sprach er allerlei , und zwar nichts Geistreiches . Vom Wetter , das morgen hoffentlich ebenso wunderschön sein werde , wie es - unglaubliche Beständigkeit für den April ! - die ganze Woche hindurch gewesen . Wie ihn das freute , weil Dornach sich zum ersten Male vor seiner Gebieterin im Sonnenglanze zeigen werde , dessen es sehr bedürfe , um nicht einen gar zu düsteren Eindruck hervorzubringen . Er legte Kissen und Plaids zurecht und bat Maria , sich ' s bequem zu machen und einige Stunden zu ruhen ; sie müsse müde sein , und morgen gebe es wieder einen angestrengten Tag . Maria kam seiner Aufforderung gern nach , sie wollte wenigstens tun , als ob sie schliefe , wenn auch an Schlaf nicht zu denken war bei dem unheimlichen Gefühl , das sie erfüllte in der Nähe dieses Mannes - ihres Mannes . Von Zeit zu Zeit öffnete sie die Augen ein wenig und sah zu ihm hinüber , und immer begegnete sie seinem unendlich liebevoll auf sie gerichteten Blick . Es war ein Ausdruck darin , der sie allmählich sicher machte : ihre Bangigkeit verschwand , ihre Lider wurden schwer und schlossen sich . Was sie für unmöglich gehalten hatte , geschah : sie fiel in tiefen , festen Schlaf . Die Sonne war seit einer Stunde aufgegangen , als Maria erwachte und auffuhr . Hermann stand am Fenster und begrüßte sie mit einem fröhlichen : » Guten Morgen « , den sie ungemein verlegen erwiderte . Ihre Augen glänzten wie die eines erwachenden Kindes , ihre Wangen waren gerötet - wie gut vertrugen sich das junge Tageslicht und ihre junge Schönheit ! Hermann nahm sie bei der Hand und führte sie ans Fenster . » Siehst du die blaue Bergkette dort ? « sprach er ; » ihre Umrisse verschwimmen mit den blendenden Farben des Horizonts . Vor ihnen , recht in ihrem Schutze , liegt eine Hügelreihe . Siehst du sie ? « » Ja , ja , und der Gegensatz ist hübsch zwischen dem dunkeln Berghintergrund und den freundlichen Hügeln . « » Auf einem von ihnen erhebt sich ein graues Gemäuer , das ist Schloß Dornach ... Es hat mir sonst ausbündig gefallen , aber neulich , bei meinem letzten Besuche , da ich es mir als deine zukünftige Behausung dachte , fand ich ' s deiner ganz unwert , das alte Eulennest . « Maria protestierte nicht nur aus Höflichkeit ; der Anblick des Schlosses , den eine Krümmung des Weges ihr jetzt wieder entzog , war ihr herrlich erschienen . Sie rollten zwischen Wiesengeländen am Ufer eines wasserreichen Flüßchens der Station entgegen , auf welcher die Eisenbahn verlassen wurde . Zu Wagen ging es weiter bis zum ersten Forsthause auf Dornachschem Gebiet , wo Maria ungestört Rast halten und nur von ihren vorausgesandten Dienerinnen erwartet werden sollte . Lisette hatte sich an deren Spitze gesetzt und durch ihre menschenfresserische Laune bereits alle an den Rand der Verzweiflung gebracht . Seit einigen Wochen befand sie sich im Schlosse , um der Einrichtung von Marias Gemächern vorzustehen . Und nun war sie hierhergekommen , denn sie mußte doch die erste sein , die das arme , ihrer Obhut entrissene Kind begrüßte . Sie tat es wie nach jahrelanger Trennung unter Tränenströmen und Ausbrüchen des Bedauerns ; Hermann gegenüber jedoch hüllte sie sich in gehässiges Schweigen . Er verbiß ein Lachen , bot seiner Frau den Arm und führte sie , die sich sanft von ihrer Anbeterin und Tyrannin losmachte , in das Haus . Lisette stürzte nach und erlebte eine neue Enttäuschung . Die Herrin sprach beim Umkleiden nicht ein Wort der Klage noch der Anklage . Und darauf hatte Lisette gerechnet , um dem seit gestern in ihr gestauten Groll gegen die Roheit und Unverschämtheit der frisch gebackenen Ehemänner die Schleusen zu öffnen . Sie nahm es recht übel , daß ihr keine Gelegenheit zu dieser Erleichterung geboten wurde . Maria war heiter und blieb es während der ganzen Fahrt , die auf ihren Wunsch bald fortgesetzt wurde . Der vierspännigen Herrschaftsequipage zunächst folgten Lisette und die Kammerfrau . Die erstere erhob sich oft in ihrem Wagen , setzte die Brille auf und studierte , soviel es nur möglich war , die Miene ihres Abgottes . Ihr schien der ungeratene förmlich begeistert dreinzuschauen , als man an der Grenze der Ortschaft Dornach anlangte und die Bevölkerung der neuen Mitbürgerin einen feierlichen Empfang bereitete . Dem Programme nach kein anderer denn alle feierlichen Empfänge im guten Lande Mähren : Triumphbogen , Ansprachen , Geschenke an Brot und Salz , Eiern , Hühnern , Enten , Gänsen und einem riesigen Säugling aus Lebkuchen in farbigen Wickeln und garnierter Haube , Böllerschüsse und Vivatrufe . Ungewöhnlich war nur die echte Herzlichkeit , welche diese Kundgebungen beseelte , das Unbeholfene veredelte und dem Herkömmlichen das Gepräge des Neuen und Außerordentlichen gab . » Du wirst von diesen Leuten sehr geliebt « , sagte Maria zu Hermann . » Weil ich sie liebe « , erwiderte er vergnügt . » Wenn uns auf Erden etwas mit Zins und Zinseszins zurückgezahlt wird , so ist es unsere Menschenliebe . Ungeliebt durchs Leben gehen ist mehr als Mißgeschick , es ist Schuld . « Auf dem Platze umlagerte eine dichte Menschenmasse den Eingang zur Kirche . Unter dem Portal stand der alte Dechant mit seinen Kaplänen und den Weihrauchfässer schwingenden Chorknaben . Als der Graf und die Gräfin den Wagen verließen , um in das Gotteshaus einzutreten , verstummte das Jubelgeschrei der Menge ; die ehernen Stimmen der Glocken sprachen jetzt allein und begleiteten mit ihrem Schalle den Segen , den der greise Priester auf die Häupter der jungen Eheleute vom Himmel herabrief . Sie traten aus der Kirche , sie stiegen die breite Treppe langsam hinab . Alle Blicke waren auf Maria gerichtet , mit plumper Neugier , mit Schüchternheit , mit staunender Bewunderung - in manchem Jünglingsauge glühte offenbare Verzückung ... Ob jung , ob