nit ! « Dann suchte ich scheinbar eifrig in meinem Bett , während sie , wieder lächelnd , langsam aufstand und hinauslief . Nun hielt es mich nimmer auf meinem Lager , und ich erhob mich und machte mich zurecht . Dann trat ich hinaus auf den Flöz und wollte den Riegel der Haustür öffnen , um hinauszugehen ; doch die Tür war nicht verschlossen , und der Schlüssel steckte nicht , wie sonst , am Schloß . Ich ging verwundert hinaus vors Haus ; doch mit einem Schrei fuhr ich zurück : die Irschermutter lag tot auf der Erde - erschlagen vom Blitz . Sie war ganz schwarz und ihre Kleider verbrannt . In den Händen hielt sie noch krampfhaft den verkohlten Sichelgriff und den Krückenstock . Ein Schauer schüttelte mich , und ich mußte mich an den Türstock lehnen , um nicht zu wanken . In diesem Augenblick hörte ich drinnen das Kathreinl in seiner Kammer singen , und ich wurde wieder fest und überlegte , wie ich es machen sollte , um dem Mädchen das Schwere auf eine Weise darzutun , die es am wenigsten traf . Aber ich fand keinen rechten Ausweg ; endlich dachte ich , daß es das Beste sei , wenn ich vorerst noch schwieg und alles dem Himmel überließ ; der würde es schon recht machen . Ging also wieder ins Haus und verriegelte leise die Tür . Darnach blickte ich in die Kammer zum Kathreinl und bat sie um eine Morgensuppe , obgleich mir zu allem andern eher Muts war , denn zum Essen . Sie sang noch immer und lachte mich lustig an , während sie den Stubenboden mit einem Besen aus grünen Tannenreisern auskehrte . » Gleich , Mathiasl « , sagte sie und fegte mir über die Schuhe ; » schau derweil , was die Mutter macht ; sie scheint das Aufstehen heut ganz zu vergessen und das Melken auch . Die Viecher brummen schon , hör ich ! « Ich nickte bloß und sah nach dem kleinen Stall , in dem eine Kuh und zwei Geißen standen und nach dem Morgenfutter riefen . Rasch holte ich einen Korb voll Klee und gab ihnen zu fressen , nahm darauf den Melkeimer und das Stühlchen und begann , sie zu melken . Dabei traf mich das Kathreinl , als es eben nach dem Rechten schauen wollte , und es dämmerte die Wahrheit in ihr auf , und sie fragte mich ängstlich : » Bub ! Warum in aller Welt mußt heut du das Vieh melken ? Was ist ' s mit der Mutter ? « » Sie wird noch schlafen « , sagte ich und steckte den Kopf tief unter den Körper der Kuh , damit das Mädchen nicht sah , wie mir die Augen naß wurden . Aber sie sagte gar nichts mehr darauf , lief in die Kammer der Mutter und kam , da sie dieselbe leer und das Bett unberührt fand , ganz bleich und still wieder in den Stall , legte ihre Hand auf meine Schulter und sagte tonlos : » Sie ist nimmer da . Sag mir ' s nur , ich weiß schon : sie ist tot . « Und als ob sie alles schon wüßte , ging sie ganz ruhig wieder hinaus , schob den Riegel zurück und trat unter die Haustür . Ich stellte den Eimer weg und lief ihr nach ; aber sie kniete schon neben der Toten und war ganz still und gefaßt . » Ich hab ' s schon gewußt , daß es so ist « , sagte sie bloß , als ich auf sie zutrat und sie wegführen wollte ; » es war ja ihr Wunsch , so durch die Gewalt der Elemente zu sterben . Feuer oder Wasser , sagte sie immer , müssen mich umbringen ; lang leiden und siechen mag ich nicht . « Sie nahm ihre Schürze ab und deckte sie über die Tote . Dann ging sie hinein und ordnete das Haus , wobei ich ihr half und mit ihr beredete , was zu tun sei . » Wir müssen sie begraben lassen « , sagte sie , und sie machte sich , nachdem sie noch ein wenig Milch getrunken hatte , auf den Weg nach Sonnenreuth , um den Tod der Mutter beim Bürgermeister , beim Doktor und beim Pfarrer anzuzeigen . Bis dahin hatte sie keine Träne geweint , keine Klage laut werden lassen ; doch da sie wieder aus dem Dorf zurückkam , schluchzte sie laut und klagte : » Arms Mutterl ! So muß alles kommen ! « Tröstend strich ich ihr über die nassen Wangen . Da schrie sie laut auf : » O , die Christen ! Die frommen Pfarrherrn ! Nicht aussegnen will man sie ! Den Friedhof verweigert man ihr , weil sie eine Hexe war ! Der Herr Pfarrer sagt , das sei augenscheinlich , daß Gott ihren Frevel bestraft und der Teufel sie geholt hätte , und er verweigert die letzten Segnungen der Kirche . « Starr hörte ich ihr zu ; dann sagte ich : » Laß ' s nur gut sein , Kathreinl ! Ich geh zum Weidhofer , daß er dem Herrn Pfarrer ein gutes Wort gibt ! « Aber sie sagte : » Das hilft dir nichts . Dein Ziehvater , der Meßmer , ist selber dabei gestanden , wie der Pfarrer so über die Mutter geschimpft und sie eine gottlose und unholde Person genannt hat ; und er hat genickt zu der Rede vom Pfarrer und hat gesagt : Ganz recht ! Meinen Buben , den Mathiasl , hat sie so auch schon behext gehabt , daß er nimmer heim will in den Weidhof . « Dabei fiel sie mir um den Hals und weinte bitterlich , bis ich sagte : » Komm , sei fest und hör auf zu jammern ! Was brauchen wir denn einen Pfarrer ! Wir graben sie halt selber ein . Draußen