betroffen . » Ich meine , Ihr solltet nicht so unhöflich gegen die Leute sein , wo Ihr zu Gast seid – und Margarete ... « Sie geriet immer mehr ins Stocken – sah sie doch der Joseph so eigentümlich an , daß sie nicht mehr wußte , wo sie ihre Blicke hinwenden sollte . » Margarete ? « fragte er lächelnd . » Was hätte denn die dabei zu sagen ? « » Ihr versteht mich ganz und gar nicht ! « rief das junge Mädchen jetzt aufgeregt und im Begriff , die mühsam behauptete Fassung zu verlieren . » Oder Ihr wollt Euch einen Spaß mit mir erlauben , und das dürft Ihr doch wahrhaftig nicht . « Bei diesen Worten traten Tränen in ihre Augen . Er faßte erschrocken ihre Hand . » Das glaubt Ihr nicht im Ernst von mir – so sehe ich doch wohl nicht aus « , sagte er rasch . » Nun ja – ich muß wohl so denken « , antwortete sie ruhiger , indem sie ihre Hand zurückzog , » denn ich habe so deutlich gesprochen , daß Ihr mich nicht anders verstehen konntet . « » So sagt mir nur um alles in der Welt , was hat denn Margarete mit meinem Hiersein zu schaffen ? ... Glaubt Ihr denn , ich frage des Schulzen Töchter um Rat und Erlaubnis , wenn ich ausgehen will ? « » Ja , ich meine allerdings , daß Eure Braut das von Euch verlangen kann . « » Meine Braut ? ... Ja , wer ist denn die ? « » Nein , das geht zu weit ! ... Wollt Ihr Eure Neckerei so weit treiben , daß ich Euch noch den Namen sagen soll ? « » Sagt ihn , sagt ihn – denn ich weiß ihn nicht ! Aber ich müßte auf den Kopf gefallen sein , wenn ich aus Euren Reden nicht merken sollte , daß mir die Ringelshäuser Klatschweiber Margarete als Braut zuweisen – da irren sich die Leute aber stark – , habt Ihr das wirklich von mir geglaubt , Marie ? « » Ja , warum sollte ich denn nicht ? ... O mein Gott ! ... Aber seid Ihr denn nicht öfter zu Schulzens auf Besuch gekommen ? « » Habt Ihr das bemerkt ? « fragte Joseph rasch , und sein leuchtender Blick hing an ihrem Munde . » Die – Nachbarin sagte es . « » Nun – und mußte denn das gerade Margaretes wegen sein ? « Er hielt einen Augenblick inne , während er sie mit brennenden Blicken betrachtete . » Könnt Ihr Euch gar nicht denken , was mich immer wieder hierherzog ? « fuhr er fort . » Seht mich nur ein einziges Mal freundlich an , und ich sage es Euch ! « Joseph bog sich bei diesen Worten über die Mauer und drückte die Hand des jungen Mädchens leidenschaftlich an sich . Um Maries Selbstbeherrschung war es jetzt geschehen . Dieser Mann , dem ihr ganzes Herz entgegenschlug , er war frei , frei ! ... Ihre Seele jauchzte – er stand vor ihr und bettelte um einen freundlichen Blick , er , der ihr noch vor wenigen Stunden unerreichbar fern gestanden , er , den die Nachbarin stolz wie einen Edelmann genannt hatte ! ... Sie erfüllte seine Bitte und sah schüchtern zu ihm auf . » Ach – Ihr wollt es wissen ? « rief er , und seine Stimme bebte vor innerer Aufregung . » Ich darf sprechen , wie mir ums Herz ist ? ... Seht , eine unglückliche Frau wurde von einem ehrlosen Buben beleidigt . Es standen viele Leute da , aber keiner nahm sich ihrer an ... Da kam plötzlich ein schönes Mädchen – mir war ' s , als sähe ich den Engel mit dem feurigen Schwert ! ... Und als sie nun sprach , so gewaltig und furchtlos , und ich sah in ihre Augen , da fuhr es mir durch das Herz , und seitdem ist mir , als hätte ich bis dahin in Blindheit gelebt ... Ich hatte von dem Augenblick an im eigenen Hause keine Ruhe mehr . Ich ritt nach Ringelshausen , so oft ich konnte ... Der Schullehrer , Euer alter Freund , Marie , mußte mir dann von Euch erzählen – von seinem Fenster aus konnte ich das Gärtchen hier übersehen ... Dann saget Ihr zuweilen da drunten am schmalen Weg , unter dem Apfelbaum . Niemals ruhte die Nadel in Eurer flinken Hand ; dabei überhörtet Ihr die Aufgabe der kleinen Schwester und konntet sehr ernst aussehen , wenn die Sache nicht recht ging . Oder Ihr verscheuchtet die Fliegen von dem kleinen Kind , das neben Euch im Korbwagen schlief ... Ich sah Euch aber noch lieber , wenn Ihr da droben am Dachfenster einsam standet , da , wo Ihr Nelken und Reseda in Töpfen zieht – da blickten Eure Augen hell in die weite Welt hinein , Euer Gesicht sah so glücklich aus , und ich wünschte dann allemal , Ihr möchtet in einem