suchte die Vinska . Bis zur Wut gesteigerte Ungeduld kochte in seiner Brust , und quälend nagte der Hunger an ihm . Gegen Abend kam er zum Wirtshaus , vor dem es lustig zuging . Betrunkene sangen , Buben balgten sich , kleine Mädchen hüpften im Reigen beim Schall des Zimbals und der Fiedeln , der durch die offene Tür herausgellte . Neugierige hielten die Fenster der Tanzstube besetzt , beobachteten , was drinnen vorging , und machten ihre Glossen darüber . Nach langem Kampf eroberte Pavel einen Platz zwischen ihnen und sah die Paare sich drehen im dunstigen , spärlich erleuchteten Gemach . Ganz nahe am Fenster , an dem er stand , schwenkte Peter die Vinska auf einem Fleck herum . Er war schon stark angetrunken , hatte die Jacke und mit ihr seine vornehme Zurückhaltung abgelegt . Der Peter in Hemdärmeln war ein so ordinärer Kumpan wie der erste beste Knecht . Die Vinska in seinen Armen schlug züchtig die Augen zu Boden und erglühte feuerrot bei den Reden , die er ihr zuflüsterte , und den Küssen , die er ihr raubte . Über den Anblick vergaß Pavel seinen Hunger - seine Ungeduld wich einem rasenden , ihm unbegreiflichen Schmerz ; wie in den Fängen eines Raubtieres wand er sich und brachte ein entsetzliches Röcheln hervor . Die Umstehenden erschraken ; man stieß ihn hinweg , und er wehrte sich nicht ; er schlich davon , durch die langsam hereinbrechende Dunkelheit , seinem unheimlichen Daheim zu . Aus der Hütte schimmerte ihm der ungewohnte Glanz einer brennenden Kerze entgegen . Sie war auf dem Fenstersimse aufgepflanzt , und in dem von ihrem Schein erhellten Stübchen saßen Virgil und sein Weib auf der Bank , und zwischen ihnen stand ein Teller mit Braten und eine Flasche Branntwein . Die beiden Alten aßen und tranken und waren guter Dinge . Pavel beobachtete sie eine Weile vom Feldrain aus , stieg dann zum Hohlweg herab , den die Dorfstraße bei den letzten Schaluppen bildete , und streckte sich auf die ausgebrochenen Ziegelstufen des Eingangs , den Kopf an die Tür gelehnt . So mußte , im Fall , daß er etwa einschlief , die Vinska ihn wecken , wenn sie ins Haus wollte . Stunden vergingen ; der matte Glanz , den das Licht im Fenster auf den Weg geworfen hatte , erlosch . Das treibende Gewölk am Himmel , der umschleierte Mond mahnten Pavel an die Winternacht , in welcher er ausgezogen war , Milada aus der Gefangenschaft zu befreien . Was für ein Narr war er damals gewesen - was für ein Narr geblieben bis auf den heutigen Tag ... Von dem einzigen , der ihn nie beschimpft , dem einzigen , der ihm je eine Wohltat erwiesen , hatte er sich in blödsinnigem Mißtrauen abgewendet und war der Betrügerin unterwürfig gewesen , die ihn zum besten hatte , ihn bestahl und verlachte ... Oh - ganz gewiß verlachte und verspottete ! Sie spottete so gern , die Vinska , und so leicht bei viel geringeren Veranlassungen , als seine grenzenlose Dummheit eine war . Was tu ich ihr ? fragte er sich plötzlich und antwortete auch sogleich : Ich schlag sie tot . Keine Überlegung : was dann ? Nicht die geringste Angst , nicht der kleinste Skrupel , nicht einmal ein Zweifel an der Ausführbarkeit seines rasch gefaßten Vorsatzes . Er stand auf , öffnete leise die Tür , holte den Knüttel Virgils vom Herde und legte ihn neben sich , nachdem er seinen früheren Platz und seine frühere Stellung wieder eingenommen hatte . Nun kam eine große Ruhe über ihn ; die Augen fielen ihm zu , und er schlief ein . Nicht tief , so halb und halb , wie er zu schlafen pflegte , wenn er die Nacht mit den Pferden draußen auf der Hutweide zubrachte . Der Morgen dämmerte , als leichte Schritte , die sich näherten , ihn weckten . Sie war ' s. Heiter , bequem und friedlich mit ihrer unschuldig-pfiffigen Miene kam sie einher , zögerte ein wenig , als sie Pavel daliegen sah , betrat dann ganz sachte die Stufen und beugte sich , um ihn zur Seite zu schieben . - Da packte er Sie am Fuß und riß sie zu Boden . Sie fiel ohne einen Laut , erhob sich aber sogleich auf die Knie , während er nach dem Knüttel griff ... Ein Blick in des Jungen Gesicht , und aus dem ihrigen wich alles Blut . » Pavel « , stammelte sie , » was fällt dir ein - du wirst mich doch nicht schlagen ? « Sie stemmte beide Arme gegen seine Brust und sah angstvoll und bebend zu ihm empor . » Schlagen nicht - erschlagen werd ich dich « , antwortete er dumpf und wandte den Kopf , um ihren flehenden Augen auszuweichen . » Aber zieh zuvor meine Stiefel aus . « » Jesus Maria ! wegen der Stiefel willst mich umbringen ? « » Ja , ich will . « » Schrei nicht so ... die Alten wachen auf . « - » Alles eins . « Sie schmiegte sich an ihn , ein schüchternes Lächeln umzuckte ihre Lippen . » Sie kommen mir zu Hilfe , wie kannst mich dann totschlagen ? Geh - sei still , sei gut . « Er suchte sich von ihrer Umarmung loszumachen , die ihn beseligte und empörte ; er fühlte , mit Zorn gegen sich , den Zorn gegen sie unter ihren Liebkosungen schwinden . » Spitzbübin ! « rief er . » Mach keinen Lärm « , mahnte sie ; » wenn die Leute zusammenlaufen , was hast du davon ? Sei still ! Schlag mich tot meinetwegen , aber sei still - schlag mich tot , du dummer Pavel - « und nun kicherte sie schon völlig vergnügt und siegesgewiß . Zwischen den wirren Haaren , die ihm über die Augen hingen , schoß ein Blitz voll düsterer