eigentlich nur dem gegenwärtigen letzten Sproß der Familie angehängt worden , und zwar von der Gegend . Es war so etwas von der » Vetter Michelschaft « dabei , aber im besten und vergnüglichsten Sinne . » Gestern abend war Vetter Just da ! « war ein Wort , das einen ungemein behaglichen Klang weit umher in jedem Hause hatte . » Wenn ich nur wüßte , wie es mit dem Kerl zuletzt einmal zu Ende gehen wird ! « war dann freilich ein Nachklang von etwas bedenklicherer Tonfarbe ; allein es waren immer nur die Unverständigsten im Lande , die sich also achselzuckend äußerten , und was überall in der Welt auf deren Bedenken und heimtückisch-wohlwollende Sorglichkeit für den lieben Nächsten zu geben ist , das weiß man ; - ich wenigstens weiß es . Ist es nicht leider meistens der Verstand der Verständigen , bei dem sich am liebsten die Schadenfreude hinter dem freundschaftlichen , sorgenvollen Nachdenken und teilnehmenden , bedauernden Kopfschütteln versteckt ? Welch ein Glück ist es da , daß wir soeben erst aus unserem Nußbaum in den Sonnenschein auf der morgendlichen , glitzernden , grünenden , blühenden Kindheitswiese hinuntergepurzelt , - geglitten und - gehüpft sind und uns immer noch , unverständig und sorgenlos , mit dem allermöglichst wenigsten Nachdenken über uns selbst und den Vetter Just Everstein auf dem Wege zu diesem Vetter befinden ! Auf dem Wege ? O ja , wenn nur nicht die Umwege gewesen wären ! Wann sind wir damals unseren Angehörigen je anders als auf Umwegen zu dem Vetter durchgegangen ? Gab es aber überhaupt noch eine andere Gegend , die » vier dumme Krabben « , wie der Vater Sixtus sich auszudrücken beliebte - in gleicher Weise zu Dummheiten und auf Seiten- und Schleichpfade zu verlocken imstande war ? Für uns nicht , wenn mich gleich das Leben gelehrt hat , einem jeden das Recht unverkümmert zu lassen , das theatrum mundi seiner Jugend in gleicher Weise allen anderen Feldern und Wäldern , hier den Fichten und dort den Palmen , wehmütig und freudig vorzuziehen . Nach rechts und links , im Schatten und Licht , im Trocknen und Feuchten lockte es , und natürlich da immer am verführerischsten , wo das Dickicht am verworrensten war , wo Berg und Fels am steilsten sich erhoben und wo der Bach am mutwilligsten durchs Tal schäumte . Wann hätte zur Zeit der Kibitzeier die Komtesse jemals eine Gelegenheit , bis an die Knie im Sumpfe zu versinken , verabsäumt ? Wann hätte Ewald Sixtus je ein heiles Knie einem zerschundenen , eine ganze Hose einer halben vorgezogen ? Und dann die Jahreszeiten , die wir zählten durch die Schneeglöckchen , die Maiblumen über die Erdbeeren weg bis in die Brombeeren und den Dohnenstieg ! Auch ich habe damals mit den anderen gelacht , wenn die liebe Eva ein bitteres Tränchen über die armen erhängten Krammetsvögel vergoß und den Sack nie tragen wollte , der die gefiederte Jagdbeute enthielt . » Wenn sie sie in der Schüssel auch nicht riechen könnte , so wollte ich gar nichts sagen « , brummte Ewald . » Dich meine ich nicht , Irene ; aber so seid ihr Frauenzimmer ! Nicht wahr , Fritze , wir genieren uns nicht : Was ich gebraten sehen kann , Seh ich nie als ' ne Mordtat an ! Also ist die Reihe an dir , den Ranzen zu schleppen , Irene . Immer galant gegen die Damen ! sagt Mamsell Martin ; wenn es wieder bergan geht , nimmt ihn Fritzchen dir ab . Aber Riesenkreaturen haben wir diesmal , was ? ! Es ist wahrhaftig ein Spaß , was für eine Menge unschuldig Blut so ' n paar rote Vogelbeeren an den Galgen bringen ! Nicht wahr , Eva ? « » Famos ! « ruft die Komtesse hochrot , zerzaust und glühend vor Jagdlust ; und der Herbstwind fegt und rasselt durch den Niederwald und treibt ihr die blonden Locken über das Gesicht und treibt mich zurück in den Sommermorgen , den ich immer von neuem unter der Federweg verliere , um mich immer wieder zu ihm zurückzufinden . » So ? Haben sich die beiden Puppen noch herangefunden ? « fragt Ewald grinsend , als seine Schwester und ich ihn und die Gräfin unter den Bäumen des Waldes wieder einholen . » Das ist schön ! Nun haben wir auch die Tugend und die Vorsicht in der Bande , und nun kann ' s losgehen ! Was an mir in Fetzen heute davonfliegt , das flickst du zusammen , Evchen . Für die schändlichen Redensarten , die heute abend über Irene losgelassen werden , bist du vorhanden , Fritzchen . Und nun rasch weiter ; - deine Alte merkt wahrscheinlich jetzt schon Unrat , Fritz , und hängt schon an der Sturmglocke - « » Und Papa kommt die Treppe herunter und schüttelt in dem Gartensaale den Kopf . Und deine Mama ringt die Hände , Fritz , und Papa ist zu allerletzt noch am wenigsten ärgerlich und in Sorgen . Ach , es soll aber heute auch das allerletzte Mal sein , daß wir so böse sind ! Ich gehe ganz gewiß nicht wieder mit durch , ohne vorher um Erlaubnis gebeten zu haben . « » Ich auch nicht « , ruft Eva Sixtus mit Tränen in den Augen . » Ich auch nicht ! « sage ich kleinlaut , und - » Na , denn ich auch nicht ; aber fürs erste stecke ich mir jetzt ' ne Pfeife an . Hier sind wir auf Staatsforstgrund , und die Grafen von Everstein können mir meinetwegen kommen . Übrigens könnt ihr ja alle noch umkehren ; im Notfall laufe ich ganz gern allein , und dem Vetter Just ist es auch recht . Geh du dreist wieder nach Hause , Fritzchen , und nimm alles ruhig mit , was sonst noch von Teesimpeln da ist . Au ! ... Alle Donner !