meiner seligen gnädigen Frau . Nein , damit dürfen Sie mir nicht kommen , gnädiger Herr , damit nicht ! ... Nicht ein Bröckchen , nicht so viel , daß man einen Zwirnsfaden damit wichsen kann , nehme ich von dem Zeug da ! – Aber ich sage nun auch , gut ist ' s , gleich vor die rechte Schmiede zu gehen . Mag doch einer herüberkommen und die Nase hineinstecken , da gibt ' s nachher kein dummes Gerede ! « 4. Am Nachmittag des anderen Tages schritt Klaudine durch den Wald nach dem Neuhäuser Geroldshofe . Sie wollte selbst mit Beate sprechen . Sie hatte den schmalen Fußweg gewählt , der nach verschiedenen Krümmungen auf die breite , in der Nähe des Altensteiner Geroldshofes von der Chaussee abzweigende Fahrstraße mündete . Es war ein beträchtliches Stück Weges , das sie zurücklegen mußte , aber sie ging auf weichem Moos und Gräsern wie auf Samt , und über ihr dunkelte das festverwachsene , von kräftigem Grün strotzende Geäst der Baumriesen . Sie selbst , der schöne Schwan der Geralds , wie ihr Bruder sie zärtlich nannte , wandelte in ihrem hellen Sommerkleid , mit dem weißen Strohhut über der Stirn , wie ein Lichtschein durch das köstlich kühle , grüne Dämmern , das sie umfing , bis sie die Fahrstraße betrat . Von da ging es ganz allmählich bergauf in lichter werdendem Gehölz , dann an Kleeäckern und Kornbreiten vorüber durch das ganze , weithingebreitete , segentriefende Mustergelände . Unwillkürlich bückte sie sich , um eine Handvoll Butterblumen zu pflücken , die wie Goldaugen auf dem fetten Wiesengrase leuchteten . Nicht lange , da blinkten auch die Fensterreihen des Gutshauses auf . Es lag auf einer sanften Bodenerhebung . Kurz gehalten , samtartig legte sich der Rasen über die Abhänge . Klaudine stieg einen der schmalen Wege hinauf , die den Rasen durchschnitten . Sie ging mit gesenkter Stirn und sah erst auf , als sie den Kies unter den Linden an der Westseite des Hauses betrat , und da schrak sie zusammen und hielt einen Moment unangenehm betroffen und unschlüssig den Schritt an . Neuhaus hatte Gäste . Eine Dame , die offenbar promenierend im Lindenschatten auf und ab gegangen war , trat ihr entgegen , eine stattliche Erscheinung mit sehr weißem Gesicht und südlich flammenden , dunklen Augen . Ihre elegante , grauseidene Schleppe fegte den Kies , und in dem Kamme , der ihre vollen Haarsträhnen hoch auf dem Scheitel zusammenhielt , blitzten bei jeder Wendung farbige Steine auf . Sie trug ein Kind auf dem Arme , ein hageres , gelbes Geschöpfchen in weißem Tragkleid , dessen Spitzenkanten nahezu den Boden streiften . Klaudines Blick hing wie festgebannt an dem Kindergesichtchen . Sie kannte diese großen , funkelnden Beerenaugen , das gebogene Näschen über den starkgeschwellten Lippen , die niedere Stirn , auf welcher sich die dicken , schwarzen , feuchtglänzenden Haare so eigenwillig aufsträubten – das war der Gesichtstypus der Seitenlinie des herzoglichen Hauses . » Will haben ! « stammelte die Kleine und reichte verlangend nach den Butterblumen in Klaudines Hand . Die junge Dame wollte ihr freundlich lächelnd den Strauß in das ausgestreckte Händchen drücken , aber die Trägerin des Kindes wich so rasch zurück , als sei die beabsichtigte Berührung ansteckend . » O bitte – nicht ! Ich kann das nicht erlauben ! « protestierte sie , und ihr Blick streifte hochmütig den einfachen Anzug der jungen Dame . Bei dieser Weigerung erhob das Kind ein ohrzerreißendes Geschrei . Im gleichen Augenblick bog ein Herr um die Hausecke . » Weshalb schreit denn die Kleine so häßlich ? « rief er , rasch näherkommend , mit hörbarem Unwillen . Klaudine nahm unwillkürlich die kühl ablehnende Haltung an , die ihr am Hofe Schild und Panzer gewesen war . – Baron Lothar war nach Deutschland zurückgekehrt , und das kleine , eigensinnige Mädchen da war sein Kind . » Will haben ! « wiederholte die Kleine und zeigte nach den Blumen . Baron Lothar drohte ihr ernst mit dem Finger , worauf sie scheu verstummte . Eine jähe Glut war in sein bärtiges Gesicht geschossen , und aus seinen Augen fuhr ein Blitz über die ernst-ruhige Erscheinung der ehemaligen Hofdame . Nichtsdestoweniger verbeugte er sich tief und ritterlich vor ihr . » Kind « , sagte er spöttisch lächelnd zu der Kleinen , während er ihr mit seinem Taschentuch die Tränen von dem hageren Gesichtchen wischte , » wer wird Blumen begehren , die andere pflücken ! Und weißt du nicht , daß Frauenhand da am liebsten verweigert , wo gewünscht wird ? « Klaudine sah ihm , diesem verzogenen , vergötterten Liebling aller Damen , mit ungläubigem Erstaunen in das Gesicht , aber sie blieb seiner Bemerkung gegenüber vollkommen unbefangen . » Durch mich soll das Kindchen da diese erste schlimme Erfahrung gewiß nicht machen « , entgegnete sie gelassen . » Auch habe ich kaum ein Recht an diese Blumen – sie sind auf Ihrer Wiese gewachsen . Erlauben Sie jetzt – ? « wandte sie sich an die Trägerin des kleinen Mädchens . Baron Lothar drehte sich rasch um und fixierte die stattliche Dame mit einem zornig erstaunten Blicke . » Jetzt ? « wiederholte er . » Wieso ? « » Ich fürchtete , Leonie möchte die Blumen in den Mund stecken « , antwortete die Dame stockend . Verlegenheit und Ärger stritten in ihrer Stimme . » Und die Wiesenblumen , die unbarmherzig zerzupft dort massenhaft neben dem Kinderwagen und auf seinen Decken liegen , wer hat ihr die gegeben , Frau von Berg ? « Die Dame schwieg und wandte den Kopf . Klaudine beeilte sich , dem Kind den Strauß hinzureichen , denn die Szene wurde peinlich . In demselben Augenblick waren aber auch die zwei kleinen Fäuste dabei , die armen , gelben Dinger in Atome zu zerzupfen . Klaudine mußte unwillkürlich an die Mutter des Kindes , die Prinzessin Katharina ,