so was ist hier ganz unmöglich , und deshalb will ich auch hin , wenn sich hier nicht bald was findet . « » Gott , junger Herr , dann doch lieber ... « » Gewiß , Friederike , viel lieber . Und all das Poggenpuhlsche , wovon Therese soviel Lärm macht ... Aber , alle Wetter , dabei fällt mir ein , wo steckt denn nur eigentlich Therese ? Sie wollte ja , wie du sagtest , bloß in die Stadt , um noch zu Mamas Geburtstag was einzukaufen ... Gott , Geburtstag . Sage , Friederike , da muß ich am Ende doch auch wohl was anschaffen , die alte Frau glaubt sonst , ich denke bloß immer an mich . Also was meinst du , was kann ich ihr wohl schenken , was braucht sie ? « » Gott , junger Herr , die gnädige Frau braucht ja eigentlich alles . « » Alles ? Das ist mir zuviel , das geht nicht , das ist über meinen Etat . Und zurück muß ich doch auch noch wieder , und es reicht schon nicht ... Aber du hast ja vorhin von einem Edamer gesprochen . Is noch was da ? « » Versteht sich . « » Nun gut . Aber zunächst wollen wir das mit dem Geburtstagsgeschenk abmachen . Freilich , zurück muß ich , das bleibt das erste . « » Ja , junger Herr , wieviel wollen Sie denn wohl anlegen ? « » Wollen ? Eine Million . Aber können , Friederike , können , da sitzt es , da hapert es . Über , über ... na , ich will lieber keine Summe nennen ; nur bloß was Nettes , was Sinniges muß es sein . « » Nu , ich denke mir eine Primel . « » Gut , Primel . Primel paßt ganz vorzüglich . Primel oder Primula veris , das ist nämlich der lateinische Name , heißt soviel wie Frühlingsanfang , und Mutter wird siebenundfünfzig . Und sieh , das ist das , was ich sinnig nenne . « » Und dann , junger Herr , vielleicht noch eine Tüte mit Mehlweißchen ; die ißt sie für ihr Leben gern . Aber knusprige , nicht solche , die sich so ziehen wie Leder . « » Auch gut . Also Primel und Mehlweißchen , knusprig und alle weiß bestreut . Aber es ist schon so spät ; ich glaube , man kriegt keine mehr . « » Nein , heute nicht mehr ; ich besorge sie aber morgen früh . Vor neun wird ja doch nich aufgebaut , denn es muß doch erst überall warm sein und auch alles ein bißchen in Ordnung . « Unter diesen Worten begann Friederike die herumstehenden Teller und Gläser abzuräumen und setzte dafür den halben Edamer , der eigentlich nur noch eine rote Schale war , auf den Tisch . Aber das tat nichts . Leo hatte schon sein kleines Taschenmesser , weil ihm das am handlichsten war , herausgenommen und schabte damit die guten Stellen mit vieler Geschicklichkeit heraus , immer versichernd , daß , wenn man noch was fände , wo eigentlich nichts mehr zu finden sei , das sei jedesmal das beste und darin läge auch was Sinniges . » Ja , Friederike , so muß man leben , immer so die kleinen Freuden aufpicken , bis das große Glück kommt ... « » Ja , wenn es bloß kommt ... « » Und wenn es nicht kommt , dann hat man wenigstens die kleinen Glücke gehabt . « Und dabei setzte er den ausgehöhlten Edamer auf seinen linken Zeigefinger und drehte ihn erst langsam und dann immer rascher herum , wie einen kleinen Halbglobus . » Sieh , das hier oben , das ist die Nordhälfte . Und hier unten , wo gar nichts ist , da liegt Afrika . « Sechstes Kapitel Leo war in der guten Stube untergebracht worden und schlief hier unbequem , aber fest auf dem kleinen Rohrsofa , das für gewöhnlich in der Schlafstube stand . Er wurde nur einen Augenblick wach , als Friederike kam , um einzuheizen , fiel aber rasch wieder in einen ruhigen Morgenschlaf zurück , als er nebenan in der einfenstrigen Wohnstube das Knacken und Knistern des Holzes und bald darauf das Klappern der Ofentür hörte . Gegen halb neun erst kam Manon , um ihn zu wecken . » Aufstehn , Leo ; es ist höchste Zeit . Wir können Mama nicht länger im Bett halten . « Und nun sprang er auf und machte mit soldatischer Schnelligkeit seine Toilette . Der Pfeilerspiegel über der Konsole präsentierte sich dabei stattlich genug , alles übrige aber war desto primitiver : ein Küchenstuhl mit Waschbecken und Handtuch , ein Glas und eine Wasserkaraffe . Was er sonst noch brauchte , nahm er aus seinem Koffer . » Guten Morgen , meine Damen « , mit diesen Worten trat er bei den Schwestern ein und gab jeder einen Kuß . Es war schon recht hübsch warm in dem kleinen Zimmer . Auf einem alten Klavier lagen und standen die für die Mama bestimmten Geschenke noch wirr und ungeordnet umher , denn sie sollten , wie selbstverständlich , nicht hier , sondern in der guten Stube , die noch erst in Stand zu setzen war , aufgebaut werden . Das geschah denn auch , und nun hatte man über alles einen Überblick : eine Morgenhaube , zwei Paar Zwirnhandschuhe und ein Paar Filzschuhe . Von Friederike war eine Erika gestiftet , zwischen den zwei Filzschuhen stand Leos Primel und die Tüte , Leo selbst aber riß noch rasch ein Blatt aus seinem Notizbuch , um ein paar Zeilen aufzuschreiben , und schob diese dann zwischen die beiden blaßlilafarbenen Primelblüten . » Ein Bild meines Glücks « , sagte er zu der neben ihm stehenden Sophie ; » zwei Blüten und blaßlila . « Nun endlich konnte auch die schon ungeduldig werdende Mutter