Hand , stand ganz nahe vor ihm und sah ihm in die Augen . » Gewiß , Frau Baronin , ich komme « , sagte Werner , weich , als sei es eine Liebeserklärung . Sie setzte sich in den Schlitten und fuhr die Allee hinab . Werner stand noch lange an derselben Stelle und hörte dem Klingeln der Schellen zu , das so hell in die Mondnacht hinauslachte . Langsam und sinnend ging er dann heim , einer stillen , heimlichen Heiterkeit in seiner Seele zuhörend . Im Pastorat war noch kein Licht gemacht . Lene saß im Wohnzimmer am Fenster und schaute den Mond an . » Nun , Kind , träumst du ? « sagte Werner freundlich . » Ja , der Mond ist so hell « , erwiderte Lene , ohne aufzustehen und ihm entgegenzukommen . » Also verstimmt « , dachte Werner . Das war ärgerlich . Gerade heute hätte er gewünscht , daß alles harmonisch um ihn wäre . Er beschloß , nicht darauf zu achten . » Ja , ein schöner Abend « , begann er wieder » der macht sentimental . Steck ' das Licht an , Kind , wir wollen ein wenig musizieren . Was ? « » Ja - gleich « , sagte Lene , aber das klang nicht begeistert . Da war ein Unterton säuerlicher Resignation . Als die Lampe und die Kerzen am Klavier brannten , sah Werner , daß Lene geweint hatte . Natürlich ! Heute jedoch tat er , als bemerkte er es nicht . Er wollte die kleinen , häuslichen Unannehmlichkeiten vermeiden , sich den Nachglanz des Abendrots , den Nachklang der lachenden Schellen in der Mondnacht nicht verderben lassen . Lene setzte sich an das Klavier und schlug die Noten auf . Werner plauderte unbefangen weiter . » Der Baronin Werland bin ich begegnet . « » So ! deshalb kamst du wohl so spät nach Hause ? « » Ja , wir gingen ein Stück zusammen . « Werner sorgte dafür , daß nicht die geringste Ungeduld aus seiner Stimme klang . » Und sie läßt den armen , kranken Mann solange allein « , sagte Lene . » Das ist wohl nicht unsere Sache « , erwiderte Werner sanft . » Die Frau erfüllt gewissenhaft genug ihre nicht leichten Pflichten . « Lene zuckte die Achseln und tat den unklaren Ausspruch : » Wer erfüllt denn nicht seine Pflichten ? « Werner antwortete nicht auf diese Wendung , die das Gespräch ins ganz Persönliche hinüberleiten sollte . Die junge Frau mit den verweinten Augen tat ihm leid . Er wollte ihr etwas Gutes tun , er wollte recht schön singen . Die arme , leidende Seele sollte ganz in Gefühl und Süßigkeit gebadet werden . Das würde ihr guttun . Lene legte die Hände auf die Tasten und wartete . » Was willst du singen ? « fragte sie . Werner blätterte im Notenheft . - » Du bist die Ruh , denke ich . « » Gut . « Lene beugte sich noch näher an die Noten heran und versuchte die Begleitung . Werner schaute auf ihre Hände hinab . » Du « , sagte er dann , » die Baronin Huhn hat mir ein Wasser empfohlen , - für die Hände . Das macht die Hände weiß . « Lene zog schnell ihre Hände von den Tasten herunter . » Für wen ? « » Für dich . « » Für mich ? « fuhr Lene auf » Plötzlich sind dir meine Hände nicht weiß genug . Ja , ich hab ' rote Hände . Natürlich , bei der Arbeit ! Aber ich danke für das Wasser der alten Huhn . Bisher ist dir das nicht aufgefallen . « » Warum regst du dich auf ? « Werner versuchte zu lachen . » Es ist doch angenehmer , weiße Hände zu haben als rote , und wenn - - - « » Gewiß . « Lene fing zu weinen an . » Es ist vielleicht auch angenehmer , so schmale Schlangenaugen zu haben , statt solcher dummen , blauen Augen mit blonden Wimpern wie ich . « Werner zuckte die Achseln . » Gut , also lassen wir das . Soll ich singen ? « Lene wischte sich die Augen und begann zu spielen , noch immer schluchzend wie ein Kind . Werner sang , aber die Lust dazu war ihm vergangen . Er sang schlecht und ohne Genuß . » Es geht nicht ! « sagte er ärgerlich und brach ab . Er ging in sein Zimmer , setzte sich an seinen Schreibtisch und starrte in das Licht der Lampe . - Warum mußte das sein ? Warum immer leiden oder leiden machen ? Fühlte er ein wenig Glück , gleich mußte das mit dem Schmerz eines anderen Wesens bezahlt werden . Warum ? Seltsame Ökonomie , seltsame Buchführung ! Das Ehepaar Werner war ins Schloß Dumala zum Diner geladen . Lene stand vor Werner und wollte seinen Rat . » Was soll ich anziehen ? « Werner antwortete nicht gleich , weil er in dem Buch vor sich die Zahlenreihe zusammenaddieren wollte . » Das Schwarzseidene ? « » Ja - ich denke « , sagte Werner ohne aufzuschauen . Lene dachte nach . » Ach « , meinte sie , » es ist so langweilig , immer schwarz . Die Pastorin natürlich in schwarzer Seide . « » Wenn man nun mal Pastorin ist « , warf Werner hin , indem er weiter rechnete . » Die Baronin wird natürlich hell sein « , fuhr Lene fort . » Das glaube ich nicht « , meinte Werner . » Als Hausfrau wird sie wohl eher einfach gekleidet sein . « Aber Lene bestand darauf : » Ach ! Was die einfach nennt ! Und dann , der Baron Rast wird da sein . Der soll ja ein so schlechter Mensch sein , wie man hört . «