von ihr , und sie ist mir tröstlicher als alle Reichtümer der Welt , ob sie gleich stumm und krank ist . - Heida ! Mut , Trotz und Freiheit ! Mein ist die Strenge Frau , mein ist Imago ; jene für mein Werk , meinen Beruf , meine Größe , diese für meine süße Liebe ; der Rest ist Unrat . Der irdischen Weiber scherz ich ; ein Trunk am Wege , genossen , verdankt und vergessen . Ich sehe ihrer mancherlei , lichte und dunkle . O lecker die lichten , o Wollust die dunklen ! doch ihren Namen unterscheide ich nicht . Nur einen einzigen Namen habe ich mir gemerkt : das ist Pseuda , namens Ix , die Kleine , die Abtrünnige , die mir Theuda betrübte und Imago kränkte . Unter mir die Rache ! eines bloß begehr ich von ihr zum Entgelt : sie einmal , nur ein einziges Mal wiederzusehen , um zu erfahren , wie eine Treulose in den sauberen Tag schaut , um zu erleben , daß sie die Augen vor mir niederschlägt . Dies ist mein gutes Recht , das sei ihre verdiente Strafe . Damit genug ; wohl bekomm ihr der Sumpf , Gott segne ihre Ehe . Hiermit bin ich fertig , und da ich fertig bin , höre ich auf . Ihr getreuer Viktor Dies Bekenntnis schob er noch in der nämlichen Nacht eigenhändig in die Brieflade . Und am folgenden Morgen schon , mit der Elfuhrpost , erhielt er der Freundin Antwort : Verehrter Freund ! Ich habe Ihr erstaunliches Bekenntnis , dessen Mitteilung ich Ihnen als einen Beweis des Vertrauens verdanke , mit der gebührenden Andacht gelesen . Ehe ich indessen auf den Inhalt eingehe , lassen Sie mich zuerst etwas Störendes beseitigen ; es brennt mich auf der Zunge , ich will es daher gleich erledigen : nicht wahr , es ist nicht Ihr Ernst , eine Frau durch einen Vorgang gebunden zu glauben , von dem sie nichts weiß und auch nichts wissen kann ; einen Vorgang , der einzig in Ihrer Phantasie geschah : durch ein erträumtes Verlöbnis , mit einem Wort . Das tun Sie nicht , das können Sie nicht tun , weil es ebenso unvernünftig wie unbillig wäre . Den häßlichen Namen Pseuda , lieber Freund , verdient Frau Direktor Wyß nicht ; denn wenn es eine Frau auf Erden gibt , die offen und wahr ist , so ist sies . Zur Größe wollten Sie sie verpflichten ? Ich weiß nicht , ob Frauen überhaupt der Größe fähig sind - wir haben andere Eigenschaften - aber gesetzt , sie wären dessen fähig , wer ist denn zur Größe verpflichtet ? Die bedauernswerte Menschheit , wenn Größe Pflicht wäre ! Frau Direktor Wyß ist wie jede andere , wie ich , wie wir alle , dazu erzogen worden , einem braven Manne eine treue Gefährtin zu sein , und diesen Beruf erfüllt sie aufs beste , sich zum Frieden , ihren Nächsten zum Glück , den übrigen zur Erbauung . Ich kenne in der ganzen Stadt keine tugendhaftere , treuere , selbstlosere Gattin und bessere Mutter . Ich muß mich daher nochmals dagegen verwahren , daß jemand ihr zumutete , die Augen niederzuschlagen . Das braucht sie nicht zu tun , und , beiläufig bemerkt , das wird sie auch nicht tun ; verlassen Sie sich darauf . Zugegeben , daß vielleicht eine andere Frau den Zauber der Parusie mitgefühlt hätte - es müßte freilich eine Frau von seltenen Eigenschaften sein , und sie müßte Sie mit allen Fasern ihres Herzens geliebt haben . Allein sie hat nun einmal die Parusie nicht gefühlt , und es war auch keineswegs ihre Pflicht , sie zu fühlen . Dies vorausgeschickt , fange ich nochmals von vorne an . Ja , mit wahrer Andacht habe ich Ihr Geständnis gelesen ; ergriffen und verwirrt , erschrocken und erhoben . Ich besitze nicht die gehörige Gabe von nüchterner Vernunft , auch nicht das nötige Maß von Verständnislosigkeit , um mich über die ungeheuerliche Vermengung von Phantasie und Wirklichkeit aufzuregen . Obschon ! was sind das für Sachen : Theuda , Pseuda , Imago ( Fräulein Ix will ich Ihnen noch schenken ) , drei Personen mit einem einzigen Gesicht ! Die eine existiert nicht , die andere ist tot , die dritte ist nicht vorhanden , und jene , die nicht existiert , ist krank ! Wenn nur das Herz nicht Mus macht ! ! Mir stockt einfach der Atem ; ich weiß nicht recht , ob mehr vor Furcht oder vor Ehrfurcht . Sie sind - verzeihen Sie , ich weiß , Sie hassen den Namen , aber ich kann Sie doch nicht Rabbi nennen - Sie sind , ob Sie sich noch so sehr dagegen sträuben , ein Dichter . Wenn Sie übrigens lieber ein Seher oder Prophet heißen wollen - Ich habe Ihr Hohelied von Imago mit dem frohen Staunen gelesen , wie man ein Großwerk der Poesie anhört , bin auch im Innersten davon überzeugt , der Dämon , von welchem Sie besessen sind , mögen Sie ihn nennen , wie Sie wollen , Imago oder Strenge Frau oder sonstwie ( er wird wohl ein naher Verwandter des Genius sein ) , ist heiligen Ursprungs . Denn das steht bei mir fest : etwas , dem ein erwachsener Mann , so überlegen gescheit und verständig wie Sie , sein Liebesglück zum Opfer bringt , ist kein Irrwisch . Kurz , ich glaube an Ihre Strenge Frau und auch an Sie , mein lieber Freund , an Ihr Werk , an Ihre künftige Größe , die ich bisher bloß gehofft und ahnend vermutet hatte . So sehr glaube ich daran , daß mich Ihre Erzählung mit reinern Seelenglück erfüllen würde , wie das Erlebnis eines unsterblichen Kunstwerkes , wenn ich nicht zugleich Ihre Freundin wäre , wenn ich nicht durch meine herzliche Teilnahme gezwungen würde , auch an Ihr menschliches