, von Kindesbeinen an hatte sie das eintönige , lustige oder schwermütige Gesumme mit angehört : Arbeit , Liebschaften , Neuverheiratete , kleine Kinder , Tote , das war alles . Zuweilen sprachen sie von jenen , die aus der alten Tretmühle hinausgekommen waren , die ihr Glück gemacht hatten in der Welt , so wie die Gretel , die unter die Theaterleute gegangen war und erst vor kurzer Zeit sich wieder um die Blaue Gans geschlichen hatte , ein seidenes Kleid am Leibe , so erzählte der Hausherr . Das ging über die Begriffe des schönen Weibes . Wie kann man wieder dahergehen , wenn man ein seidenes Kleid trägt , daher , in diesen Winkel voll Waschdunst , Lärm und kleinen Kindern ? Sie blickte wieder flüchtig zu den Nachbarn hin . Jetzt steckten sie die Köpfe zusammen und wisperten , warum ? wovon ? - Von ihr selbst natürlich ! Sie erzählten einander , daß sie heute nicht gekocht habe und daß ihr Mann ins Wirtshaus gegangen , das war ja etwas Neues für die Blaue Gans . Sie schlug das Fenster zu , ließ die Vorhänge nieder und zündete die Lampe an . » Ei , sollen reden « , murrte sie vor sich hin . Sie richtete mißmutig die Betten für die Nacht zurecht , und als das Kind halb im Schlafe leise aufweinte , gab sie im Vorübergehen der Wiege einen sachten Stoß , daß sie sanft weiterschaukelte . Immer vor sich hin brütend , löste sie ihr prächtiges rotes Haar , schüttelte es über die marmorweißen Schultern und liebäugelte mit ihrem Bilde , das selbst in diesem Spiegel noch schön blieb . Mit einmal nahm sie ein Kästchen von dem Putztische , kramte unter den Seidenbändern , die drin lagen , und zog endlich ein Päckchen Spielkarten hervor . Träge setzte sie sich an den Tisch , rückte die Lampe heran , mengte die Karten langsam und legte dann die Blätter in vier Reihen , eine unter die andere , vor sich hin . Da saß sie nun , und das feine kindliche Antlitz ruhte mit dem Kinn in der hohlen Hand , und die graugrünen Augen rückten spähend von einem Blatt auf das andere . » Eins ... zwei ... drei ... vier ... fünf ... sechs ... sieben ! Verdruß ! « Sie seufzte leise und zählte weiter bis zur nächsten Sieben . » Veränderung ? ! ... Richtig , drei Aß nebeneinander ! Kummer ! Unglück ! ... Und da wieder ein kleines Kind ! « Das junge Weib wurde kreidebleich , sie streifte entsetzt die Karten zusammen , verbarg sie wieder und ging niedergeschlagen zu ihrem Lager . Noch aus dem Bette schaute sie nachdenkend auf den kleinen Buben hinab , der unruhig in seiner Wiege schlief , dann drehte sich die Lene unmutig gegen die Wand , als aber das Kind schluchzend seufzte , wandte sie sich um und spähte in das rosige Gesichtchen , bis ihr die Augen zufielen . Bald bewegten ihre Atemzüge gleichmäßig die Flamme des Nachtlämpchens , das neben ihr stand . Sie machte große Augen , als sie aufwachte und ihren Mann vor dem Spiegel stehen sah . Er bürstete sich die Haare zurecht . » Gehst du fort ? « fragte sie schlaftrunken , ohne Erinnerung an den letzten Abend . » Nein , Schatz ! « stieß er heraus und kicherte wie ein Weib , » ich komm heim . « » Jetzt ? « » Ja , es ist erst fünf Uhr . « » Ah ! ... das ist arg « , sagte die Lene und setzte sich jäh im Bette auf , » wo warst du ? « » Alleweil im Wirtshaus . Hab aufs Heimgehen vergessen , weil es dort so lustig war und weil die Leut alle so freundlich mit mir waren . Die Allerhand-Mädeln haben gesungen , ein paar alte Kameraden waren da , getanzt ist worden und da ha ... « » Sei still ! « » Oho ! « » Sei still . Ich bitt dich . Geh bald wieder fort « , sagte sie tonlos . » Und warum ? « » Ich kann dich in einem solchen Zustand nicht anschaun . « Der Leopold stand jetzt neben dem Lager seines Weibes , er hatte die Hand in der Hosentasche stecken , und eine erloschene Zigarre hing aus dem Mundwinkel nieder , er spreizte die Beine weit auseinander und ließ sich immer von den Fersen auf die Zehen und von den Zehen wieder auf die Fersen sinken , dabei musterte er die Lene mit seinen rotunterlaufenen Augen und lachte ihr manchmal kurzweg ins Gesicht . » Geh , sag ich dir ! « rief sie eindringlich . » Und wenn ich nicht gehen will ? Wenn ich mich jetzt niederlegen will und schlafen , wer könnte mir das verbieten ? Wer ? Wer ist der Herr im Hause ? « » Du hast zu tief ins Glas geschaut . « » Daß ich nicht zu tief in die Teller schaue , dafür sorgst du ! Kochst nichts , legst dich am hellichten Tage schlafen . Was wirst du tun , wenn wir erst fünf , sechs Kinder haben ? Da bleibt die ganze Familie alleweil im Bett liegen , gelt ? « schrie der Leopold und lachte verbissen . Die Frau schaute ihm plötzlich voll ins Gesicht , ein Schauer lief durch ihre Glieder , sie zog ihr Nachtleibchen höher hinauf , warf einen Rock über , sprang aus dem Bette und huschte an ihm vorbei in die Küche hinaus . Der Leopold ließ die Zigarre aus dem Munde fallen und warf sich auf sein Bett , er schleuderte die Stiefel polternd von den Füßen , streckte und reckte sich und gähnte mit aufgesperrtem Mund , dann rief er nach seinem Weibe , schnarchte aber schon , ehe sie ihm hätte Antwort geben können . Die Lene öffnete leise die Türe und