den Hofleuten des Gadens . Die trugen sich anders . Der gesprenkelte Stieglitz , der da zwischen den Stauden einherschritt , schleppte sich mit schwerer Last . War also wohl ein fahrender Kriegsknecht , der seinen Dienst verlassen hatte und zu einem neuen Soldherrn wanderte . Nun bog er auf die freie Straße heraus , ein langes , braunbärtiges Mannsbild in der bunten Tracht der städtischen Soldknechte , Wams und Hosen bunt gezwickelt , wie es bei den Kriegsleuten in der großen Welt da draußen neue Mode wurde . Er ging barhäuptig , das braune Langhaar gescheitelt . Den flachen , mit einer gelben Kräuselfeder umwundenen Hut hatte er an einer Kordel auf der Brust hängen , neben dem Knauf des hochgebundenen Zweihänders . Den Dolch und das Kurzeisen trug er am Gürtelgehenk . An dem langen Spieß , den er geschultert hatte , schleppte er eine Last , die man auf einen Zentner und darüber schätzen konnte : den Eisenhut , die Brustplatten und Armschienen , den braunen Gugelmantel und dazu das dicke , stamm gedrosselte Lederbündel seiner Kriegsmannshabe . Einen schwächlichen Menschen hätte solche Last erdrückt . Doch dieser lange Kerl hatte trotz der heißen Sommersonne keinen Tropfen Schweiß auf der sonnverbrannten Stirn und ging unter dem schweren Gewicht mit so federndem Schritt , als trüge er Schwanenflaum auf seinem Rücken . Und Augen hatte er , die heiter in den schönen Morgen schauten . Sein von Narben zerfetztes Gesicht erzählte , wie oft dieser Fröhliche schon unter dem Streich des Todes gestanden . Die jüngste seiner Narben , noch dunkel gerötet , ging von der Stirn über das rechte Auge mit geradem Strich herunter bis zum Kinn und wäre schrecklich anzusehen gewesen , wenn sie in diesem gesunden und vergnügten Mannsgesichte nicht eine Art von groteskem Humor bekommen hätte . Als dieser fahrende Söldner den berittenen Hofmann kommen sah , blieb er breitspurig stehen und fing zu lachen an . Auch Marimpfel lachte . » Wenn eins den Wolfen nennt , kommt er gerennt ! Malimmes ! Kein halbes Stündl ist ' s her , da hab ich mit dem Mareiner geredet von dir . Und jetzt bist da . Herzbruder ! Gottes Gruß im Land ! « Malimmes streckte dem Reiter die Hand hinauf . » Gott grüß dich , Bruder ! Ich hab dich schon gesucht im Gaden draußt . Hätt gern zum Einstand ein Häflein mit dir gelupft . Und hab gehört , du wärst in der Ramsau . Bist bei der Mutter gewesen ? Wie geht ' s dem guten Weibl ? « Marimpfel erkannte in den Augen des Bruders die ehrliche Sehnsucht , wurde ein bißchen verlegen und sagte : » Es geht der Mutter nit schlecht . Allweil schnauft sie noch . « Das Gesicht des andern strahlte . » Gute Botschaft ! Will dem lieben Herrgott danken dafür . Am Sonntag werf ich dem Meßpfaffen einen Goldpfennig in den Bettelsack . Ich hab ' s. Einen Winter lang kann ich mich auf die Faulhaut legen und kann der Mutter ein gutes Leben machen . Komm , Bruder , kehr um ! Laß uns selbander heim ! « » Ich kann nit , hab eilfertigen Herrendienst . Aber auf ein Ständerlein beim Leutgeb hab ich Zeit . « » So komm ! Ein Bruder ist auch ein kostbar Ding . Dreh dich , Schätzlein , dreh dich ! « Malimmes faßte lachend den Zügel und wandte den Gaul des Bruders . » Auftragen laß ich dir , als wärst ein römischer Delegat . Friß und sauf und tu mich anlachen ! Not und Hader sind draußen in der Welt . Daheim ist daheim . Und was ich anguck , ist liebreich und friedsam . « Er schrie einen Jauchzer in die sonnige Luft hinaus , so gellend , daß Marimpfels Gaul einen scheuenden Sprung machte . Auf dem Wege zum nahen Leuthaus schwatzte Malimmes in seiner frohen Laune immerzu . Marimpfel war nachdenklich geworden . Und plötzlich , den Bruder von der Seite musternd , fragte er : » Einen Winter lang willst feiern ? Bist in Ehren ledig worden von Herr und Dienst ? Oder mußt dich verstecken ? Hat ' s eine Sauerei gegeben ? « Malimmes sah ernst an dem Reiter hinauf . » Da wär alleweil ein andrer die Sau gewesen . « » Meine Frag war nit schiech gemeint . « » Muß ich halt dumm gehört haben . « Malimmes lachte schon wieder . » Ich will einmal für ein Zeitl mein eigner Herr sein . Viel Grund sind gewesen , daß ich gegangen bin . Der letzte war , daß mich das Heimweh angefallen hat , derweil ich sechs Wochen im Spittel gelegen bin . Wegen dem da ! « Er deutete auf den frischen Narbenriß , der wie ein roter Feuerstrich in dem braunen Gesichte glomm . » Ein böser Streich ! Bruder , da mußt dich schlecht gedeckt haben ? « Lustig zwinkerte Malimmes mit den Augen und schüttelte den Kopf . » Es hätt ein feiner Hieb sein können ! Hätt aus meinem Hirndach schier zwei Äpfelschnitten gemacht . Aber grad , wie der Hieb schön kunstvoll ansetzt , hat der ander , ein Pegnitzer Heckenreiter , meinen Spieß in der Seel gehabt . Seine Faust hat nur noch ein lützel rutschen können . Für sechs Wochen hat ' s bei mir noch ausgegeben . Aber der ander ist nimmer aufgestanden . Ist ein braver Kerl gewesen , mit dem ich oft gebechert und geknöchelt hab . Hat mir ' s nit schlecht vermeint , hat halt auch nur seinem Fähnl die Treu gehalten . Wegen sieben Ballen flandrisch Tuch , die sein Edelherr gekrapst hat . « Malimmes lachte nimmer . Verwundert guckte Marimpfel auf den Bruder hinunter . » Kriegsmann sein , war ein gutes Handwerk ! « sagte Malimmes . Er hob den belasteten Spieß auf die andre Schulter . Die Eisenstücke klirrten . » Man sollt nur