Narren an dem Kind und erklärt es rundheraus für einen Engel . Und das geht doch schlechterdings nicht , oder das ganze Kapitel von der Erbsünde ... « » Nichts davon ! Um darüber zu sprechen , muß man so studiert sein wie du . Das alles ist nicht mein Sach . Aber wenn du dich über die Hannah wunderst , weil sie trotz all ihrer Tugend an dem Kinde hängt und dem Kinde nicht die Mutter und der Mutter nicht das Kind anrechnet , so zeigst du nur , wie wenig du die Menschen kennst . Und bist doch an die Vierundzwanzig . « » Eben gewesen « , lachte Franziska . » Nun , siehst du ! Freilich , ich könnte deine Mutter sein oder wenn nicht geradezu deine Mutter , so doch deine Stiefmutter ... « » Dazu bist du wieder zu gut und verwöhnst mich zu sehr . « » Also deine Mutter . Und nun höre . Was ich dir hinsichtlich deiner Hannah und ganz speziell hinsichtlich ihrer Liebe zu dem Kinde zu sagen habe , das heißt einfach ... « » Nun ? « » Das heißt einfach : es lebt sich am besten mit der Tugend . « » Das hat einen Doppelsinn . « » Ich wollt ihm den Doppelsinn nicht geben , und stünde mir auch schlecht an . Es soll nur heißen : es lebt sich am leichtesten und am bequemsten mit guten und unschuldigen Leuten . An Tadel oder Vorwurf ihrerseits ist nie zu denken . Im Prinzipe sind sie streng und streng auch gegen sich selbst . Aber was von anders Geartetem an sie herantritt , dagegen sind sie mild , und es ist fast , als freuten sie sich , eine Bekanntschaft damit zu machen . Es soll sich ja , wie die Katholiken sagen , das Heilige durch Handauflegen fortpflanzen etwa nach Art eines elektrischen Stroms , und so strömt auch vielleicht ein kleiner , prickelnder Strom des Unheiligen von unsereinem aus . Jeder nach seinen Mitteln und Kräften . « » Ach , Phemi , wie du nur redest ! Du bist ja gar nicht so . « » Man kann sich nicht unheilig genug machen . Eine durchgängerische Demut ist das letzte Mittel , sich wenigstens einen Schimmer aus der ewigen Strahlenkrone zu retten ... Aber ums Himmels willen , Fränzl , sieh dich um , da kommt ja Graf Egon . « Franziska hatte sich vorgebeugt und erkannte nun auch ihrerseits den Grafen , der eben drüben aus dem Hotel getreten war und noch einmal zurücksah , um nach einem Balkon hinauf zu grüßen , der am ganzen ersten Stock entlanglief und durch Holzpfeiler getragen wurde . Sein Gruß selbst aber galt einer alten Dame , der Gräfin . Egon war allein , nur von einer Ulmer Dogge begleitet , einem prächtigen Tier , das augenscheinlich ungeduldig seinem Herrn auf der chaussierten Straße bis an die Veranda hin vorauflief . Einen Augenblick später aber war auch der junge Graf heran und gewahrte die beiden Damen , die sich anscheinend in ihre Tapisserie vertieft hatten . Er fuhr ganz ersichtlich zusammen , als ob ihm die Begegnung mit ihnen mehr ein Schreck als eine Freude gewesen wäre , fand sich aber rasch wieder zurecht und trat an die Brüstung heran , um beide mit aller Courtoisie zu begrüßen . Phemi hatte sich zum Gegengruß erhoben und überstürzte den Grafen sofort mit einer Frageflut , die keine Dämme kennen zu wollen schien , am wenigsten aber den der Diskretion . Endlich schwieg sie . » Meine Gnädigste « , lächelte Graf Egon , » alles zu beantworten , müßt ich den letzten Zug abwarten können , was mir leider versagt ist . Aber ein Anfang ließe sich wenigstens machen , immer vorausgesetzt , daß Sie geneigt sind , mir einen Platz an Ihrem Kaffeetische zu gönnen . « Er voltigierte , während er dies sagte , leicht über die Brüstung hin und setzte sich in einen Gartenstuhl , den er selber aus einer Ecke herangeschoben . » Ehe ich aber beginne « , fuhr er fort , » denn Fragen sind einer Gegenfrage wert , bitte ich , mir sagen zu wollen , was Sie nach diesem Erdenwinkel geführt hat ? « » Ich war krank « , antwortete Franziska , » viele Wochen lang , und die stillen Tage hier sollen mich wieder gesund machen . « All dies war in einem durchaus ruhigen Tone gesprochen , und doch klang ungewollt und ungewußt etwas wie Vorwurf darin . Egon geriet denn auch in eine leise Verwirrung , an der die Sprecherin erst erkannte , welche Bedeutung er ihren Worten gegeben hatte . Sie fuhr daher rasch und mit soviel Unbefangenheit wie möglich fort : » Es ist erquicklich , die reine Luft hier zu genießen , am erquicklichsten aber ist doch die geistige , darin ich lebe . Wenn ich nicht irre , hat irgendein alter oder neuer Philosoph ausgesprochen , es mache nichts so gesund wie Heiterkeit , und die Wahrheit dieses Satzes hab ich hier an mir selbst erfahren . Denn Sie müssen wissen , Graf Egon , es gibt nichts Heitereres und Vergnügteres als eine Tragödin . Nicht wahr , Phemi ? « Diese patschelte die Hand , die Franziska , während sie so sprach , ihr gegeben hatte , zugleich aber nahm sie selber das Wort und sagte : » Was das für Anwandlungen sind ! Ich bitte dich , ich soll mich nicht auf das Archidukale hin ausspielen , und du spielst dich auf das Sentimentale hin aus . Und nun wirst du schließlich noch rot und scheinst als Naive nicht einmal zu wissen , daß mit Hilfe solcher Anspielungen nie und nimmer das geringste verraten wird . Und wenn Graf Egon auch raten wollte bis an den Jüngsten Tag , er erriete doch nicht , um was es sich hier handelt . « » Ich fürchte wirklich ,