meine Cousinen noch nicht zu ihrer Mama gerufen . Elise zog ihr warmes Winterkleid an und setzte ihren Hut auf , um das Federvieh zu füttern , welche Beschäftigung sie besonders liebte , um die Eier an die Haushälterin zu verkaufen und das so gewonnene Geld aufzusparen . Sie hatte Geschick zum Handeln und eine vorherrschende Neigung zum Sparen , die sich nicht nur beim Verkaufen von Eiern und jungen Hühnern zeigte , sondern auch in dem Handel , den sie mit dem Gärtner um Blumenzwiebeln , Saamen und Ableger trieb . Dieser hatte nämlich von Mistreß Reed den Befehl , seiner jungen Dame alle Produkte ihrer Blumenbeete abzukaufen , die sie zu verkaufen wünschte , und Elise hätte das Haar von ihrem Kopf verkauft , wenn sie einen hübschen Profit dabei gesehen hätte . Ihr Geld verbarg sie anfangs in Winkeln und hüllte es in Lumpen oder in alte Haarwickel ; doch als das Hausmädchen einige von diesen Schatzkammern entdeckt hatte , fürchtete Elise , ihren geschätzten Reichthum einst zu verlieren , und willigte ein , ihn ihrer Mutter zu dem übertriebenen Zins von fünfzig oder sechszig Procent anzuvertrauen , welchen Zins sie alle Vierteljahre pünktlich einforderte und in einem kleinen Buche mit ängstlicher Sorgfalt Alles notirte . Georgine saß auf einem hohen Stuhle , machte ihr Haar vor einem Spiegel und durchflocht ihre Locken mit künstlichen Blumen und verblichenen Federn , wovon sie einen Vorrath in einem Fache auf einer Dachstube gefunden . Ich machte mein Bett , da ich von Bessie den strengen Befehl erhalten , es bis zu ihrer Rückkehr zu ordnen , denn Bessie beschäftigte mich jetzt häufig als ihre Gehülfin , die Stube auszukehren , die Stühle abzustäuben u. s. w. Nachdem ich die Matratze zurecht gelegt und mein Nachtzeug zusammengefaltet , ging ich zu dem Fenstersitze , um einige Bilderbücher und Spielsachen in Ordnung zu bringen . Ein plötzlicher Befehl von Georginen , ihre Spielsachen in Ruhe zu lassen -- denn die kleinen Stühle und Spiegel , die kleinen Teller und Tassen waren ihr Eigenthum -- bewog mich , davon abzustehen , und aus Mangel anderer Beschäftigung begann ich , an die gefrorenen Blumen des Fensters zu blasen , wodurch ein kleiner Raum frei wurde , durch den ich die Umgegend übersehen konnte , wo Alles noch von dem Einflusse des harten Frost still und versteinert war . Von diesem Fenster aus war die Wohnung des Portiers und der Fuhrweg sichtbar , und gerade als ich so viel zu dem silberweißen Laubwerk , womit die Scheiben überkleidet waren , aufgethaut hatte , daß ich hinausblicken konnte , sah ich das Thor sich öffnen und einen Wagen hereinrollen . Ich beobachtete ihn mit Gleichgültigkeit , denn es kamen oft Wagen nach Gateshead , doch keiner brachte Gäste , an welchen ich Interesse nahm . Er hielt vor dem Hause an , die Thürglocke wurde stark angezogen und der Gast eingelassen . Da dies Alles Nichts für mich war , so fand meine lebhafte Aufmerksamkeit bald einen lebhafteren Reiz an dem Schauspiel eines kleinen hungrigen Rothkehlchens , welches kam und auf den Zweigen des unbelaubten Kirschbaumes zirpte , der dicht an der Mauer in der Nähe des Fensters stand . Die Ueberbleibsel meines Frühstücks von Brod und Milch standen auf dem Tische , und nachdem ich ein Stück Brod zerkrümelt hatte , versuchte ich , das Schiebfenster zu öffnen , um die Krumen auf die Fensterschwelle zu legen , als Bessie die Treppe heraufgelaufen kam und in die Kinderstube trat . " Miß Johanna , nehmen Sie Ihr Lätzchen ab -- was thun Sie da ? haben Sie diesen Morgen schon Ihre Hände und Ihr Gesicht gewaschen ? " Ich zog noch einmal an , um das Fenster zu öffnen , als ich antwortete , denn ich wollte dem Vogel sein Brod sichere das Schiebfenster öffnete sich ; ich streute die Krumen theils auf die Fensterschwelle , theils auf den Kirschbaum , machte dann das Fenster wieder zu und erwiderte : " Nein , Bessie , ich bin erst eben mit dem Abstäuben fertig . " " Lässiges , sorgloses Kind ! Und was thun Sie jetzt ? Sie sehen ganz roth aus , als hätten Sie irgend einen Streiche vor : warum öffneten Sie das Fenster ? " Mir war die Mühe der Antwort erspart , denn Bessie schien in zu großer Eile zu sein , um meine Erklärung anzuhören : sie riß mich zu dem Waschtisch hin , rieb mir unerbittlich , aber glücklicher Weise nicht lange , Gesicht und Hände mit Seife , Wasser und einem groben Handtuch glättete mein Haar mit einer harten Bürste , nahm mir das Lätzchen ab , zog mich zur Treppe hin und befahl mir , hinunterzugehen , da man meiner im Frühstückszimmer bedürfe . Ich wollte fragen , wer mich dorthin rufe : ich wollte fragen , ob Mistreß Reed da sei ; aber Bessie war schon fort und hatte die Thür der Kinderstube geschlossen . Ich stieg also langsam hinunter . Seit beinahe drei Monaten hatte mich Mistreß Reed nie zu sich gerufen : so lange auf die Kinderstube beschränkt , waren mir das Frühstückzimmer , das Speisezimmer und die Gesellschaftszimmer schreckenvolle Regionen geworden , in die ich nur mit Furcht einzutreten wagte . Ich stand jetzt in dem leeren Vorsaale ; vor meinen Augen war die Thür des Frühstückszimmers und ich blieb furchtsam und zitternd stehen . Wie feigherzig war ich in jenen Tagen durch eine ungerechte Strafe geworden ! Ich fürchtete , in die Kinderstube zurückzukehren ; ich fürchtete , weiter zu gehen : zehn Minuten stand ich in aufgeregtem Zaudern da : das heftige Klingeln in dem Frühstückszimmer brachte mich zu dem Schlusse , daß ich eintreten müsse . " Wer mag mich rufen ? " fragte ich bei mir selber , als ich mit beiden Händen den schweren Drücker faßte , der eine oder zwei Sekunden lang meinen Anstrengungen widerstand . Wen mochte ich außer Tante Reed in jenem Zimmer finden