, und durch alle drei Stockwerke hin , so daß selbst die Polzins oben es hören konnten , klang es in immer erneutem Refrain : » Ist mir nichts , ist mir gar nichts geblieben Als die Ehr und dies alternde Haupt . « Die Pittelkow hatte sich dabei hinter den Stuhl des alten Grafen gestellt und schlug mit ihrem Zeigefinger den Takt auf seiner kahlen Kopfstelle . Wanda war glücklich und gab immer Neues zum besten , wobei die Pittelkow , die viel Gehör hatte , die zweite Stimme sang , während Sarastro mit seinem Baß und der nach wie vor am Klavier begleitende Papageno mit seinem schadhaft gewordenen Bariton einfielen . Nur der junge Graf und Stine schwiegen und wechselten Blicke . Sechstes Kapitel So verging noch eine Stunde . Dann brach man endlich auf , und Sarastro und Papageno baten mit aller Dringlichkeit um die Ehre , Fräulein Wanda , » damit ihr nichts zustoße « , gemeinschaftlich nach Hause bringen zu dürfen . Der junge Graf schloß sich wohl oder übel an . Die so doppelt und dreifach Gefeierte drang freilich ihrerseits auf Vereinfachung des Verfahrens , immer wieder versichernd , » daß einer genüge « . Sie sah sich aber überstimmt . » Die Verantwortung sei zu groß . « Als alle fort waren , nahm die Pittelkow ihre Schwester um die Taille , walzte mit ihr dreimal im Zimmer umher und sagte dann : » So , Stine , nu wird es erst nett . Eine braune Kanne voll hab ich uns gleich noch beiseite gestellt , und ein paar Morgensemmeln sind auch noch da . Die werden nu woll zäh genug sein , aber mit Butter geht es doch , da rutschen sie ... Nein , diese Wanda ; nich zu glauben . Und eine Stimme , wie ' ne Harfenjule . « Stine versuchte zum Guten zu reden und warf der Schwester vor , daß sie , wie gewöhnlich , viel zu streng sei . Zudem verrate sie sich ; alles , was sie da sage , sei doch bloß aus Eifersucht . Aber sie brauche gar nicht eifersüchtig zu sein , denn alle drei seien ja mitgegangen , und drei seien immer besser als einer . Die gute Wanda ! Nun ja , wenn man wolle , so ließe sich jedem was ans Zeug flicken ( ihnen beiden auch ) , alles in allem aber sei die Grützmacher eigentlich eine nette Person und jedenfalls eine sehr gutmütige . » Ja « , sagte Pauline , » das ist sie ; man bloß so wichtig und zierig . Und wenn sie sich dann ausgeziert hat , denn ziert sie sich wieder nicht genug und hat so was Johliges und Genierliches . « » Du bist heute gut im Zuge « , lachte Stine . » Das also ist Wanda . Und nun sage mir , wie bin ich denn ? Aber nein , sag es nur lieber nicht ... « » Will auch nicht ... « » Sage mir lieber etwas über die drei . Wie steht es mit dem alten Grafen ? « » Ein Ekel . « » Und mit dem Baron ? « » Ein Dummbart . « » Und mit dem jungen Grafen ? « » Ein armes , krankes Huhn . « Siebentes Kapitel Der nächste Tag verging , ohne daß sich die Schwestern auch nur gesehen hätten : die Pittelkow hatte wieder Ordnung zu schaffen , und Stine sollte bis Sonnabend abend noch eine große Rahmenstickerei abliefern . Und still und ohne Begegnung wie der erste Tag schien auch der zweite vergehen zu sollen . Niemand kam zu Stine hinauf , und diese - nachdem Olga den Drücker gebracht hatte - wußte nur das eine , daß ihre Schwester Pauline mit beiden Kindern in die Stadt gegangen sei . Langsam schwanden die Stunden , und die niedergehende Sonne hing schon tief zwischen den zwei Türmen des Hamburger Bahnhofs , als ein elegant gekleideter Herr die Invalidenstraße heraufkam und in Nähe des von Stine bewohnten Hauses eine Häusermusterung begann . Es war der junge Graf , der , seinem Sehen und Suchen nach zu schließen , die Pittelkowsche Hausnummer samt ihrem a , b , c vergessen haben mußte , trotzdem aber darauf rechnete , sich in dem Wirrwarr zurechtzufinden . Und sei ' s nun aus Zufall oder mit Hilfe kleiner Zeichen , er traf es wirklich ; und als er gleich danach auf dem ersten Treppenflur » Witwe Pittelkow « las , stieg er , nunmehr sicher geworden , ohne weiteres bis ins dritte Stock hinauf und klingelte . Stine , die die Schwester erwartet haben mochte , kam rasch und öffnete . » Gott , Herr Graf . « » Ja , Fräulein Stine . « » Sie wollen zu meiner Schwester : meine Schwester muß gleich zurückkommen . Ich habe Drücker und Schlüssel und kann Ihnen aufschließen . « » Nein , ich will nicht zu Ihrer Schwester ; ich will zu Ihnen , Fräulein Stine . « » Das geht nicht , Herr Graf . Ich bin allein , und ein alleinstehendes Mädchen muß auf sich halten . Sonst gibt es ein Gerede . Die Leute sehen alles . « Er lächelte . » Wenn es so ist , Fräulein Stine , dann ist rasches Eintreten immer noch das sicherste . « » Nun gut , Herr Graf ... Ich bitte ... « Und damit trat sie von der Korridortür zurück und ging ihm voran , auf ihr Zimmer zu . Die Polzin hatte , solange das Gespräch dauerte , beobachtend an ihrem Türguckloch gestanden . Im selben Augenblick aber , wo Stine , voranschreitend , den Grafen in ihr Zimmer führte , wandte sie sich ebenfalls in ihre halbdunkle Stube zurück , in der auf einem kienen Klapptisch bereits das Abendbrot für ihren Mann stand : ein Bückling und ein rundes Landbrot , von dem sie jedesmal zwei kaufte , »