, « sprach Hans Ulrich sanft zum Hofnarren - » mit dem Lamm hat deine Kunst recht gehabt . Wie es aber mit mir kommen wird , stehet in Gottes Hand . Eins jedoch weiß ich : So ich dereinst durch kaltes Eisen gerichtet werde , ich sterbe unschuldig . « Niedergeschlagenen Auges wie ein Betender , fügte er leise hinzu : » Dulce decus , pro patria mori - süß und ehrenvoll ist es , fürs Vaterland sein Leben zu lassen . Dein Wille , o Herr , geschehe - denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit , Amen ! « Erschüttert , zum Teil weinend , falteten die Tafelgäste die Hände zum stillen Gebete . Den Herrn Schaffgotsch aber kam trotz seiner Gelassenheit eine Alteration mit Fieberschauern an , also daß er sich zu Bette legen mußte , worauf die Gäste nach Hause kehreten , mit traurigem Bedenken , wie es wohl am Ende kommen werde . Das andere Abenteuer Das Johanniskind will den winkenden Schatz heben Den Kräutertobias zu besuchen , hatte sich mein Vater mit mir im Frühjahr nach geschehener Übersiedelung aufgemacht . Fuhren auf einem Bauernwagen dem Zackenfluß entgegen , jedoch nur bis Petersdorf , wo wir abstiegen , um zu Fuß das steile Waldgebirge zu erklimmen . Zur Linken in der Felsenschlucht brausete der Zacken . Rechts ging es einen schroffen Hang empor zu einem ragenden Stein . Von hier erscholl eines Mannes Zuruf . Der Oheim war es , so droben auf uns geharret hatte und nun gelaufen kam . Nachdem er mit Freuden seinen Willkommen geboten , berichtete er , wie ihm schon von weitem unser Wagen sichtbar gewesen . Mein Vater antwortete : » Allerdings gewähret dieser Stein , Wachstein geheißen , eine weite Aussicht über das Zackental , wie man ihn schon in der Hussitenzeit als Warte verwendet hat , den Paß nach Schreiberhau zu überwachen . « Der Weg , den wir nun gingen , stieg fast steil durch einen Bachgrund . Anfangs von schroffen Felsen und Fichten begleitet , führte er zu einer Aue , wo Bauden um ein Kirchlein lagen , und Kühe nebst weißen Gänsen weideten . » Hie beginnet Schreiberhau , « sagte mein Vater ; » es erstreckt sich eine gute Stunde in die Länge , und wir haben bis zu Oheims Häusel noch ein Stück Weges . « Nach fürderem Ansteigen ward der Weg eben , wir hatten seine höchste Erhebung erreicht und schauten in ein sanft abfallend Tal , breit und lieblich . Hinter vorderen Waldhöhen stieg jene Gebirgswand himmelan , die ich von fern oft betrachtet hatte . Jetzo , da sie in der Nähe ragete , ward mein Gemüt bewegt wie von tiefem Orgeldröhnen . Ein weithin ausgereckter Riesenrumpf , mit Tannen gleichwie mit bläulicher Wolle bewachsen . Wo der Wald zu Ende , schimmerten Matten , dann kam kahler Fels , mit dunkelgrünem Moose bedeckt . Droben in den Abgründen lag noch Schnee , und der Oheim wies mir , wie die weißen Flächen manchmal seltsame Formen bildeten , einen Stier oder eine Hose , von der die Leute sagten , es sei Rübenzagels Hose . Der Gebirgskamm bildete eine Reihe von Kuppen , die in der Ferne von zartem Blau waren . Gewölk kroch von der anderen Seite des Gebirges über den Sattel herüber , wie graues Raubgezücht , wie Drachen . Derweilen mein Vater in den Anblick seiner lieben Berge versunken war , wies der Oheim die einzelnen Gipfel : den Reifträger , die Sturmhaube , das Hohe Rad , den Mittagstein , die Schneekoppe . Erklärte mir auch , das graudüstere Gewächs zwischen den Felsen droben sei kein Moos , sondern Knieholz , ein struppicht Nadelgebüsch , so nicht in die Höhe wachse , sondern über das Geröll hinkrieche , die knorrigen Ruten wie zum Verhau verschränkt . Bald langten wir bei Oheims Häusel an . Es lag in der grünen Aue , wo Murmelbächlein rannen . Neben der Wiese gab es Saatfelder , Gärtlein und etliche Bauden . Gleichwie ein freundlich Auge lugte ein Mühlteich aus des Tales Mitte . Unweit waren dunkle Felsen und lichte Birken mit zarten Frühlingsblättlein . Einen freundlichen Anblick gewährte Oheims Häusel . Baute sich aus rohen Steinen auf , doch war die große Stube aus Balken gezimmert , wobei Moos und Lehm die Fugen verkitteten . Über das bemooste Schindeldach wölbeten zwo alte Linden ihre Kronen . Am Hause war auch ein Viehstall , und ein paar Kühe nebst Ziegen weideten auf der Wiese . Als wir durch das Blumengärtel gingen , wo gelbe Märzenbecher blüheten , während die Kirschbäume gleich Silberwölklein prangten , sprang ein Hund aus dem Hause auf uns zu und hüpfte mit jauchzendem Gebell am Oheim empor . War mein zukünftiger Freund , der gelbe Schäferspitz Wächter . Vor der Türe des Häusels stund ein weißhaarig Weibel und grüßte freundlich . Beate war es , des Oheims Base , die ihm Haus hielt . Wir gingen in die Balkenstube , und hier war es sehr warm , da mächtige Holzklötze im Ofen loheten . Weißgescheuert die Diele , alles Hausgeräte sauber und traulich . Bunt bemalt der große Schrank , sowie die Truhe daneben . Wir setzten uns um den Tisch , und nachdem der Vater das Gebet gesprochen , ließen wir uns Brot und Schinken munden . Da wir nun erquickt waren , sagte mein Vater : » Lieber Bruder Tobias ! Schreiberhau und das elterliche Häusel zu schauen , hat mich in der Fremde oft inniglich verlanget . Nun wird meine Sehnsucht durch Gottes Güte gestillet . Die Berge , Bäume und Bäche , alle lieben Orte und Dinge habe ich wiedergefunden . Nur weniges dünket mich verändert . Neu ist jedoch die große Backstube bei den Felsen mit dem tüchtigen Schornstein ... « » Keine Backstube ist das , « antwortete der Oheim belustigt ; » das ist ja mein Laboratorium . « » Laboratorium ?