die Puste wie geölt gehen . Die Organe sind klar gemacht zum Gefecht . Der große Balg über den Schenkeln wird nicht vom Fett gesteift und gedrückt . Die Eingeweide liegen gleich unterm glacéledernen Fell und bilden , wenn das Nachtmahl sie gefüllt hat , einen legeren Ballen . Dort aber streckt Mynherr sein Bäuchlein wie eine Fußballdose in den gestirnten Himmel , er liegt habtacht auf den Schultern , mit soldatischem Rücken , sein Kinn hängt wie eine geöffnete Zugbrücke in den Scharnieren , während er aus einem Brustkasten , in dem scheinbar drei Indianerlungen Platz hätten , einen Herbststurm nach dem andern herausbefördert . Wer die Wache hat , hat das Wort . Er kann beobachten . O diese schwellenden reifen Nächte , über denen das südliche Kreuz steht ! Der Nachtwind , der zwischen Wassern und Wäldern wandert , ist herb und sauer vom Geruch zerstampfter Blätter ; aber plötzliche süße Wellen zucken aus einem großen Strauch und steigen auf zu einem flimmernden kleinen Stern ! Das Blut strömt lau und schwer wie Quecksilber in die Schläfen - da ist es vorüber , die Schläfer seufzten verzückt im Traume , sonores Behagen dankt schöpferisch im Walde ! Slim hat sich geregt ! Sein Gesicht liegt gelb im Schein des Feuers , seine Nüstern haben leise gezittert . Vorsicht ! Schlauheit ! Die Macht der Beobachtung liegt in meinen Händen , kann ich den Feind listig ahnen , jetzt , da alles Leben geoffenbart vor mir liegt ? Ist er mein Feind , dieser Slim , ist er mein Freund , mein Bruder , deute ich seine Seltsamkeit recht und billig wider mich , für mich ? Wer ist dieser Slim , ein Gaukler , ein Mensch , ein Wilder - eine raffinierte und beherrschte Gehirnmaschine der letzten Rassen , oder ein brutaler Lebensinstinkt mit dem Blut von Urmenschen in sich ? So wie Slim daliegt , ohne Muskelanspannung , indianisch , mit dem vollendeten Verständnis zu ruhen , ist er der Sohn seiner Mutter mehr als der seines Vaters . Die Kreolin hatte ihm dunkle Herkunft vererbt , eine knochige Wildheit aus dem Innern Amerikas in den Zügen , dunkles , rotes und vielleicht schwarzes Blut unter der gelben Haut und tiefsitzende Manieren , Liebenswürdigkeit und Herrschsucht im gleichen Wink . Was gilt die Wette , sie war nicht eben eine reine Kastilianerin ? Slims Schlaf ist unruhig . Er hat vielleicht einen schlechten Magen , das gewöhnliche Erbteil eines nordamerikanischen Vaters . Je länger ich nachdenke , desto seltsamer beginnt es mir mit Slim zu ergehen . Ich denke nach , und Slims Person fängt an zu wachsen . Er ist unheimlich wie ein Mörder , lächerlich wie ein Dichter , sympathisch wie ein Spießbürger . In meiner schwachen Stunde , da ich ihn so kraftvoll , so eingewohnt , so überalldaheim auf diesem Boden hingestreckt sehe , der nur zur Hälfte der seine ist , zur Hälfte ihm fremd und stets ein wenig feindlich sein müßte , wie mir , in dieser meiner schwachen nachdenklichen Stunde wächst sein Geist hinaus und ich sehe das Prototyp des zukünftigen Menschen vor mir , bekannte Züge , Eigenschaften aus einer modernen Kultur , eine zerebrale Spannung , gemischt mit der eigentümlichen Relaxation des Urmenschen . Dann seufzt er auf , wirft sich herum , irgendeine Wut scheint in seinem Körper zu toben ; und in diesem Augenblicke , da er gewöhnlich wie ein Landstreicher wird , kann ich ihn bedauern , meine Hochachtung sinkt und ich mache ihm Vorwürfe wegen seiner amerikanischen Dyspepsie . Eines Nachts , während ich die Wache hatte , sprang er auf , sah mir mit einem schlaftrunkenen Blick ins Gesicht , legte sich hin und schlief weiter . Oft ist er mir das Symbol der Sympathie , die ich als Weißer für diese wilde Welt rings um mich her empfinde , bald ist er ein zuwiderer Mensch . Er ist ein Ausdruck von durchaus gemischten und unaufgeklärten Gefühlen . Die warme träge Nacht stimmt mich milde , ich vergebe Rücksichtslosigkeiten und bin für das Große . Also votiere ich für Slim , Slim soll leben und es gut von mir haben . Meine Augen schweifen von ihm ab und hinüber über die Schar . Als sie den jungen Indianer treffen , erschrecken sie plötzlich und laufen davon , schnell , nach der andern Seite . Er ist schön und ich weiß nicht , warum ich erschrecke . Eine Empfindung von Entbehrung , Härte und Einsamkeit wird mir bewußt , plötzlich wird es drohend klar , daß ich mich inmitten der Wildnis , ohne Freund , ohne warme Hand , ohne ein weiches lichtes Geschöpf , das ich in den Arm nehmen könnte , befinde , einen gefährlich verstopften Weg zwischen mir und der gut bedienten Zivilisation . Lau dreht sich der Wind vom Uferrand los , die tierischen Laute bekommen einen menschlichen entbehrungsvollen Sinn , die Kargheit meiner Lage wird als Gegensatz empfindlich inmitten soviel überflüssiger Natur , die schweren vornehmen Düfte geben mir deutlich ihre Nutzlosigkeit für mich zu verstehen . Je wunderbarer die Nacht sich anläßt , desto ärmer komme ich mir vor . Wenn Slim endlich seinen Rippenstoß bekommt , um meine Stelle am Feuer anzutreten , bin ich ein Bettler und sinke hoffnungslos in einen überfüllten machtvollen Schlaf . Aus Slims Plänen suchten wir uns zu orientieren ; sie stammten von Reisenden , aus Büchern , oder bildeten das Kroki eines Regierungsbeamten , der seine vage Ahnung über die Lokation eines Platzes in dieser Art aufgemalen hatte . Eigentliche Karten gab es wohl , aber an den Punkten , die wir gebraucht hätten , waren sie offen . Wir selbst trugen einige markante Plätze ein so gut es ging . Unser Fluß wurde ein fingerslanger summarischer Strich , mit Ersparnis aller seiner Launen und Beschränkung auf die jeweilige Hauptrichtung . Vermessungsapparate hatten wir nicht mit , denn unsere Expedition und ihr Ziel sollte ja geheim bleiben und auffallende Rüstungen