die beiden Hände dann in den Nacken zu legen und gleich zurückzusinken mit geschlossenen , schweren Augen . Einhart hatte den Hut in der Hand . Er hatte zu grüßen versucht . Aber keiner der Menschen hier , dem es eingefallen , seinen Gruß zu erwidern . Als wenn auch hier wieder alles gebunden wäre von der Sonne und der Ruhe , und nur noch die Insekten auf dem Wasserspiegel ewig wippten und tanzten . Übrigens ließ auch eine der Dirnen jetzt ihr eines Bein eine Weile sich in die Luft stellen und dann neu nieder fallen unter den Weidenbusch . Sie lag auf dem Bauche . Die andre Dirne hatte noch in deren Schatten sich gestreckt und ihr den ungekämmten Haarschwall ganz über den Rücken geworfen . Einhart konnte ein kaltes Staunen gar nicht loswerden . Wie er vom Wasserrande , von wo er immer nur wieder zu ihnen hingesehen , endlich näher an den Weidenhang trat , sah ihn auch die Dirne mit blinzelnden Augen an , die sich nur einen feinen Spalt öffneten . Ein verächtliches Lachen ging durch der Jungen achtlose Züge . » Ob sie mich denn nicht erkennen ? « dachte Einhart . » Freche Dirnen die , was soll das heißen ? « dachte er . Aber Lisa und Franziska dachten nicht daran , daß ein Abend gewesen , wo sie im Tanze mit Einhart gekreischt hatten und im Wirbel hingeflogen . Dachten nicht daran , daß es einen neuen Abend gäbe , wenn die Sonne erst in die ferne Welt hinabsank , einen neuen Abend und neue oder einstige Gefühle , als die der süßen Traumschwere und des glühenden , schwebenden , flimmernden , unentrinnbaren Junimittagssonnennichts unter schattenkühlen Weiden . » Pa-a-a-a , « sagte Franziska nur wie gehässig , als Einhart näher gekommen . Und Einhart sah nur immer , wie das nackte Bein , eins ums andre sich in die Luft hob und fiel in lässigem Takte , und hörte , wie wenn ein Lied in dem ganzen lumpenarmen , schlanken Leibe verächtlich hinsummte . Er hatte ewig gestanden . Er hatte es um sich wie ein Gewebe von feinen Fäden allmählich , die ihn einwoben . Wie er so hinträumte , daß eine Spinne eine Fliege einfange , um sie zu töten . Er mußte jetzt lächelnd auch an den grausigen Laokoon denken , der daheim unter mancherlei Kleinkram irgendwo auf einem Schranke stand , und der ihm immer ein wenig mißfallen , weil er sich so laut und aufdringlich , so klagend nur im Kampfe mit den Schlangen gebärdet . So etwas kann man nicht mit Klage und Mundverziehen lösen , mußte er jetzt wieder flüchtig denken . Wie er sich einen Sprung weiter ebenfalls unter ein Weidengebüsch niederließ , weil die beiden Zigeunerdirnen die verächtlichen Augen längst vollends geschlossen hatten , ohne ihn noch groß anzusehen , gingen die Schlangenbilder wieder nur in der sanften Gebundenheit unter . Es waren wirklich schwüle Zwänge , langsam . Wie eine Fliege im Netz däuchte es neu . Das kam auch , weil seine blinzelnden Augen , die immer noch einmal sehnsüchtig über die grünen Grashalme hin nach den jungen Körpern und den wippenden Beinen sahen , über tausend blinke Fäden nun wirklich blickten , die auch im Blattwerk und unter den Ästen des Weidenbusches hingen und überall zitterten . Die rauhe , junge Stimme der einen Dirne sang und summte ohn Unterlaß verächtlich vor sich hin . Man hörte keine Worte , lange . Nur das dumpfe Gesumm . Ein Fisch schnalzte im Wasser . Einhart sah , daß am Ufer die Wellen sich in feinen Linien belebten . Ein großer Karpfen versuchte ein paarmal ins Licht zu springen . Und von unter Wasser her schienen die Rückenflossen in Phalanx geordnet und vorwärts ziehend sich in die Oberfläche des Spiegels sanft einzuritzen . Goldene Stäubchen und Flitter rieselten und rannen in seltsamen Kreisen und Garben unaufhörlich lautlos hin . Die leiseste Bewegung gab ein ewiges Erzittern . Wer begreift das schweigende Lichtleben , der es geblendet so hinträumt . Es war nur Wonne und Frieden . Die trägen Dirnen lagen und schliefen . Immer klang nur die feine , schwermütige , rauhe Weise , die hinpsalmodierte . Worte waren es nicht . Einhart hatte die Augen geschlossen . Zuerst geblendet , dann im Einsinken . Aber er lauschte tief auf den Sinn . Er hörte jetzt noch feiner . Er lag gar nicht mehr er , nur eine müde , süße , schlaftrunkene , rauhe Weise . Auch die Flüsterlaute vom See waren ganz scharf hörbar geworden . Die Wellen schienen sich zuzulächeln . Die Fische begannen in Einharts Augen zu spielen und einen Zirkus zu machen im Sommerwasser . Der große Karpfen , der Akrobat , hatte eine Korona von Fischaugen um sich . Alle sahen ihm zu . Er war einfach viele Meter in die Luft gesprungen . Und wie sie alle , die Fische , mit ihren Leibern aneinander schnellten und schlugen und lachten wie von metallenen Becken ! Und immer klang auch der rauhe , träge Sang , und immer fiel jetzt das nackte Bein nieder , eintönig genau , in die weichen Gräser . Auch die Worte formten sich jetzt : Die Sonne blinkt . Die Stille klingt . Was geht ' s mich an ? Die Sonne blinkt , und mein totes Herz kaum träumen kann - - kaum träumen kann . Geh fort , du Tor ! Ein Bienlein zuckt . Was Hab ich dir getan ? Die Sonne blinkt . Mein Herz ist tot - oder schläft ' s ? Was geht ' s mich an ? Franziska hatte die Worte wirklich gesungen . Und Einhart war fest und immer fester eingeschlafen . Und er erwachte nicht . Erst am Abend hatte er ein lautes Geplätscher in seinem Traum gehört und wie ein freches Hohnlachen . Aber er hatte es lange nicht erklären können . Er hatte im Traume vor seinem