Ewigkeit angerechnet werden müsse . Und als bald darauf die Gläser abermals gefüllt und geleert worden waren , rückte Melanie den Stuhl , und man erhob sich , um im Nebenzimmer den Kaffee zu nehmen . Sechstes Kapitel Auf dem Heimwege Die Kaffeestunde verlief ohne Zwischenfall , und es war bereits gegen zehn , als der Diener meldete , daß der Wagen vorgefahren sei . Diese Meldung galt dem Gryczinskischen Paare , das , an den Diner-Tagen , seine Heimfahrt in der ihm bei dieser Gelegenheit ein für allemal zur Verfügung gestellten kommerzienrätlichen Equipage zu machen pflegte . Mäntel und Hüte wurden gebracht , und die schöne Jacobine , Hals und Kopf in ein weißes Filettuch gehüllt , stand alsbald in der Mitte des Kreises und wartete lachend und geduldig auf die beiden Maler , denen Gryczinski noch im letzten Augenblicke die Mitfahrt angeboten hatte . Das Parlamentieren darüber wollte kein Ende nehmen , und erst als man unten am Wagenschlage stand , entschied sich ' s , und Gabler placierte sich nun - mehr ohne weiteres auf den Rücksitz , während Elimar mit einem kräftigen Turnerschwunge seinen Platz auf dem Bocke nahm , angeblich aus Rücksicht gegen die Wageninsassen , in Wahrheit aus eigener Bequemlichkeit und Neugier . Er sehnte sich nämlich nach einem Gespräche mit dem Kutscher . Dieser , auch noch ein Erbstück aus des alten van der Straaten Zeiten her , führte den unkutscherlichen Namen Emil , der jedoch seit lange seinen Verhältnissen angepaßt und in ein plattdeutsches » Ehm « abgekürzt worden war . Mit um so größerem Recht , als er wirklich in Fritz Reuterschen Gegenden das Licht der Welt erblickt und sich bis diesen Tag , neben seinem Berliner Jargon , einen Rest heimatlicher Sprache konserviert hatte . Elimar , einer seiner Bevorzugten , nahm gleich im ersten Momente des Zurechtrückens ein mehrklappiges Lederfutteral heraus , steckte dem Alten eine der obenauf liegenden Zigarren zu und sagte vertraulich : » Für ' n Rückweg , Ehm . « Dieser fuhr mit der Rechten dankend an seinen Kutscherhut , und damit waren die Präliminarien geschlossen . Als sie bald darauf bei der Normaluhr auf dem Spittelmarkte vorüberkamen und in eine der schlechtgepflasterten Seitenstraßen einbogen , hielt Elimar den ersehnten Zeitpunkt für gekommen und sagte : » Ist denn der neue Herr schon da ? « » Der Frankfurtsche ? Nee , noch nich , Herr Schulze . « » Na , dann muß er aber doch bald ... « » I , woll . Bald muß er . Ich denke , so nächste Woche . Un de Stuben sind ooch all tapziert . Jott , se duhn ja , wie wenn ' t en Prinz wär , erst der Herr un nu ooch de Jnädge . Un Christel meent , he sall man en Jüdscher sinn . « » Aber reich . Und Offizier . Das heißt bei der Landwehr oder so . « » Is et möglich ? « » Und er soll auch singen . « » Ja , singen wird er woll . « Elimar war eitel genug , an dieser letzteren Äußerung Anstoß zu nehmen , und da sich ' s gerade traf , daß in eben diesem Augenblicke der Wagen aus dem Wallstraßen-Portal auf den abendlich-stillen Opernplatz einbog , so gab er das Gespräch um so lieber auf , als er nicht wollte , daß dasselbe von den Insassen des Wagens verstanden würde . Von seiten dieser war bis dahin kein Wort gewechselt worden , nicht aus Verstimmung , sondern nur aus Rücksicht gegen die junge Frau , die , herzlich froh über den zur Hälfte frei gebliebenen Rücksitz , ihre kleinen Füße gegen das Polsterkissen gestemmt und sich bequem in den Fond des Wagens zurückgelehnt hatte . Sie war gleich beim Einsteigen ersichtlich müde gewesen , hatte , wie zur Entschuldigung , etwas von Champagner und Kopfweh gesprochen , das Filettuch dabei höher gezogen und ihre Augen geschlossen . Erst als sie zwischen dem Palais und dem Friedrichsmonumente hinfuhren , richtete sie sich wieder auf , weil sie jenen Allerloyalsten zugehörte , die sich schon beglückt fühlen , einen bloßen Schattenriß an dem herabgelassenen Vorhange des Eckfensters gesehn zu haben . Und wirklich , sie sah ihn und gab , in ihrer reizenden , halb kindlich , halb koketten Weise , der Freude darüber Ausdruck . Ihr Geplauder hatte noch nicht geendet , als der Wagen am Brandenburger Tore hielt . Im Nu waren beide Maler , deren Weg hier abzweigte , von ihren Plätzen herunter und empfahlen sich dankend dem liebenswürdigen Paare , das nun seinerseits durch die breite Schrägallee auf das Siegesdenkmal und die dahinter gelegene Alsenstraße zufuhr . Als sie mitten auf dem von bunten Lichtern überstrahlten Platze waren , schmiegte sich die schöne junge Frau zärtlich an ihren Gatten und sagte » War das ein Tag , Otto . Ich habe dich bewundert . « » Es wurde mir leichter , als du denkst . Ich spiele mit ihm . Er ist ein altes Kind . « » Und Melanie ... ! Glaube mir , sie fühlt es . Und sie tut mir leid . Du lächelst so . Dir nicht ? « » Ja und nein , ma chère . Man hat eben nichts umsonst in der Welt . Sie hat eine Villa und eine Bildergalerie ... « » Aus der sie sich nichts macht . Du weißt ja , wie wenig sie daran hängt ... « » Und hat zwei reizende Kinder ... « » Um die ich sie fast beneide . « » Nun , siehst du « , lachte der Major . » Ein jeder hat die Kunst zu lernen , sich zu bescheiden und einzuschränken . Wär ich mein Schwager , so würd ich sagen ... « Aber sie schloß ihm den Mund mit einem Kuß , und im nächsten Augenblicke hielt der Wagen . Die beiden Räte , der Legations- und der Polizeirat , waren an der Ecke