! « stöhnte sie und wandte sich und rannte davon . Sie schaute nicht - er rief sie nicht zurück , und dennoch hemmte sie bald die Raschheit ihrer Schritte . Sie blieb stehen - sie lauschte - sie wartete und setzte dann immer langsamer ihren Weg fort . Wie oft hatten sie sich schon so getrennt , aber niemals hatte ein Abschied ihr das Herz zerrissen wie dieser . Hatte sie doch nie so harte Worte zu ihm gesprochen , war ihm doch niemals so weh durch sie geschehen . Wird er ihr je verzeihen ? - Schon denkt sie nichts andres mehr als : Wird er mir je verzeihen ? ... Das macht : sie ist gefangen , ein Spielball in eines Knaben Hand - die große Bozena ! 5 Während Bozena in so schweren Herzenskämpfen rang , wurde auch ihr Schützling von seinem Schicksal ereilt . Zugleich glücklicher und unglücklicher als ihre Getreue , hatte Rosa eine Neigung eingeflößt , die sich nicht verbarg , die nur allzu eifrig zur Schau getragen wurde , die aber so gut wie keine Hoffnung bot , zu ihrem Ziele , dem Frieden einer erwünschten Ehe , zu gelangen . Seit einigen Monaten war in der Umgebung Weinbergs ein Ulanenregiment einquartiert , dessen hübschester Leutnant den großen , sehr mittelmäßig gepflasterten Platz des Städtchens für den geeignetsten Ort zu halten schien , wo seinen Pferden die letzte , höchste Dressur beizubringen wäre . Er kam heut auf dem Mohrenkopf und morgen auf dem Schwarzbraun ; er umkreiste den steinernen Brunnen im Jagdgalopp , im spanischen Schritt , im kurzen und im langen Trabe . Er jagte , die Hand am Schirme seines Käppchens , im Fluge wie ein Kosak , oder er ritt feierlich und langsam wie der Cid unter Ximenens Altan an dem alten Hause vorüber . Und am Fenster stand Rosa voll Bewunderung und lächelte ihm zu . Seit dem Augenblicke , da sie ihn zum ersten Male gesehen , hatte ein neues Leben für sie begonnen . Seltsam , seltsam war ihr ' s damals ergangen . So , meinte sie , so rasch , so plötzlich und unwiederbringlich hätte noch keine ihr Herz verloren , nein , verschenkt - gern , glückselig verschenkt . Mit klingendem Spiele und flatternden Fähnlein war das Regiment auf einem Marsche nach der neuen Garnison durch die Stadt geritten . Und Rosa , von dem Schalle der lustigen Musik an das Fenster gelockt , hatte sich ergötzt an dem bunten Schauspiel zu ihren Füßen ; Zug um Zug marschierte vorüber , und manches Auge richtete sich mit Wohlgefallen auf das Mädchen , das so übermütig auf die staubbedeckten Reiter herabsah , als defilierten sie nur ihr zu Ehren und zum Spaße da vorbei . Endlich kam er herangeritten , nachlässig , mit schlaffen Zügeln , und träumte vor sich hin . Nun schien das alte Haus seine Aufmerksamkeit zu erregen . Wie ein verwitterter Aristokrat inmitten geschniegelter Emporkömmlinge nahm es sich mit seinen etwas abgebröckelten Stukkaturen , seinen schweren Strebepfeilern und tiefen Fensterbogen aus neben den blanken , charakterlosen Nachbarn . Der Offizier sah an dem grauen Gemäuer empor , wie überrascht von seiner altertümlichen Schönheit . Als wecke es in ihm eine wehmütige Erinnerung , betrachtete er es ernsthaft , ja traurig und doch fast liebevoll . Und jetzt begegnete sein Blick dem der Rose am Fenster , dieser holden , trotzigen Rose , so schön , so frisch in ihrer düsteren Umrahmung . Vier junge Augen ruhten ineinander mit unschuldigem Erstaunen , mit selbstvergessenem Entzücken . Und das alte , ewig neue Wunder vollzog sich ; in zwei von Schmerz und Glück noch unberührten Seelen erwachte die Sehnsucht und mit Bangen die Ahnung all der Wonnen und all des Wehs , die sie bestimmt waren einander zu bereiten , die Ahnung des großen Lebensgeheimnisses , das Aufgehen des eigenen in einem fremden Dasein . Unwillkürlich hielt der Jüngling sein Pferd an und stand regungslos mit emporgewandtem Haupte , mit dem Ausdruck der seligsten Bewunderung auf seinem Gesichte . Eine Hand , die sich auf seine Schulter legte , eine Stimme , die ihn anrief : » Schläfst du , Fehse ? « weckte ihn aus seiner Versunkenheit . Er errötete über und über und setzte sich wieder in Bewegung . Der Kamerad aber war der Richtung , welche die Augen des Freundes genommen , mit den seinen gefolgt , er lächelte und machte eine Bewegung , als wollte er sagen : Ja so - jetzt verstehe ich ! Und Rosa , bestürzt , beschämt , eilte vom Fenster hinweg mit dem Gefühl einer ertappten Sünderin . Wie peinlich war der Augenblick ! Und doch - sie hätte ihn nicht tauschen mögen gegen alle frohen Stunden , die sie bisher erlebt . Das kindische Pärchen flog in sein erstes Liebesabenteuer hinein wie junge Vögel in das Feuer . Damals hatte ein österreichischer Offizier alle mögliche Zeit , seine Privatangelegenheiten zu besorgen . Wenn er , wie Fehse es tat , auch täglich drei Meilen weit ritt , um an der Wand den Schatten seiner Angebeteten oder am Fenster den Schimmer ihres Nachtlämpchens zu erblicken , der Dienst , der ihm oblag , brauchte nicht darunter zu leiden . Später wurde der Leutnant in ein dem Städtchen näher gelegenes Dorf versetzt , und nun begannen jene Fensterparaden auf dem Platze , die sehr bald Rosas Freude ausmachten und Herrn Heißenstein ein Ärgernis gaben . Frau Nannette nahm von alldem keine Notiz . Eine Sache , von der man sich nur Kenntnis verschaffen konnte , indem man aus dem Fenster sah , fand sie für angemessen zu ignorieren . Sie predigte nicht etwa mit Worten allein , sie predigte durch ihr Beispiel . Sie pflegte zu unterlassen , was Regula bleibenlassen sollte . Jawohl , bleibenlassen ! Oder hat man jemals gehört , daß ein wohlerzogenes Mädchen Lust und Zeit hätte , aus dem Fenster zu sehen ? Wenn dies der Fall ,