' gleich verhungern - « schlug Frau Lydia sorglos vor . Sie erhielt einen etwas mißbilligenden Blick von ihrem Herrn Vetter . » Sie kommen eben aus Italien , Herr Referendar - ? « fragte Herr Quöck seinen Gast , weniger aus Theilnahme oder objectivem Interesse , als aus dem Bedürfniß heraus , sich über die peinliche Zwischenaktsfrist nach Kräften hinwegzutäuschen . Er hatte wirklich redlichen Hunger . » Ja - ! Das heißt - ich bin schon vier Wochen wieder in Deutschland ... Es war ja ganz nett jenseits der Alpen - natürlich ! Aber es gab doch ' n Bissel zu viel - Schmutz ... Die Damen verzeihen , allein die Wahrheit über Alles - « » Bravo , Herr Referendar ! « rief Adam ungenirt . Ihm kam das Geständniß und zumal die Entschuldigungsphrase Herrn Oettingers überaus drollig vor . Der platzte dem Bravorufer mit einem ungnädigen Blicke entgegen , in welchem Blicke allerdings zugleich ein verhaltenes Erschrockensein lag . Frau Lydia trug ein moquantes Lächeln um die Mundwinkel . Sie sah Adam an , der erwiderte ihren Blick . Und Herr Oettinger , welcher dieses Herüber und Hinüber der Augen bemerkt , schaute wirklich einen Moment lang rechtschaffen unzufrieden aus . Der Märzwind schnob die Straße entlang . Das war ein wüthiges Brausen , als stünde das Herz des körperlosen Athemgottes in hellen Zornesflammen , als suchte er etwas Verlorenes , das ihm entwischt wäre ... und das er durchaus nicht wieder finden könnte ... durchaus nicht ... Das Gespräch war plötzlich verstummt . Es schien , als hätten die Menschen da drinnen im Salon das Gefühl , den Unhold unbehelligt vorüberrasen lassen zu müssen . » Das ist aber windig - « unterbrach Frau Möbius die Stille . Die alte Dame besaß entschieden das Talent , zur rechten Zeit sehr richtige Bemerkungen zu machen . » Frühlingssymbol , gnädige Frau - ! « erläuterte Adam scherzend . Frau Lange verzog den Mund zu einem gegenstandslosen Lächeln . » Es symbolt sich ' was , Herr Doktor - ! « urtheilte Herr Quöck mit gezwungenem Gesichtsausdruck . Sein Hunger schien entschieden wieder ein tüchtiges Stück gewachsen zu sein . » In Palermo hatten wir einmal - - « begann Herr Oettinger - da klang ein spitzes , scharfes Läuten auf . » Das wird doch endlich Fräulein Irmer sein - « hoffte der Wirth des Hauses brummig . Die Dame war es denn auch . » Ich bitte um Entschuldigung , daß ich so spät komme - mein Vater - - « begann Hedwig , als sie in den Salon getreten war und die Anwesenden kurz begrüßt hatte . Ihre Stimme gab einen hastigen Stoß , im Ausdruck tief , monoton , etwas verschleiert , etwas heiser . Frau Möbius stellte ihr die beiden Herren vor , die zum Souper mitgeladen waren . Fräulein Irmer wurde ein Wenig verlegen , als sie sich unvermuthet Adam gegenübersah . Der hatte sich erhoben und verneigte sich unendlich passiv . Er freute sich im Stillen ' n Bein aus , daß er sich vollkommen beherrscht hatte . » Nun darfst Du Deinen Willen haben , liebe Tante - « wandte sich Herr Quöck großmüthig zu Frau Möbius , die sich auch sofort nach dem Speisezimmer kehrte . » Darf ich bitten - ? « lud der Wirth seine Gäste ein . Adam saß zur Rechten Herrn Quöcks , diesem zur Linken Herr Referendar Oettinger . Neben letzterem Frau Lydia , also Adam schräg gegenüber . Seine rechte Nachbarin war Fräulein Irmer . Frau Möbius , die kleine , purzlige Frau mit dem harmlosen Gesicht - der goldene Kneifer , den sie bald aufsetzte , bald wieder von dem Rücken der scharfgefalteten Nase herunterholte , nahm diesem Gesicht nichts von seiner blasigen Teigheit - Frau Möbius rundete die kleine Gesellschaft liebenswürdig ab . Adam war vollständig ein Opfer der Situation geworden . Die Atmosphäre berührte ihn außerordentlich sympathisch , stimmte ihn überaus einheitlich . Die Gegenwart Fräulein Irmers dünkte ihn ausnehmend pikant , kam ihm wie das Vorspiel eines interessanten Abenteuers vor - eines Abenteuers , das ihm ein tüchtiges Maß bunter Reize zuwerfen mußte . Da stand etwas bevor , das ihn mit einer köstlichen Unruhe erfüllte . Und Frau Lydia ? Sie coquettirte doch ein klein Wenig mit ihm . Auch das schmeichelte ihm . Seine Beziehungen zu ihr mußten nicht minder Form und Farbe , bestimmte Contouren annehmen : das ahnte , wußte , hoffte er . Seine Phantasie tändelte gern . Sie war augenscheinlich heute Abend in der besten Laune . Zudem diese reichbesetzte Tafel , diese Fülle von Eleganz , dieses geschmackvoll zusammengeordnete Leben , diese behagliche Zwanglosigkeit - die verhalten-gesummte Musik der Lüstreflammen : das Alles prickelte sich ihm berauschend in die Seele , schob und hob ihn ohne jede Absichtlichkeit über sich hinaus , ließ ihn vergessen , was hinter ihm lag , was vor ihm lag , was er sich selbst eigentlich war - nahm ihn ganz hin - zehrte ihn ganz auf .... Herr Quöck aß sehr tapfer drauf los . Der saftige Rehbraten mundete ihm vortrefflich . Die Ouvertüre : delicate grüne Erbsen mit Beilage , hatte er ziemlich unbehelligt vorübergehen lassen . Er schien sich an das Körperlichere halten zu wollen . » Nehmen Sie Rum oder Rothwein zum Thee , Herr Doctor - ? « fragte Frau Möbius Adam . » Danke sehr , gnädige Frau ! Ich habe mich schon mit Rum bedient - « » Ich gieße mir immer Rothwein hinzu - « gestand Quöck . » Und Sie , Herr Referendar - ? « » Auch ich , gnädige Frau , habe mir schon erlaubt , Rum vorzuziehen - « » Wie geht es Ihrem Herrn Vater , Fräulein Irmer - ? « fragte der Wirth des Hauses und schob ein ansehnliches Stück Rehrücken zwischen die Zähne . Fräulein Irmer , die soeben nach ihrem Theeglase gegriffen , setzte es wieder nieder und antwortete :