und folgte auch Großvater mit den Decken ins Schlafzimmer , und als sie den alten Herrn dort ebenfalls versorgt hatte , trat sie abermals ein , öffnete die Fenster , legte frischen Torf in den Ofen und ergriff endlich mit zitternden Händen das gebrauchte Tafelgeschirr , um es in der Küche zu säubern . Sie tat mir furchtbar leid , ich muß es sagen , aber helfen konnte ich ihr nicht . Großmutter , die überhaupt leicht reizbar war , jetzt in der Rekonvaleszenz mit Bitten zu bestürmen , wäre vergeblich gewesen und hätte der Guten auch nur geschadet . Zudem hatte ich selbst die Geschichte mit dem Kürassier reichlich frech gefunden und – Großmutter mußte ja wissen , was sie zu tun hatte . Ich besuchte während des Mittagsschlafes der alten Leute den Lenkwitzer Onkel , den ich ebenfalls auf dem Wege der Besserung fand , und kehrte gegen vier Uhr in das Forsthaus zurück . Es war ein recht windiger Februartag , meine lieben Alten saßen bereits bei der Lampe auf ihren Sofaplätzen und tranken Kaffee und lasen die Zeitung . Großmutter erinnerte mich nochmals an 49 die Vermietsfrau und ich verabschiedete mich von beiden , als gegen sechs Uhr der Wagen gemeldet wurde . Im Flur redete Kathrin mich plötzlich an : » O gnä ' Fräulein , nur ein Wort , gnä ' Fräulein ! « Sie stand in der Küchentür und winkte verstohlen . Ich ging ganz verwundert zu ihr und fragte , was sie wünsche . Der Schein der Lampe fiel auf ein ganz verweintes Gesicht ; sie stand da mit niedergeschlagenen Augen , den Schürzensaum in der Hand , wie das schämige Mädchen aus dem Volkslied . » O gnä ' Fräulein , « stieß sie endlich hervor , » es is man bloß wegen die Neue , man bloß daß Sie auch ' ne Ordentliche kriegen , weil for dies Haus nicht jede paßt . Die ollen Deerns sind ja jetzt alle rein tippelig , man bloß Staat machen und nichts tun , kaum noch daß eine bei ' s Scheuern hinknieen will ; und gnä ' Frau is das nich gewöhnt und ärgert sich darüber und nachher wird sie wieder elend – es is mich ein schrecklicher Gedanke . « Und dabei tropften ihr die schweren Tränen über die Backen , die so schmal geworden waren . » Ja , ja , Kathrin ! « sagte ich gerührt , » ich werde darauf sehen , daß eine Ordentliche antritt . Es ist schade , Kathrin , daß die Sache so kam , aber – « » Ach nee ! Nee ! Ich sehe ja ein – ich zieh ' – freilich , ich zieh ' ! Aber wenn man bloß eine kommt , die gnä ' Frau zu nehmen versteht ! Wenn ' s eine is , die leicht aufmuckt , daß sie sich man bloß nich krank ärgert , die gnä ' Frau ; und – ' ne Ehrliche , gnä ' Fräulein . Die Ekels können ihr ja alles fortschleppen , weil doch gnä ' Frau noch immer erbärmlich is und die Speisekammerschlüssel aus die Hände geben muß , wenn sie ihr Kopfweh hat . Wenn ich daran denk ' , daß so ' n Balg sie bemopsen tät ' – – « » Na , Kathrin , ängstigen Sie sich nur nicht vorher . Haben Sie denn schon einen Dienst in Aussicht ? « Sie schüttelte den Kopf . » Ich hab ' noch keine Zeit gehabt – – « » Nun , dann kann ich Sie vielleicht empfehlen bei der Mietsfrau ? Großmutter wird Ihnen ja doch sicher ein gutes Zeugnis geben . « 50 Sie antwortete nicht , sie biß sich nur auf die Lippen , um einen erneuten Tränenerguß zu verhindern , und endlich sagte sie , sich umwendend und ihre Arbeit , das Messerputzen , wieder aufnehmend : » Ich danke schön , Fräulein , aber mich is alles egal , ich habe keine Lust mehr zu mich , nich ein bißchen . « Und nun sprach sie kein Wort weiter , obgleich ich sie mehreres fragte ; sie begnügte sich , mit dem Kopf zu nicken oder zu schütteln , wobei sie wieder leise weinte ; und wenn ihr eine Träne auf die fleißige rasche Hand fiel , dann wischte sie dieselbe mit einer ärgerlichen Bewegung an der blauen Schürze ab . Ich verließ sie endlich und stieg in den Wagen , mir im stillen vornehmend , für sie nach einer guten Stelle zu suchen . Die dicke Kathrin tat mir gar zu leid . In nächster Zeit fand ich denn wirklich eine Neue für Großmutter , die , den Zeugnissen nach , zu passen schien , und nach längerem Hin- und Herschreiben fuhr ich mit der Erkorenen nach Lenkwitz , um sie persönlich vorzustellen . Sie war , im Gegensatz zu Kathrin , dürr wie ein Zaunspfahl , sah älter aus als sie war , und sie näherte sich doch schon den Vierzigern . Großmutter brauchte dem Anschein nach nicht besorgt zu sein , daß ein Kürassier dieser Schönheit wegen den weiten Weg von der Stadt nach Lenkwitz unternehmen werde . Kathrin sah mit ihren vierunddreißig Lenzen neben jener ungefähr aus wie eine eben erblühte Rose neben einer Hagebutte . Kochen sollte die Neue gut , ebenso die Wäsche verstehen , auch etwas Kenntnisse der Geflügelzucht und des Gartenbaues besitzen , dazu sollte sie » etwas Behägliches « haben , wie im Atteste einer Witwe besonders hervorgehoben war , die sich » Amelia Nommel « unterschrieben hatte . Auf die Frage , warum Auguste – so hieß die Neue – denn diesen Dienst verlassen habe , erwiderte sie , daß die alte Frau Nommel zu ihrem Sohn nach Magdeburg gezogen sei , und daß sie , Auguste , dorthin nicht mitgewollt habe – eine durchaus befriedigende Antwort . Großmutter Anita war schließlich nur noch bedenklich wegen der kurzen Dienstzeit , die Auguste