alberne Heldentum , diese ungebrochnen Naturen . Es ist eine Unverschämtheit des Zufalls , der die Welt regiert , dieses Land , - nach einer solchen Geschichte , - mit Männern wie - wie du und ich - von diesen Nordbären beherrschen zu lassen . « Unwillig warf er das Haupt zurück , drückte die Augen zu und schlürfte einen kleinen Trunk Weines . » Daß die Barbaren fort müssen , « sprach der andere , » darüber sind wir einig . Und für mich ist damit alles erreicht . Denn ich will ja nur die Befreiung der Kirche von diesen irrgläubigen Barbaren , welche die Göttlichkeit Christi leugnen und nur einen Halbgott aus ihm machen . Ich hoffe , daß alsdann der römischen Kirche der Primat im ganzen Gebiet der Christenheit , der ihr gebührt , unbestritten zufallen wird . Aber solange Rom in der Hand der Ketzer liegt , während der Bischof von Byzanz von dem allein rechtgläubigen und rechtmäßigen Kaiser gestützt wird « - » Solange ist der Bischof von Rom nicht der oberste Bischof der Christenheit , solange nicht Herr Italiens : und deshalb der römische Stuhl , selbst wenn ein Silverius ihn einnehmen wird , nicht das , was er werden soll : das Höchste . Und das will doch Silverius . « Überrascht sah der Priester auf . » Beunruhige dich nicht , Freund Gottes . Ich weiß das längst und habe dein Geheimnis bewahrt , obwohl du es mir nicht vertraut hast . Allein weiter . « Er schenkte sich aufs neue ein : » - dein Falerner ist gut abgelagert , aber er hat zu viel Süße . Du kannst eigentlich nur wünschen , daß diese Goten den Thron der Cäsaren räumen , nicht , daß die Byzantiner an ihre Stelle treten : denn sonst hat der Bischof von Rom wieder zu Byzanz seinen Oberbischof und einen Kaiser . Du mußt also an der Goten Stelle wünschen - nicht einen Kaiser - Justinian , - sondern - etwa was ? « - » Entweder « - fiel Silverius eifrig ein - » einen eignen Kaiser des Westreichs « - » Der aber , « vollendete Cethegus seinen Satz , » nur eine Puppe ist in der Hand des heiligen Petrus - « - » Oder eine römische Republik , einen Staat der Kirche - « - » In welchem der Bischof von Rom der Herr , Italien das Hauptland und die Barbarenkönige in Gallien , Germanien , Spanien die gehorsamen Söhne der Kirche sind . Schön , mein Freund . Nur müssen erst die Feinde vernichtet sein , deren Spolien du bereits verteilst . Deshalb ein altrömischer Trinkspruch : wehe den Barbaren ! « Er stand auf und trank dem Priester zu . » Aber die letzte Nachtwache schleicht vorüber und meine Sklaven müssen mich am Morgen in meinem Schlafgemach finden . Leb wohl . « Damit zog er den Kukullus des Mantels über das Haupt und ging . Der Wirt sah ihm nach : » Ein höchst bedeutendes Werkzeug ! « sagte er zu sich . » Gut , daß er nur ein Werkzeug ist . Möge er es immer bleiben . « Cethegus aber schritt von der Via appia her , wo die Kirche des heiligen Sebastian den Eingang in die Katakomben bedeckt , nach Nordwesten dem Kapitole zu , an dessen Fuß am Nordende der Via sacra sein Haus gelegen war , nordöstlich vom Forum Romanum . Die kühle Morgenluft strich belebend um sein Haupt . Er schlug den Mantel zurück und dehnte die breite , starke , gewaltige Brust . » Ja , ein Rätsel bist du , « sprach er vor sich hin ; » treibst Verschwörung und nächtlichen Verkehr wie ein Republikaner oder ein Verliebter von zwanzig Jahren . Und warum ? - Ei , wer weiß warum er atmet ? Weil er muß . Und so muß ich tun was ich tue . Eins aber ist gewiß . Dieser Priester mag Papst werden : er muß es vielleicht werden . Aber eins darf er nicht . Er darf es nicht lange bleiben . Sonst lebt wohl , ihr Gedanken , ihr kaum eingestandenen , die ihr noch Träume seid und Wolkendünste : vielleicht aber ballt sich daraus ein Gewitter , das Blitz und Donner führt und mein Verhängnis wird . Sieh , es wetterleuchtet im Osten . Gut . Ich nehme das Omen an . « Mit diesen Worten schritt er in sein Haus . Im Schlafgemach fand er auf dem Zederntisch vor seinem Lager einen verschnürten und mit dem königlichen Siegel gepreßten Brief . Er schnitt die Schnüre mit dem Dolch auf , schlug die doppelte Wachstafel auseinander und las : » An Cethegus Cäsarius , den Princeps Senatus , Marcus Aurelius Cassiodorus Senator . Unser Herr und König liegt im Sterben . Seine Tochter und Erbin Amalaswintha wünscht Dich noch vor seinem Ende zu sprechen . Du sollst das wichtigste Reichsamt übernehmen . Eile sogleich nach Ravenna . « Fünftes Kapitel . Atembeklemmend lag bange Stimmung schwer und schwül über dem Königspalast zu Ravenna mit seiner düstern Pracht , mit seiner unwirtlichen Weiträumigkeit . Die alte Burg der Cäsaren hatte im Lauf der Jahrhunderte schon so manche stilwidrige Veränderung erfahren . Und seit an die Stelle der Imperatoren der Gotenkönig mit seinem germanischen Hofgesinde getreten war , hatte sie vollends ein wenig harmonisches Aussehen angenommen . Denn viele Räume , die eigentümlichen Sitten des römischen Lebens gedient hatten , standen mit der alten Pracht ihrer Einrichtung unbenutzt und vernachlässigt : Spinnweben zogen sich über die Mosaiken der reichen , aber lang nicht mehr betretenen Badgemächer des Honorius , und in dem Toilettenzimmer der Placidia huschten die Eidechsen über das Marmorgesims der Silberspiegel in den Mauern . Dagegen hatten die Bedürfnisse eines mehr kriegerischen Hofhalts manche Mauer niedergerissen , um die kleinen Gemächer des antiken Hauses zu den weiteren Räumen von Waffensälen , Trinkhallen , Wachtzimmern auszudehnen . Und man hatte anderseits durch neue