so las er mit geballten Fäusten und so weiter . Wenn sie sturmeshalber achter Norderney oder Wangeroog lagen , beobachtete Klaus , in der Koje liegend , seinen lesenden Knecht mitunter stundenlang und sagte dann zuletzt : » Nu will ik di mol vertillen , Kap Horn , wat du lest hest . « Und meistens stimmte es , was er dann erzählte , daß der Knecht zuletzt jedesmal erstaunt sagte : » Klaus Mees , ik gläuf , du kannst hexen . « Diesen Abend aber kam der Schiffer nicht dazu , denn sein Junge ritt auf seinen Knien und treunte um eine Geschichte . » Ik weet uppen Stutz keen . « » Och Vadder , vertill doch een ! Du weeß so veel . « » Ne , ik kann nu keen tohoopgrabbeln . « » Och , man to , Vadder ! « » Non jo , denn ober ganz still wesen un eulich tohürn un noher ne wedder seggen , dat wür jo gorkeen Geschichte . « » Ne , Vadder , dat segg ik ok ne , « versicherte Störtebeker , und sein Vater legte los . » Non , denn hür to : dor wür mol een Mann , de harr keen Kamm , to köfft he sik een , to harr he een ... « Da hielt der Junge seinem Vater aber schon den Mund zu und paukste : » Dat is keen Geschichte , dat is Narrenkrom ! Du schallst een euliche Geschichte vertillen ! « » Non , denn hür to : dor wür mol een Mann , de wür in de Heid verbiestert , nu hür man god to ! Dor wür mol een Mann , de wür in de Heid verbiestert ... « Da hielt Störtebeker ihm wieder den Mund zu und sagte , das wäre auch Tüdelei , un he kunn een euliche Geschichte verlangt wesen . » Non , denn hür to : to sett he sien Hot uppen Disch un seggt : non denn so wißt , ich selbst bin Klaus Störtebeker ! « O weh , - das hätte Klaus Mewes doch wohl lieber nicht vorbringen sollen , denn nun tagelte Störtebeker ihn regelrecht durch und heischte zwar etwas von Klaus Störtebeker , aber etwas andres , nicht immer diesen einen Satz , den er schon tausendmal gehört habe . Kap Horn legte den Finger auf das letzte Wort , das er gelesen hatte , sah auf und sagte : » Klaus Störtebeker büst du jo sülben , Junge , dor brukt di doch keeneen wat von to vertellen . « Gesa aber , die einen Flicken auf die englischlederne Hose setzte , sagte abweisend : » Lot den olen Seeräuber man ünnerwegens un näumt den Jungen man ne jümmer Störtebeker . Den olen , slechten Nom ward he jo sien ganz Leben ne wedder los . « » De Nom is gor nich so slecht , Gesa « , sagte Kap Horn ernsthaft , während Klaus Mewes lachte und meinte , den Namen habe er einmal weg . Klaus Störtebeker sei übrigens gar kein schlechter Mensch gewesen , wohl habe er den reichen Kaufleuten und den Königen ihr Gold und Gut weggenommen , aber den Armen habe er viel Gutes getan , noch jetzt würden die armen Leute zu Verden von seinem Geld gespeist . Und mit den Fischern habe er es auch nicht bös gemeint : er störte sie nicht , und wenn er Fische holte , so bezahlte er sie reichlich . So erzählte Klaus Mewes , was die Sage an der Wasserkante zusammengetragen hat von den Vitalienbrüdern und ihrem Hauptmann Klaus Störtebeker , - - und der kleine Klaus Störtebeker saß mit funkelnden Augen und glühenden Backen dabei und konnte nicht genug hören , wie sie Kopenhagen in Brand steckten , wie die zerfetzte , gelbe Flagge im Sturme flatterte , wie sie mit den Hamburger Schiffen umsprangen , wie sie Ritzebüttel und Neuwerk wegnahmen und wie sie den schottischen König gefangen hielten . Als Klaus aber weiter ging und von dem großen , breiten Graben auf Finkenwärder erzählte , der die kleine Elbe hieß , und daß Störtebeker dort oft mit seinen Schiffen auf der Lauer gelegen habe , da sprang der Junge auf , daß Kap Horn ausrief : » Neem is dat Für ? « und fragte : » Vadder , neem is de Groben ? « Sein Vater beschrieb ihm diesen Graben und sagte , daß es damals noch keinen Deich gegeben habe und daß die kleine Elbe ein Priel von der großen gewesen sei , aber er konnte es dem Jungen doch nicht recht verdeutschen , der sich einen so breiten Graben eben nicht vorstellen konnte , und es blieb schließlich nichts andres übrig , als daß sie eine kleine nächtliche Expedition nach dem Seeräubergraben ausrüsteten , die trotz der großen Einwendungen von Gesa sofort ausrückte , und der sich auch Kap Horn und Seemann freiwillig anschlossen . » Klaus , bliew hier , dor sitt de Brummkirl innen Groben un holt di ! « Der Junge lachte sie aus und sagte , während er sein wollenes Halsband umband : » Brummkirl gift ne , Mudder . « » So ? « » Hett Vadder seggt ! Dor ward bloß lütte Kinner mit bang mokt , wat se ne bit Woter gohn schöt . « Dann schlug die Haustür knallend zu , und Gesa war wieder allein . Wie die Brechseen über dem kleinen Ewer , so schlugen die Gedanken über ihrem Kopfe zusammen ; sie konnte sich ihrer nicht erwehren und konnte auch die quellenden Tränen nicht hemmen ! Warum mußte sie so geschaffen sein , daß sie nicht getroster Hoffnung und fröhlichen Herzens an die Seefahrt denken konnte , warum konnte sie sich der Keckheit ihres Jungen nicht freuen ? Warum nichtwarum nicht ? Sie war doch jung und gesund : warum mußte sie da immer wieder zusammenbrechen und klein und verzagt werden