ihr Lieblingszimmer war . Hier ließ sie sich auf einem Ruhesitz nieder und lud den Prinzen ein , neben ihr Platz zu nehmen . Sie ergriff einige Blätter mit Zeichnungen , die auf einem Tisch an ihrer Seite lagen und zeigte dem Prinzen einige , indem sie mit feinem Verständnis über die neue Richtung der Kunst zum Klassizismus in der Kunstsphäre sprach , deren hervorragendste Vertreter in Rom eben Canova in der Skulptur und Camuccini in der Malerei waren . Der Prinz , ergriffen von der zauberischen Nähe dieser Frau , die neue , bis dahin ungeahnte Seiten seines Wesens in ihm erweckte , brach in einen Ausruf glühender Bewunderung über ihr Kunstverständnis aus , hinter dem sich seine tiefere Gefühlserregung nur halb verbarg . Die Herzogin fühlte es sehr wohl , und selbst noch mehr erregt als er , sagte sie seufzend : » Ach , und wenn Sie ahnen könnten , welche tiefe Leere dennoch in meinem Leben bleibt , trotz all dem , was Reichtum , Rang , Huldigung der Welt und überdem Geist und Kunst mir geben ! Mir fehlt das eine , das Höchste : eine große , allmächtige Liebe , ohne die das Leben doch nur ein glänzendes Nichts ist . Ich könnte ja , wie die meisten Frauen unserer Gesellschaft , mir ein Verhältnis schaffen mit einem zufällig Bevorzugten der vielen , die mich umschwärmen und nur danach trachten ; aber ich bin zu stolz dazu . Allmächtig , das ganze Leben beherrschend , so muß die Liebe sein , die mein Dasein ausfüllen soll , und nur einem Höchsten , der ebenso fühlt , kann ich diese höchste Krone reichen . « Sie schwieg wie erschrocken von diesem Ausbruch ihrer geheimsten Empfindungen , aber ihr Auge sandte einen Blick zu Waldemar hin , der sein Herz erzittern machte , und in überwältigender Aufregung , unfähig , ein Wort zu sagen , ergriff er ihre Hand und drückte einen heißen Kuß darauf . » Bist du mein Freund , Waldemar ? « frug Giulia leise mit bebender Stimme . Aber noch ehe der Prinz antworten konnte , entzog sie ihm ihre Hand , erhob sich rasch und flüsterte : » Mein Peiniger kommt , schon ist sein Verdacht rege , suchen wir ihm ruhig zu begegnen . « In der Tat hörte man nun Schritte und Stimmen , die sich dem Kabinett näherten , und die Herzogin hatte nur eben Zeit , an den Tisch hinzutreten und die zerstreut liegenden Zeichnungen scheinbar in Ordnung zu bringen , als Don Camillo mit dem Professor und Raden eintrat . » Alle unsere anderen Gäste sind geschieden und lassen sich dir empfehlen , Giulia , und nun komme ich , diesen Herren auch die Zeichnungen unseres Camuccini zu zeigen , « sagte der Herzog . » Haben sie ihren Beifall , Hoheit ? « fragte er , sich rasch zum Prinzen wendend und ihn mit einem durchbohrenden Blick seiner schwarzen Augen treffend ; aber schon hatte Giulia mit der Raschheit ihres südlichen Temperaments ihre Selbstbeherrschung völlig wiedergewonnen und versetzte blitzschnell , scheinbar in heiterer Unbefangenheit : » Hoheit sind ganz erstaunt über die klassische Vollendung in diesen Zeichnungen , die man hier noch mehr bewundern kann als in seinen Gemälden . Auch wußte der Prinz nicht , wie sehr er schon anerkannt und bewundert ist , wie fremde Potentaten ihn ehren und ihm Aufträge geben , wie Seine Heiligkeit der verstorbene Papst und unser gegenwärtiger Heiliger Vater sich sogar rühmten , seine Freunde zu sein , und wie sich schon eine zahlreiche Schule nach ihm gebildet hat , die dieser Kunstepoche den Charakter des Klassizismus aufdrückt und ja auch unter den Franzosen glänzende Namen zählt , wie David , Vernet , de la Roche und andere . Sehen Sie , Herr Professor , überzeugen Sie sich selbst . « Sie hatte mit ihrem langen Sprechen , ihrer immer ruhiger werdenden Stimme und ihrer feinen Art , die Zeichnungen vorzulegen , scheinbar das Gleichgewicht in der Stimmung hergestellt und dem Prinzen Zeit gegeben , sich zu fassen und jetzt mit seinen Begleitern Abschied zu nehmen und den Palast zu verlassen . Waldemar sagte diesen , sobald sie in ihrem Hotel angekommen waren , alsbald gute Nacht , Kopfweh vorschützend , und begab sich in sein Zimmer . Hier aber wanderte er ruhelos auf und ab und suchte der Aufregung Herr zu werden , die jetzt schon beinahe völlig Besitz von ihm genommen hatte . Die unverhohlene Leidenschaft , die ihm von der Herzogin entgegenkam mit einer seinem deutschen Empfinden fremdartigen Offenheit , hatte sein Wesen in eine noch nie gefühlte Aufregung gebracht , und unerfahren , wie seine so wohlbehütete Jugend gewesen war , fragte er sich fast voll Angst , ob dies die Liebe sei , die nun endlich siegreich in sein Herz einzog . Aber was dann ? Zwar sah er mit Erstaunen in der römischen Gesellschaft , in der er sich befand , wie wenig das legitime Band illegitime Verhältnisse hinderte ; er aber bebte davor zurück , indem sich ihm auch augenblicklich alles entgegenstellte , was man in der Heimat , bei seiner Stellung am Hofe als wahrscheinlicher Thronerbe , da sein älterer Bruder sehr kränklich war , und was besonders seine fromme , tugendhafte Mutter , die ihn so liebte , zu solcher Verirrung , denn so würde man es milde nennen , sagen würde . Ein peinlicher Kampf entspann sich in seinem Innern , denn er konnte nicht leugnen , daß ihn der hinreißende Zauber von Giulias Schönheit und liebendem Entgegenkommen bereits mit einem Wonnegefühl erfüllte , vor dem seine klare Einsicht und seine strengen Grundsätze zu schwanken begannen . Endlich aber forderte die Natur ihr Recht und er fiel in einen tiefen Schlaf , aus dem er erst spät erwachte . Am Morgen brachte ihm der Diener einen Brief , der ihm , wie er sagte , von einem jungen Burschen eingehändigt worden sei , mit der strengen Mahnung ,