sagen mir nichts ... « In glühender Verwirrung blickte Lotti zu ihm auf : » Ich kann nicht - Sie sehen ... « stammelte sie , ein schmerzliches , vergeblich unterdrücktes Schluchzen erstickte ihre Stimme . » Lotti ! ... Ist es mir gelungen , Sie zu rühren , zu ergreifen ? ... Soll mein schönster Traum mir heute ganz in Erfüllung gehen ? « Er sprang auf und eilte jubelnd auf sie zu . Lotti streckte abwehrend die Hände aus ; sie weinte , nicht sanft befreiende Tränen - Tränen qualvoller Beschämung und Empörung über sich selbst . Halwig trat bestürzt zurück . Einen Augenblick stand er zweifelnd vor ihr , plötzlich aber leuchtete das Bewußtsein des Sieges , den er über diese Seele errungen , mit süßem Triumphe aus seinen Augen , und er rief in einem Tone , aus dem Rührung , Entzücken und ein letztes Zagen zugleich herausklangen : » Sie zürnen mir ? soll ich dafür büßen , daß mein Gedicht Sie bewegte ? « » Zürnen ? Wie können Sie glauben ? ... Eine neue Welt hat sich vor mir aufgetan ... Ich weiß nicht , ich kann nicht sagen , was ich am meisten bewundere - ich sehe nur , wie groß , wie herrlich und wie fern ... « Ihre Stimme brach , sie erhob einen raschen hilflosen Blick zu ihm , den er einsog wie himmlischen Tau . » Nicht fern « , rief er , » o nein ! Ihnen ist sie es nicht , sie lebt von Ihrem Leben , ist von Ihrem Atem durchhaucht ... Schöpferin meiner Welt , haben Sie sich in ihr nicht erkannt ? « Und schon lag er vor Lotti auf den Knien , bedeckte ihre Hände mit seinen Küssen , nannte sie seinen Engel , seine Geliebte , seine Braut . Er pries die Stunde , in welcher sie ihm zum ersten Male begegnet war , und die noch schönere , ewig gebenedeite , in welcher er ' s zum erstenmal empfunden , daß sie ihn liebe . Das war nicht heute , war nicht vor kurzem , das war sehr bald , nachdem sie einander kennengelernt - er wollte gar nicht gestehen , wie bald ... um nicht allzu vermessen zu erscheinen , so vermessen wie man eben wird , wenn man sich geliebt weiß von dem edelsten und reinsten Herzen . » Jetzt aber sprich ! « bestürmte er sie , » bestätige mir mein Glück vor diesen teuren Zeugen ... deinem Vater , deinem Bruder , den meinen von nun an - ein Wort , Geliebteste ! « » Was soll ich sagen - du weißt alles « , war ihre Antwort , und jauchzend faßte er sie in seine Arme . - - Es war keine stumme Seligkeit , die seine ; unwiderstehlich brauste der Feuerstrom der Worte , die er ihr lieh , dahin und vermochte die Einwendungen Feßlers zu übertäuben und vermochte Gottfried , sich ein Wort der Fürsprache für denjenigen abzuringen , dem Lotti ihr Herz geschenkt . Freimütig erzählte Halwig die Geschichte seines Lebens , sprach von dem Leichtsinn , mit dem er das Erbe seiner Eltern zersplittert , gestand , daß er im Begriffe gewesen , auf schlechte Wege zu geraten , als sein schützender Stern ihn in das Haus Feßlers geführt . Von dem Augenblicke an war er ein anderer Mensch geworden . Er beschwor Feßler und Gottfried , Erkundigungen über ihn einzuholen . Seine Vorgesetzten im Amte , seine Freunde und Bekannten sollten entscheiden , ob er verdiene , hoffnungslos verworfen zu werden . » Davon ist nicht die Rede « , sagte Feßler und Halwig rief : » So lasset denn die Geliebte das Erlösungswerk vollenden , das sie an mir begonnen hat . « Sie wurde seine Braut ; und der Mann , der ihr wie ein höheres Wesen erschien , machte sie zur Herrin seines Schicksals . Er unterordnete sich ihr , er wollte ihr alles danken , was er besaß , er wollte alles , was er war , nur durch sie geworden sein . Sein junges Haupt , das schon von der Morgenröte des Ruhmes umglänzt wurde , beugte sich vor ihr , schmiegte sich demütig an ihre Knie . » Das heißt verwöhnen « , sagte Vater Feßler , aber Gottfrieds Meinung war : » Bete sie nur an , sie verdient ' s. « Einige Monate vergingen , da fiel der erste Schatten auf die bisher ungetrübte Seligkeit der Verlobten . Halwig hatte plötzlich den Staatsdienst aufgegeben , um sich ganz und gar seinem dichterischen Berufe widmen zu können , der ihm täglich neue Erfolge brachte . Ein zweites Büchlein war dem ersten gefolgt . Es erfüllte reichlich die schönen Erwartungen , die jenes erregt hatte . Die kleine Gemeinde von Bewunderern , die sich um den Dichter zu sammeln begann , wußte seines Lobes kein Ende und begrüßte auch sein drittes Werk mit unbegrenztem Entzücken . Und gerade dieses , das er , um eine übernommene Verpflichtung zu erfüllen , in fieberhafter Hast begonnen und beendet , war ihm vor allen andern ans Herz gewachsen . Er hatte daran erprobt , daß er zu jeder Zeit Herr seiner Stimmung , seiner Phantasie , aller seiner Gaben war , daß sein Talent ihm leiste und gewähre , was immer er von ihm verlangte . Er wußte jetzt , daß sein Wollen unumschränkt über sein Können gebiete . Ganz erfüllt von dem Gefühl eines so vollkommenen Gelingens , erschien er bei seiner Braut , und Lotti schwelgte im Anblick seiner stolzen Glückseligkeit . Als es jedoch hieß , ihre Meinung über die Arbeit auszusprechen , welche Hermann seine beste und reifste nannte , zagte sie und antwortete mit Befangenheit nach langem Zögern , daß ihr alles gefalle , was von ihm ersonnen sei . » Dieses « , rief er , » müßte dir auch gefallen , wenn ein anderer es ersonnen hätte . « »