unheimlich übers Wasser hin . Battany und seine Freunde lauschen . Abu Maschar , dem vorn allmählich zu häufig die Wellen über Bord spritzen , geht jetzt in die Mitte des Kahnes und setzt sich dem Abu Hischam gegenüber . Kodama gibt einem Sklaven , der nicht schnell genug dem Sterndeuter Platz macht , einen sanften Klaps auf den Hinterkopf . Wie das südarabische Totenlied in der Ferne verhallt , ergreift Abu Maschar , der bisher ganz still war , etwas feierlich das Wort . Er spricht leise , fast flüsternd : » Warum sollen wir eigentlich einen neuen Geheimbund gründen ? Wir Gelehrten bilden doch bereits in der Menschenwelt eine so abgeschlossene Gesellschaft , daß wir diese auch schon einen Geheimbund nennen könnten . Sind nicht die alten Gesellschaftsformen , so wie sie sind , für unser Gesellschaftsbedürfnis vollauf genug ? Wer wüst prassen und zechen will , kann sich jederzeit unter die Tofailys begeben . Wer feinere Gesellschaftsgenüsse verlangt , findet sie bei unsrem gastfreien Battany auf schaukelnden Barken und auf unsrer Sternwarte . Sind nicht schon in den Verhältnissen , in denen wir jetzt grade leben , eigentlich sämtliche Glückserreger , die uns in den verschiedenen Augenblicken unsres Lebens unentbehrlich erscheinen , enthalten ? Was wir bedürfen , verlangen und wünschen , das können wir unter den augenblicklich obwaltenden Verhältnissen ebenso leicht und bequem erreichen wie in den erhofften anderen Zuständen , die wir immer erst schaffen müssen . Jedoch - wir haben garnicht nötig , etwas Neues zu schaffen . Alles , was wir wirklich brauchen , ist bereits da . Glaubt Ihr , die Welt könnte noch besser werden ? Glaubt Ihr , ein Geheimbund könnte jemals irgend etwas besser machen ? Die Welt ist , wie sie war - und - wird - so - bleiben . Wir haben keine Ursache , die sogenannte Entwicklung der Menschheit irgendwie zu fördern . Eine Entwicklung gibt es ja garnicht . Wir werden nicht klüger werden , als wir sind . Die Menschen werden nach tausend Jahren grade so klug und grade so dumm sein - wie wirs heute sind . « Abu Maschar hielt inne , seine Augen glänzten im grellen Fackellicht - wunderbar schön . Alle hatten aufmerksam zugehört . Safur und Suleiman sahen - - bewundernd den großen Propheten an ; den Dichtern paßte die Weisheit des großen Sterndeuters . Jakuby jedoch und auch Battany sträubten sich gegen diese Weisheit , hätten gerne gleich erwidert ... wenn sie nur gewußt hätten - wie - und was . Osman und Kodama fühlten sich auch nicht angenehm berührt . Kodama mochte nicht allzu viel nachdenken , liebte die längeren , umständlichen Erörterungen ganz und gar nicht - liebte die bequeme Kürze , den gedrungenen Witz , das abschneidende Schlagwort ... Und Osman - ja - der wußte nicht recht , ob Abu Maschar die richtige Persönlichkeit sein würde , den Abu Hischam mit seinem dummen Gelehrtenbunde mundtot zu machen . Der dicke Schreiber kannte den leicht erregbaren Philosophen sehr genau - so leicht war der nicht tot zu kriegen . Und richtig - es dauerte auch garnicht lange , und der Philosoph machte durch deutliche Hand- und Armbewegungen der Gesellschaft verständlich , daß er bereit wäre , dem Propheten mit kräftiger Lunge Bescheid zu sagen . Abu Hischam rief gellend - zornig mit den Fäusten gen Himmel drohend : » Prophet ! Der Unsinn , den Du uns da auftischen willst , schreit zum Himmel wie Abels Blut ! « Die Gesellschaft wird erregt . Die Sklaven blicken scheu zur Seite . Doch Battany wird plötzlich auch lebhaft . » Halt ! « stößt er heftig vor , » jetzt haben wir , dächt ich , für heute genug reden gehört . Sehr schöne Reden warens - sie waren nur leider zu schön . So was strengt an . Ich möchte was vorschlagen . Wir sind morgen abend bei Said ibn Selm zum Abendessen geladen . Wir könnten also morgen abend weiter reden . Überlegen wir uns bis dahin , wie wir dem weisen Abu Maschar am besten antworten könnten ! Seid Ihr einverstanden ? Ja ? Ich bin müde ! « Lautes » Ja ! « in den verschiedensten Formen tönt von allen Lippen ... erleichtert fühlen sich Battanys Freunde . Nur Abu Hischam murrt ein bißchen . Doch das geht vorüber . Die Sklaven verteilen schon die Wolldecken . Und Alle freuen sich auf den Schlaf . Die Fackeln werden ins Wasser geworfen . Die Sterne werden blasser und blasser . Die Sklaven ziehen die Segel ein . Der Steuermann dreht um . Und die langen Riemen heben plätschernd die Barke immer wieder höher , bringen sie langsam stromaufwärts - langsam . Dicht am Uferschilf rudern die Sklaven . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Auf Battanys Barke ist es mäuschenstill . Safur liegt in seiner Wolldecke auf dem Rücken und betastet mit den Fingern das Holz auf seiner rechten Seite . Er blickt zu den verblassenden Sternen hinauf und träumt von seiner Tarub . Das Boot schaukelt so wohlig , und die Augenlider fallen auch dem jungen Dichter zu . Er tastet im Traum überall umher . Bald befaßt er die Sterne , bald die Kochtöpfe . Dann träumt er , der Chalif hätte ihm befohlen , aller Menschen Nasen zu befühlen . Und er atmet sehr schwer , denn die Aufgabe dünkt ihn nicht leicht . Suleiman denkt an sein stilles Zimmer bei seinem alten Gärtner . Dort duften feine Reseden auf dem Tischchen neben der alten breiten Matratze . Und Rosenduft weht hernieder . Und junge Märchenprinzen beugen sich über das Lager des alten Suleiman - und der Rosenduft entströmt den kostbaren Kleidern der jungen Prinzen . Suleiman sinkt zurück - ihm ist , als läge sein Haupt mit seinem reinen weißen Turban in einem duftigen - Veilchenbeet . Laut schnarchen jetzt