du von Ruinen und Gräberfeldern ? Dem Geiste sind sie unbekannt ! Was er einst mit der Hand des Körpers baute , war für den Körper , aber nicht für ihn . Es war ja nur das Erdenabbild dessen , was er für sich im Geisterreich gebaut . Und dieser hochgelegene Bau ist ewig . Sein Abbild mag zerfallen , das Urbild aber trifft kein Zahn der Erdenzeit . Wenn du mit deinen körperlichen Augen dein Paradies in Trümmern und im Tode liegen sahst , so breitet sich in Himmelshöhe über ihm das meine aus , und alles , was bei dir in Schutt zerfallen ist , das blieb im Originale des Meisters mir erhalten . Und so , wie jedes Werk in meinem Himmel edler ist als in dem deinigen , so sind auch alle Menschen besser als die deinen . Du richtest sie . Ich habe nichts zu richten . Vielleicht verzeihst du ihnen . Doch ich verzeihe nicht . Warum ? Man hat mir nichts gethan ! Vor meinem Paradiese steht jede Feindschaft still . Sie wagt sich nicht herein . Und weil sie mich also nicht treffen kann , so giebt es für mich nichts , was ich verzeihen dürfte , so gern ich es auch möchte . « » So hat es ganz gewiß den Baum El Dscharanil für dich niemals gegeben ! « » Ich kenne ihn ! Du hast ihn an das Paradies der Selbstgerechtigkeit gesetzt ; das heißt , an seine rechte Stelle . Auch ich habe ihn dort stehen sehen , diesen Baum der sehenden und sprechenden Blätter , der Zeitungen , der öffentlichen Presse . Doch schaute ich ihn anders an als du . Das Reich des Geistes hat die größte Aehnlichkeit mit dem Reiche der sichtbaren Natur . Es giebt hier wie dort keine Entwicklung , die nicht von unten nach oben zu gehen hätte . Ihre Aufgabe ist die Trennung von der niederen Materie und die Gestaltung zum selbständigen , sich frei bewegenden Einzelwesen . Lächle nicht , wenn ich dir sage , daß jedes , aber auch jedes geistige Gebiet sein Mineral- , Pflanzen- , Tier- und Menschenreich besitzt ! - Du wirst das sofort und überall erkennen , wenn du nur die richtigen Augen dafür öffnest . « » Also auch das Gebiet der öffentlichen Presse ? « fragte er schnell , indem sein Gesicht den Ausdruck gespannter Erwartung annahm . » Ja , auch dieses ! Der Boden , also die Materie ist gegeben . Es existiert keine Felsen- oder Gesteinsformation und keine Erdbeschaffenheit , die nicht auch hier in diesem geistigen Reiche vorhanden wäre . Oder hörst du nicht die sogenannte öffentliche Stimme von den Spitzen hoher Berge , aus den tiefsten Thälern , aus finstern Schluchten , aus sandiger Oede , auf sonniger Flur und aber auch aus häßlichen Sümpfen erklingen ? Giebt es nicht zahllose Blätter , in denen nur die Materie zu sprechen hat und nur der Stoff zum Worte kommt ? Aber bald regt sich das Leben , zunächst das niedrige , welches durch sämtliche Ordnungen zu steigen hat , um sich von dem Stoffe zu erlösen . Du siehst geistige Flechten und Moose erscheinen , dann Farne , deren Gestalt auf spätere Palmen hoffen läßt , freundliche Gräser und Kräuter , duftend blühende Sträucher und früchtetragende Bäume . Diese alle aber , so lieb , so gut , so nützlich sie auch sein mögen , sie haben es doch nicht vermocht , den Boden zu verlassen , auf dem das Blatt , die Zeitung , gegründet worden war . Sie klammern sich mit ihren Wurzeln in ihm fest und müssen das ja auch thun , weil es die Absicht des Verlegers ist , grad diesen Boden für sich zu kultivieren . « » Und aber die Zoologie der Presse ? « fragte der Ustad . » Sie kann und darf nicht fehlen , denn nur in ihren Erscheinungen schreitet die Befreiung von der Materie in rapider Weise fort . Auch hier beginnt die Entwicklung mit den niederen Lebewesen . Ich sehe winzige Goldkäferchen ihre geistige Nahrung aus Blumenkelchen ziehen und leuchtende Glühflügler um urweltliche Gedanken schwirren . Freundliche Schmetterlinge gaukeln von Leserin zu Leserin . Ein niemals ruhender Ameisenfleiß trägt Wort um Wort und Satz um Satz zusammen , und Bienen summen überall , um Honig heimzutragen . In den Quellen und Bächen der Tagesereignisse schießen schnelle Flossenträger hin und her . Und wenn nun gar beim Morgen- oder Abendsonnenschein des Frühlings Odem durch die Blätter weht , da erzählen tausend süße , frohe Stimmen , daß grad die liebsten und die besten Sänger zur oft verkannten Feder-Welt gehören ! Ich kenne manchen edlen Geist , der wie in Adlersferne hoch über der Gemeinheit horstet , und manchen scharfen Denker , der , gleich dem Albatros , den Staub der Erde nie berührt . Ist dir der Ackergaul bekannt , der für wenig Hafer , aber viel Häcksel täglich seine Furchenzeilen zu ziehen und sich am Ende jeder Reihe wieder umzudrehen hat , damit er ja nicht etwa auf fremde Gedanken komme ? « » Ich habe ihn gesehen , wie oft , wie oft ! « antwortete er . » Aber du hast deine Beispiele nur von der einen , von der guten Seite genommen ; der Ackergaul bringt mich auf die andere hinüber . Du warst so aufrichtig , auch von Sümpfen zu sprechen . Warum hast du die Giftpflanzen , die Dornen , Quecken und anderen Wucherungen nicht erwähnt ? Das Ungeziefer unter den Insekten ? Die Raubfische ? - Die täglich auf den Blättern ihrer Schlammpflanzen nur von ihrer eigenen Weisheit quakenden Frösche ? Die Giftschlangen ? Die lästigen Sperlinge ? Die Käuze und Eulen , deren lichtscheuer Mordhunger nur des Nachts auf Beute ausgeht ? Die aaslüsternen Geier ? Die Neuntöter , welche ihre Opfer erst am Stachel quälen , ehe sie verschlungen werden ? Die Falken und Stößer , die sich selbst am