, wo einer arbeiten kann im Drellrock , wo man essen kann , was man will , ohne kontrolliert zu werden , wo es standesgemäß hergeht , oder wo man ein Stück trocken Brot hinunterwürgt . Aber da , die alte Frau , weißt du – na , wir verstehen uns , und bevor ich zu einem Agenten gehe , will ich dich fragen , wie ist ’ s mit der Toni ? “ Die alte Dame hatte sich unter den schneidenden haarscharfen Worten wieder gesetzt . „ Du willst sie nur des Geldes wegen nehmen , Heinz , und im übrigen ist sie dir ganz gleichgültig . “ Sie versuchte , ihm wenigstens etwas Beschönigendes abzulocken . Aber er ging nicht darauf ein . „ Ja ! “ sagte er kurz . „ Frage nicht so , Tante , ich nehme sie um ihr Geld , wie sie mich vermutlich nimmt , weil sie durchaus einen Mann haben will , etwas , das ganz bekannt ist in der Residenz und hier . Nach jedem Kameraden , der hierher kommandiert war , hat sie ihre Netze ausgeworfen auch nach mir – – . Nun schön , ich will mich fangen lassen , es erspart mir die Mühe , eine andere zu suchen , und was dich betrifft , Tante , so bitte ich , sei meine Freiwerberin und wenn du kannst , bald . Ich gestehe , mir brennt der Boden unter den Füßen – ich möchte Mama sehen . “ „ Aber , ums Himmels willen , so plötzlich ! Was soll Toni denken ? “ „ Herrgott , die wird ’ s äußerst begreiflich finden , ich habe ihr ja gestern abend die Cour geschnitten wie toll . “ „ Schon in der Absicht , sie zu – – ? “ „ O , liebe Zeit , nein ! Nein ! Indes , es geht ja nun ganz gut . “ „ Aber , Heinz , wenn sie es merkt , welcher verzweifelten Stimmung dieser Antrag entspringt ? “ „ Ueberlasse doch mein Verhalten ihr gegenüber vertrauensvoll mir , Tante ! Das Einzige , um was ich dich bitte , ist , daß du sie vorbereitest . Drehe es nun , wie du willst ! Wenn du mir sogenannten günstigen Bescheid bringst , werde ich an sie schreiben . “ „ Warum nicht persönlich werben , Heinz ? “ „ Ich kann es besser schriftlich thun . “ „ Und wann willst du , daß ich – ? Toni liest Ihrer Durchlaucht eben vor , vielleicht während Durchlaucht mit Seiner Excellenz konferiert und Toni im Musiksaal Klavier spielt ? “ „ Wie du denkst , Tante ! Meinetwegen auch mit Musikbegleitung . “ „ Aber Heinz , so bald ? “ „ Sofort , Tante , wenn möglich sofort ! Lasse mir Bescheid zukommen ! Sobald ich ihr Jawort habe , reise ich zu Mutter . “ Um ein Uhr schickte Frau von Gruber ihrem Neffen ein Zettelchen „ Ich gratuliere dir , sie liebt dich . “ Er hatte es aufgegeben , an Toni von Ribbeneck zu schreiben es wäre eine Feigheit gewesen , und feig war er nicht . Er nahm den Helm , ließ sich bei dem Fräulein melden und wurde gleich darauf in das mit blau und weiß broschierter , etwas verblichener Seide ausgestattete Hofdamenzimmer geführt , das von der jetzigen Bewohnerin verschwenderisch ausgeschmückt war mit Statuetten , Makarthouguets , Eisbärfellen , Nippes und Photographien aller Art. Ein starkes mit Patchouli untermischtes Parfüm wehte ihn an und erschwerte ihm das schon mühsame Atmen . Er ließ seine Augen in dem Zimmer umherschweifen . Toni von Ribbeneck war nicht darin . Er wollte sich sammeln , aber er war schlechterdings nicht imstande , sich vorzustellen , wie sich die nächste Viertelstunde seines Lebens abspielen werde . So stand er und starrte einen japanischen Schirm an , auf dem buntschillernde Vögel gestickt waren . Gott im Himmel , wie anders hatte er sich sein Freien gedacht ! Und dann trat sie ein , klein , blond , ohne Frische , untersetzt . Keine Spur mädchenhafter Verlegenheit auf dem runden Gesicht , die Augen , die groß und farblos waren , erwartungsvoll auf ihn gerichtet , und doch so , als habe sie keine Ahnung von dem , was ihn hergeführt . Sie trug eine Hausrobe von mattblauem Seidenplüsch , so verblichen wie ihre Augen und so matt wie ihr straff zurückgenommenes Blondhaar . Es war ihm plötzlich , als zöge eine unsichtbare Macht ihn wieder der Thüre zu . Nein , nein , das war nicht die , die er in seine Arme nehmen konnte , um sie Braut und Liebste zu nennen ! Aber da sah er wieder das gramdurchfurchte Antlitz der alten Frau , die seine Mutter war . „ Gnädiges Fräulein , “ stammelte er endlich , „ Sie wissen , weshalb ich hier vor Ihnen stehe – – “ Sie senkte stumm den Kopf und setzte sich auf den kleinen Fauteuil , der hinter dem japanischen Schirm stand , indem sie mit der Hand einen ihr gegenüber stehenden Schemel bezeichnete , auf den er sich niederlassen sollte . Das blendende Licht der Fenster traf ihn voll , während sie im Schatten blieb . Noch immer verharrte sie stumm mit keiner Bewegung , keinem Worte kam sie ihm zu Hilfe ; sie wollte den erhebenden Augenblick , in dem ein Mann sie zur Frau begehrte , voll auskosten . „ Ahnen Sie es nicht , gnädiges Fräulein , “ begann er endlich , „ erraten Sie nicht , daß ich eine große , sehr große Bitte an Sie zu richten im Begriff bin , daß ich – – ? “ „ Daß Sie mir sagen wollen ‚ ich liebe Sie , Toni ! ‘ “ unterbrach sie ihn mit ihrer spitzen klanglosen Stimme . Er verbeugte sich zustimmend . „ Und daß Sie mich heiraten wollen , Kerkow ! “ Wieder eine stumme