ich hielt mich mit dem Arm fest an einem Ast und wagte nicht , eine neue Stütze für meinen rechten Fuß zu suchen , aus Besorgnis neues Geräusch zu machen . Der Vetter aller Liebenden , Freund Mond , bemerkte zu rechter Zeit meine Not , er trat hinter eine Wolke ; schwerlich wäre sonst des Bruders unablässigem Hinstarren nach dem Baume meine leuchtende weiße Hose entgangen . Tödliche fünf Minuten schwebte ich so auf der Folter , da gab er endlich die Sache auf , warf das Fenster zu und ging in die Tiefe des Zimmers . Ich trat jetzt keck auf den Fensterbogen und sprang behend ins Zimmer . Ein unterdrücktes » Ach ! « Klaras bedeckte ich vollends mit Küssen . Die furchtsamsten Weiber , wenn sie lieben , werden nie durch eine Äußerung der Furcht etwas verraten , sie haben den Liebhaber und die Liebe zu immerwährenden Begleitern , bei sich , und wenn etwas vorfällt , so sehen sie sich immer erst nach diesen um und horchen , was diese dazu sagen . Der glühendste Mann liebt mit Geschäftspausen , er vergißt des Tags über wenigstens zehnmal die Geliebte und erinnert sich hundertmal ihrer . Das Weib erinnert sich des geliebten Mannes gar nicht , denn sie hat ihn immerwährend bei sich , er ist in ihr und verläßt sie nie ; er ist nicht nur ihr Gedanke , denn der kann wechseln , er ist ihr Denken , ihre Phantasie , ja ihr Verstand . Klara hatte auch mit mir gedacht . Sie schalt meine Dreistigkeit und küßte mich und war so weich und warm und lieb wie ein Sonnenstrahl . Sie wollte ihr Negligé verbergen und schmiegte sich tiefer in meine Arme , damit ich sie nicht sehen sollte ; sie war sanft wie ein spielend Kind , sie war wie eine seltene Blume , die in schweigsamer Mondnacht ihren vollen warmen Kelch aufschließt und Wärme und Sehnsucht haucht in die Nacht hinein , sie war unbeschreiblich liebenswürdig . Und doch war sie neben jener Weichheit so entschlossen stark , kühn wie eine Göttin . Sie beherrschte mich in jener Nacht mit allen Waffen . Klara zog mich aufs Sofa , drängte mir den Kopf nieder in ihren Schoß und sprach mir dann leise ins Ohr : » Valer , ich will Dir angehören , wenn Du mir schwörst . « - Ich erhob den Kopf und erwiderte leise : » Ich schwöre « - » Narr , Bösewicht « - lachte sie - » Du weißt ja nicht , was . « Und nun gab ' s ein neues ausgelassenes Treiben übersprudelnder Wonne , wir lachten einander in die Augen , wir küßten den Stern und die Seele darin ; ich suchte ihr Herz und drückte mein brennend Gesicht daran , wir jubelten wie losgelassene Gefangene . Plötzlich begann sie wieder die vorige Szene , ward ernst , weinte , beugte sich küssend zu mir , bat mich um Verzeihung , und beteuerte , sie könne nicht anders - » Schwöre mir , Valer , nie einer anderen zu gehören , schwöre mir ' s - still , Freund , ich bin Dein , Dein mit Seele und Leib auch ohne den Schwur - aber Du erfreust , Du erquickst meine Seele durch ihn ; willst Du ? « Ermiß , ob ich wollte , ob ich ' s tat . Ich wußte es fast in dem Augenblick , daß ich falsch schwor , da ich ganz gewiß wußte , Klara werde mir entrissen - ach , Freund , die Erinnerung steigt mir in das Herz , in die Augen , ich drücke den Kopf in die Hand - ich kann nicht schreiben , ich will meine geschlossenen Augen in die Sofakissen pressen und Seele und Leib dem wirbelnden Gewitter der Erinnerung hingeben . Später . Es ist unterdes Abend geworden ; ich weiß nicht , habe ich geschlummert , geschwelgt , geweint oder Schmerzen gelitten - ich fühle mich so hoch gehoben , die Welt schwingt sich so tief unter mir ; es ist die Stimmung einen Thron auszuschlagen - die Phönixflamme ist uns genommen , aber die reinigende verjüngende Träne ist uns geblieben . Draußen ist ein Gewitter drohend und sprühend vorübergegangen , ich habe es donnern gehört , ich sehe wie frisch die Erde ihre tausend Augen aufgeschlossen , außen und innen steigt eine Welt frisch aus dem Bade - die Welt ist schön , denn sie wechselt , sie ist eine Geliebte , die sich zu verjüngen weiß . Ich wohne sehr angenehm . Das Schloß lehnt sich an einen Hügel , der zu einer Terrasse abgeplattet ist ; dahin führt meine offene Fenstertür . So hab ' ich nicht das lähmende Parterre , das umsonst mit den Schwingen nach Aussicht flattert und nicht die abgesonderte Höhe , die umsonst Bewegung und Ausdehnung sucht . Die Terrasse stuft sich zu einem spiegelglatten Weiher ab , über welchen Brücken in Park und Garten führen . Ich sitze an der offenen Tür und sehe durch die offenen Partien in die fernen blauen Berge und in die durchsichtige , in der Abendsonne mit Tränenstäubchen spielende Luft . Das Geräusch der Bewohner kommt selten hieher , sie schwärmen vorn unter den Zitronen- und Mandelbäumen , die in den breiten Vorhallen des Schlosses stehen . Ich habe mich unwohl melden lassen ; so denk ' ich , wird mich niemand stören , wenn ich Dir weiter erzähle von meines Lebens größtem Glück und Leid . - - Sie zog mich fort vom Sofa , weil sie befürchtete , ihr Bruder könne Geräusch hören , ging in ihr Schlafzimmer und setzte sich aufs Bett ; ich kniete vor ihr . Es war keine platte Sinnlichkeit , die Poesie beugte sich lauschend wie ein rosenrotes Kind zwischen uns , der Mond schien in Klaras Gesicht , sie sah wie eine Heilige aus , die zurückgekommen ist auf die Erde , um ihre törichte Verhöhnung der