altrotem golddurchwirkten Kleid und mit seltsamem Silberschmuck auf Kopf und Hals . Ganz anders wie die Chinesen sahen sie aus , hatten von Wind und Wetter gebräunte , breite , vergnügte Vollmondsgesichter und zeigten offenkundig die Absicht , sich noch einen frohen Tag zu machen , ehe sie die lange Rückreise zu den weiten Ebenen und schwarzen Zelten der fernen Heimat antraten . Manche von ihnen boten Filz zum Tausch an für die gewöhnlichen Uhren und billigen Schmuckstücke , die sie begehrten . Der Häuptling aber , zu dessen Gefolge sie offenbar gehörten , hielt sich nicht mit solchen Kleinigkeiten auf , sondern ging gleich mit Yang hung in eine der Mönchszellen , wo dieser seine kostbareren Stücke aufgestapelt hatte . Während der Meister mit dem vornehmen Kunden fort war , hatte Tschun alle Mühe , den kleinen Warenstand zu hüten und gegen das Stoßen und Schieben der immer dichter werdenden Menge zu verteidigen . Und dabei fühlte er sich sehr stolz , daß Yang hung ihm so viel Vertrauen bewies . Wie er aber so eifrig Ausschau hielt , daß niemand ihm im Gedränge etwas entwände , wurden seine Schlitzaugen auf einmal ganz groß , und er fühlte , wie sein Herz heftig zu klopfen begann . Denn er hatte ja plötzlich , dort vom Eingangstor herkommend , eine Gruppe Europäer entdeckt , und zwischen ihnen die Taitai und den hübschen weißen Herrn ! Er freute sich so sehr , die Taitai wiederzusehen , daß er gleich zu ihr hinlaufen wollte , aber dann besann er sich , er mußte doch Yang hungs Sachen hüten . Und Tschun war nicht ein Junge , der einen ihm anvertrauten Posten verlassen hätte ! Nein , das ging nicht ! Er hielt doch etwas auf sich ! Aber vielleicht käme die Taitai in seiner Richtung ! Er spähte eifrig nach den Fremden . Jetzt waren sie verschwunden hinter einem Wall von Menschen . Nun tauchten sie ein Stückchen weiter wieder auf . Und sie näherten sich wirklich seinem Platze . Aber während er noch so nach ihnen hinstarrte , kam ihm ein neuer , ganz anderer Gedanke . Was sollte er ihnen denn sagen , wenn sie ihn erblickten ? Wie sein Hiersein erklären , da Kuang yin doch behauptet hatte , er müsse zur kranken Mutter ? Und plötzlich begann er sich zu schämen . Nicht nur der eigenen augenblicklichen Lebenslage , die der Taitai , wenn sie ihn gewahrte , die Lüge entdecken mußte , unter der er von ihr fortgegangen , sondern auch sich zu schämen ob seiner ganzen Welt , ob all der Menschen da rings um ihr her , von denen er wußte , daß sie stahlen und übervorteilten , soviel sie konnten , daß sie keiften wie Yang hungs Angehörige , daß sie dumm waren und Bessere verleumdeten , wie vorhin der Wunderdoktor - und zu denen er doch selbst gehörte ! - Ja , jetzt wünschte er nur noch , daß die Taitai ihn hier nicht entdecken möge ! Als die Fremden ihm schon ganz nahe waren , und Tschun sich zusammenduckte , damit sie ihn nicht sähen , blieben sie aber vor einem Verkäufer stehen , der ihnen Hunde zeigte . Verstohlen hinlugend sah Tschun , wie der hübsche weiße Herr den kleinsten der Hunde kaufte . Und der Taitai schien das Hündchen sehr zu gefallen mit seinem plattgedrückten Näschen , denn sie nahm es auf den Arm , als sei es ein Kind , und streichelte sein Fell und sah dabei den hübschen weißen Herrn aus ihren seltsam hellen Augen ganz komisch an . Dann aber , als Tschun schon dachte , daß ein Zusammentreffen unvermeidlich sei , bogen die Fremden plötzlich ab und gingen nun zu den Buden der großen Schmuckhändler , wo dicke weiße Perlen für die Mandarinenkappen , rosa Chrysolithketten und kostbare Kristall- und Nephritschnitzereien für viele tausend Tael verkauft werden . Und nun war Tschun doch wieder sehr traurig , daß die Taitai ihn nicht gesehen hatte . Der kleine Hund würde es sicher bei ihr gut haben . Zwei Tage dauerte der Jahrmarkt , dann wurde eingepackt , und abends spät fuhr Yang hung nach Haus mit Tschun . Gleich bei Morgengrauen am Tag nach ihrer Heimkehr wurden die Münzstränge , die Yang hung auf dem Markt eingenommen hatte , noch einmal geprüft . Es waren ihrer viele , denn er hatte gut verkauft . Der alte Yang hung zählte im noch dämmrigen Licht die aufgereihten Münzen , und dann mußte Tschun die Stränge nach etwaigen selteneren Stücken durchsuchen . Wie sie so arbeiteten , ward Yung von seiner alten Frau gerufen ; sie wollte mit ihm über die Schwiegertochter Mei hoa reden , die sich an diesem Morgen auf Besuch zu ihrer Mutter begeben sollte , und die besondere Ansprüche auf Eßwaren erhob , die sie als Geschenk nach Hause mitbringen wollte . Nun war Tschun allein mit all dem vielen Geld . Am Boden hockend , suchte er eifrig weiter nach seltenen Münzen . Und er war so vertieft in seine Arbeit , daß er kaum hörte , wie hinter ihm die Tür aufging . Er dachte , es sei der Meister . Erst nach einigen Augenblicken schreckte er auf durch Mei hoas schrille Stimme . In ihrem besten Staat angetan stand sie da , mit einem kirschroten runden Schminkfleck auf der unteren Lippe und rosa getünchten Wangen . Es hatte wohl einen argen Strauß ob der Eßwaren mit der alten Schwiegermutter und den anderen Schwiegertöchtern gegeben , denn es fiel Tschun auf , daß Mei hoas Augen seltsam funkelten , wie sie auf die vielen Münzstränge vor ihm niederblickte . » Hol ' mein Bündel aus dem hinteren Hof « , befahl sie heftig , » und bringe es ans Tor . Der Karren muß bald kommen . « Sie sah so wild und böse aus , daß Tschun sofort aufsprang und davonlief , das Bündel zu holen . Erregte Stimmen klangen aus den Familienräumen