Frieden teilen wollten . Der Pfarrer jedoch war ganz anderer Meinung und tat alles mögliche , um seine Kenntnis des Rechtes zur Geltung zu bringen . Den Kindern wurde kalt und heiß , als der fromme Mann dem kranken Vater des langen und breiten ausmalte , wie schlimm der Mutter gehen könnte , wenn man sie der Gnade ihrer Kinder überließe , und daß es daher Pflicht sei , das Vermögen jetzt ihr fast ganz zu verschreiben und das Anwesen um ein billiges an den ältesten Sohn zu verkaufen , daß der dann der Schuldner der Mutter und von ihr abhängig werde . Der Bauer wehrte sich , so gut sich ein strenggläubiger Bauer in einer Krankheit , die er für seine letzte hält , seinem geistlichen Rat , dem Seelenhirten , gegenüber zu wehren imstande ist , und gab dann endlich mit dem peinlichen Gefühl , von der Väter Sitte abweichend , Neid und Unfrieden unter die Seinen zu streuen , in Gottes Namen und der ewigen Seligkeit zulieb ' seufzend nach . Des Vaters Zustand begann sich wenige Tage , nachdem er seinen » freien letzten Willen « mit einem Kreuz unterzeichnet hatte , wieder zu bessern . Er wurde noch einmal eine Zeitlang ziemlich gut , aber in seinem Hause war viel , alles anders geworden . Wohl hatten seine Kinder nicht etwa nur mit Taglöhnersinn wie recht eigennützige Erben auf dem einst ihnen zufallenden Erbe gearbeitet . Das Gefühl der Zusammengehörigkeit war in allen so warm , daß Fleiß und Frieden ihre schönsten Blüten treiben und zur Reife bringen konnten . Nun aber , da sie sich auseinandergerissen , ja sich gegenübergestellt fühlten , fiel das schöne Gebäude zusammen wie ein Haus , unter dem jeder Arbeiter den von ihm gezimmerten Tragbalken wieder wegreißt . Die beiden Brüder besonders gerieten so oft in heftigsten Streit , daß das friedliebende Mädchen nicht mehr mit ihnen unter einem Dache leben mochte und sich in das besuchteste Wirtshaus des Dorfes als Magd verdingte . Josef Anton fing einen Hausierhandel an , da er auch nicht mehr für den bevorzugten Bruder umsonst arbeiten mochte . So stand denn nur noch eines seiner Kinder am Bette des unglücklichen Vaters , als dieser ein Jahr später am Kummer über den von ihm angerichteten Hauskrieg starb . Der Erbe des Anwesens verheiratete sich nun mit einem wohlhabenden Mädchen . Seinem Bruder aber schien der Himmel den Verlust des väterlichen Erbes reichlich ersetzen zu wollen . Josef Antons anfangs kleiner Handel gewann immer mehr an Umfang und Bedeutung , wie das kaum anders sein konnte zu einer Zeit , wo noch ganze Dörfer nur von Hausierern bedient wurden , die man überall als Hausfreunde , lebendige Wochenblätter und Ratgeber sehr hoch schätzte . Seine Schwester verlebte unterdessen auf einem Platze , wo manche es gar nicht aushalten zu können meinte , so frohe Tage , wie sie außer dem Vaterhause nimmer zu erleben hoffte . Eben weil sie , ein mittelloses , verlassenes Mädchen , auf der Welt kaum noch etwas Gutes erwartete , wurde es ihr leichter , einen so strengen Dienst zu versehen und selbst die vielen Launen der mit ihrem Manne im dreißigjährigen Kriege lebenden geldstolzen Wirtin - wenn auch nicht immer geduldig - zu ertragen . Da sie aber keinen besseren Platz wußte und nicht heim wollte , ließ sie alles über sich ergehen und blieb . Das war ganz leicht erklärlich , aber daß sie später , da auch andere Leute sie kennen und schätzen gelernt hatten , gar manchen viel besseren Dienst ausschlug , konnte niemand begreifen , weil eben niemand wußte , wie innig sie sich hier gefesselt fühlte . Der Fuhrknecht des Wirtes , ein junger , lustiger Bursche , war der erste Mensch , der ihr kein eigennütziges Kind dieser bösen Welt zu sein schien . Er konnte wirklich so wenig bei jeder Gelegenheit nur seinen Vorteil berechnen als sie . Oft und oft hätte ihn sein Eifer , das Mädchen der Wirtin gegenüber entschieden zu verteidigen , den Dienst gekostet , wenn das Geschäft des tüchtigen Burschen hätte entbehren können . Dem unter rohen , selbstsüchtigen Menschen aufgewachsenen Mädchen wurde ganz eigentümlich , wenn es den armen Burschen mit allem , was er hatte , für sie einstehen sah gegenüber einem Weibe , welches in drei Gemeinden gefürchtet wurde . Hoch klopfte das Herz , wenn es den schönen Burschen vor der polternden Frau stehen sah , der er in schönem Zorne die Meinung sagte , wie es selbst ihr Mann - der arme Schlucker , den die reiche Witwe nur aus Gnade geheiratet haben wollte - noch selten wagte . Ja oft traten dem Mädchen die hellen Tränen in die Augen , wenn ihr Lob von den Lippen des guten Burschen floß . Er wurde dann immer wärmer , und zuweilen klang das , was er sprach , fast wie ein Lied , und auch ihm sah man die Augen erfeuchten , bis er zuletzt kaum noch reden konnte . Und warum tat er das , warum vergaß er nie , ihr ein kleines Geschenk , wenn auch zuweilen nur eine Blume , ein Bildchen mit einem schönen Vers , mit heimzubringen ? Einzig nur , weil er der Gutherzigste , der Beste war auf der Welt , antwortete sich anfangs das Mädchen , in dem eine Neigung erwacht war , wie man sie nur denjenigen zu schildern vermöchte , die sich einst auch so ganz verlassen fühlten . Ja später fragte und antwortete sich das Lisabethle gar nicht mehr . Es las jetzt freudig erschrocken die schönen Verslein auf den Bildern , die er von Bregenz brachte , und fand alles natürlich , alles in der Ordnung . Schon redeten sie ernstlich vom Heiraten , sobald sie noch einige Jahreslöhne beisammen hätten , und noch hatte kein Mensch etwas von einem ernstlicheren Verhältnisse gemerkt , was wohl nur dadurch zu erklären ist , daß man sich in diesem Hause nicht viel darum