daß ich quer durch ein Tannengestelle drang , um rascher heim zu kommen . Das Geäst schlug mir die Augen wund – ich achtete es nicht ; rasch athmend stand ich endlich unter der Linde neben dem Brunnen ; es lag ein unheimlich fahlgelb Dämmern über dem alten Gemäuer und den herbstlichen Wipfeln der Bäume , und da ich Alles so friedlich und still vor mir sah , kam auch Ruhe über mich und ein fast übermüthig Thun . Ich schlich mich durch das Hofpförtlein , klomm an dem Epheu , der ihr Fenster umrankte , ein paar Fuß in die Höhe , und wollte schauen , was sie in der Einsamkeit wohl beginnen möge . Textdaten zum vorherigen Teil < < < > > > zum Anfang Autor : W. Heimburg Titel : Unverstanden aus : Die Gartenlaube 1880 , Heft 39 , S. 638 – 640 Fortsetzungsgeschichte – Teil 3 [ 638 ] Unverstanden . Alte Rechte vorbehalten . Von W. Heimburg . ( Schluß . ) „ Zuerst sah ich nichts ; denn mein Auge konnt ' sich nicht gewöhnen an die Dämmerung da innen , aber dann – Johannes ! Wie bin ich nur herunter gekommen von dem Fenster , und zu dem Bänklein , wo ich mich hernach wieder fand ! Mein Weib – und mein Freund ! Er lag auf den Knieen vor ihr , die im Sessel ruhete , hatte ihre Hände gefasset und den Kopf darüber gebeuget – kein Hauch , kein Laut , der sie störete in dem einsamen Hause ! Der das Recht dazu gehabt , war ja tief im Walde . Da faßte mich ein finsteres böses Wesen ; ich riß das Gewehr von meiner Schulter und legete an auf das Fensterlein , aber dann warf ich jenes weit von mir und barg den Kopf in meine Hände , und die finstersten Stunden meines Lebens senketen sich über mich . Erst spät ging ich in mein Gemach und lauschte auf ihre Tritte – was ich mit ihr beginnen wollte , war mir selbst nicht klar , ein Zorn hatte mein Herz erfasset , eine Verachtung , daß ich sie mit dem Fuße hätte hinwegstoßen mögen , wie einen Hund . Und endlich hörte ich sie kommen ; die Thür des Zimmers that sich langsam auf , und sie stand auf der Schwelle , so schlank , so süß , wie nur jemals ; verweint und bleich schritt sie zu mir herüber , und vor mir stehen bleibend , sank sie zu Boden . „ Heinrich ! Heinrich ! “ klang es in mein Ohr , und ihre gefalteten Hände reckten sich empor zu mir . Was sie noch sonsten sagte , verstand ich nicht ; die Worte erstarben auf ihren Lippen . Da sprang ich auf in wildem Zorne und riß sie jäh empor ; mit festem Griffe packte ich ihre Hand und führete sie hinaus aus dem Gemache durch die Halle , über die Schwelle meines Hauses . Willenlos folgete sie mir , nur ein schier vergehender Blick brach aus ihren Augen , wie der eines todtwunden Rehes . Ich sagte nichts und deutete nur mit der Hand den Weg entlang , aber nun verstand sie mich ; hoch und stolz hatte sie sich aufgerichtet , das schöne Haupt in den Nacken zurückgeworfen – so stand sie vor mir , als wär ' nicht sie , sondern ich schuldig . Ihre Lippen bewegten sich , als wollt ' sie sprechen ; dann wendete sie sich mit fast verachtungsvoller Geberde und schritt in den dämmernden Abend hinaus – und als sie mir entschwunden , da warf ich das Gewehr über und im wilden Schmerze lief ich die Nacht im Walde umher . Als ich nach Hause kam im Morgennebel , hatte ich nur den einen Wunsch , sie möge wiedergekehrt sein , schuldig oder nicht ; ich lag zu tief in des unseligen Weibes Fesseln . Jobst aber berichtete mir erschreckt , die Frau sei über Nacht nicht daheim gewesen , also daß ich bitter auflachte : „ sie wird ein Obdach wohl gefunden haben . “ Doch im selbigen Momente sprengte ein Reiter daher , und ich erkannte an dem isabellenfarbigen Rosse Prinz Christian ; da warf ich Jobsten mein Gewehr zu , auf daß kein Unglück geschehe , stemmete meine Hände in die Seiten und sah ihn finster herankommen . Er streckte mir die Hand entgegen ; das Haar hing ihm verworren um die Stirn ; unordentlich saßen ihm die Kleider , und bleich und überwacht sah er aus , wie Jemand , der in schwerem Leid die Nacht durchsorget oder sie durchschwelget hat . „ Ich habe mit Dir zu reden , Heinz , “ sagte er tonlos und schwang sich vom Pferde . „ Was zwischen uns zu reden ist , vermag nur ein eiserner Mund , “ entgegnete ich . Er stutzte und sah mich forschend an . „ Ich meine , Du verstehst mich falsch , Heinz ; ich will für Dein Weib sprechen – “ Da lachte ich gellend auf . „ Mein Weib ? Ich wüßte nicht , daß ich annoch eines hätte , und daß ich eines besaß , hab ' ich vergessen . “ „ Um des Himmels willen , Heinrich ! “ schrie er entsetzt , „ was soll dieses Gerede ? Wie siehst Du aus ? – Wo ist Friederike ? “ [ 639 ] „ Das magst Du wohl besser wissen , denn ich , “ erwiderte ich . Er aber war blaß geworden wie der Tod . „ Fort ist sie , “ rief er , „ Du hast – “ Dann brach er ab . „ Heinz , Du bist ein roher , ein gefühlloser Gesell , “ schrie er , „ Du bist nicht werth , daß sie Dir einen Blick gegönnt ; Du hast sie niemalen geliebt . “ Da brach das Lachen wieder von meinen Lippen . „ Du magst es