, und am wenigsten , woraus die Loosunger gewählt werden konnten . So war es denn endlich dahin gekommen , daß lange Zeit hindurch nur die Holzschuher und Tucher dieser Würde theilhaft waren . 1469 war noch Niclas Muffel Loosunger und lange Zeit einer der geachtetsten Männer gewesen , bis es plötzlich an den Tag kam , daß er öffentliche Gelder veruntreuet hatte . Um ein Beispiel zu geben , ward er in strenger Haft gefangen gehalten und dann hingerichtet . Er hinterließ fünf Söhne , die vier ältesten wanderten aus , der jüngste Sohn , Gabriel , aber blieb , um das Geschlecht fortzusetzen . Gabriel Muffel gehörte nun auch zu den Genannten des großen Rathes , und hatte es sich angelegen sein lassen , die Schmach vergessen zu machen , die durch seinen Vater auf sein Geschlecht gekommen . Waren doch nun zwanzig Jahre seit jenem Unglückstag verstrichen , bisher hatte ihn auch wirklich Niemand dasselbe entgelten lassen . Jetzt war er seit einigen Jahren Witwer und hatte nur seine Tochter Ursula bei sich , die eben an jenem unglücklichen Erichstag , da ihr Großvater gerichtet ward , zur Welt gekommen . Sie hatte nur noch einen Bruder , der sich jetzt bei einem Oheim in Mailand in der Lehre befand , um später das Geschäft des Vaters zu übernehmen . Ursula Muffel war nicht nur eines der schönsten sondern auch der klügsten Mädchen von Nürnberg . Geschwisterlos aufgewachsen und früh der Mutter beraubt , hatte sie gleich mancher Jungfrau Nürnbergs an wissenschaftlicher Bildung Gefallen gefunden . Sie konnte nicht nur lesen und schreiben , sondern verstand auch italienisch und lateinisch , und war in manchen Stücken von ihres Vaters Geschäft wohl erfahren , so daß sie ihm auch im Rechnen und Briefschreiben oft beizustehen pflegte . Dabei war sie bescheiden und sittig und auch in allen erblichen Künsten wohl geübt . Sie hatte die oberste Leitung des Hauswesens , und die Ordnung und Anmuth , die sie darin zu verbreiten wußte , legte sie auch an ihrer zierlichen Kleidung an den Tag . Stephan Tucher , nur eben erst von weiten Reisen zurückgekehrt , hatte sie an einem Osterfeiertag gesehen bei einem Feste der patrizischen Geschlechter , und da war es ganz von selbst gekommen , wie es immer kommt : daß das Paar sich schnell zusammengefunden und nur Aug ' und Ohr für einander gehabt hatte . Stephan Tucher war stolz gleich seinem Vater und wachte selbst eigensinnig über sich seiner Patrizierwürde nichts zu vergeben . Aber Ursula Muffel gehörte zu einem alten Geschlechte . Ohne Gefahr für das Ansehen des seinigen meinte er sich ihr nähern und sich mit ihr verbünden zu können . Das Feuer seiner Leidenschaft entzündete die ihrige und führte ihn bald zu einer zärtlichen Erklärung , welche die süßeste Erwiederung fand . Ehrsam warb er sogleich bei ihrem Vater um ihre Hand , gewiß , daß er , der Sohn des vornehmsten und reichsten Geschlechtes von Nürnberg , freudige Einwilligung erhalten werde . Sie warb ihm auch , natürlich mit dem Zusatz : wenn auch Herr Hans von Tucher zufrieden sei und nicht schon anders über die Hand seines Sohnes verfügt habe , was damals oft Brauch war . Stephan erklärte stolz , daß er nie einen solchen väterlichen Zwang erdulden werde , ihn auch gar nicht zu fürchten habe , und eilte eben so zuversichtlich zu seinem Vater , ihn um seinen Segen zu bitten . Da der alte Rathsherr aber den Namen Ursula Muffel hörte , verwandelte sich das freundliche Beifallslächeln , das er erst für den Sohn gehabt , da dieser nur von Verlobung sprach mit einer schönen Tochter aus einem der achtundzwanzig Geschlechter Nürnbergs , in spöttisches Zucken von strafenden Zornesblicken begleitet , und hämisch antwortete er : » Ich muß zu Dir sagen , wie vor dreißig Jahren Markgraf Albrecht zu Niclas Muffel sagte : Du Muffelmaul , so lange hast Du gemuffelt , bis Du das heraus gemuffelt hast ! Zehn Jahre darauf ward dieser Niclas Muffel , der so lange Loosunger gewesen , verurtheilt und gerichtet wie ein gemeiner Betrüger - und er war schlimmer als solcher , denn er stammte aus einem edlen Geschlecht und war das Haupt dieser Stadt , die er schändlich betrog und auf die er Schande brachte im Reich , weil man draußen sagen konnte : die Nürnberger lassen sich die klügsten und rechtsamsten Leute schelten , und ein Haupt ihrer Stadt betrügt ihre Bürger . Darum half es Nichts , daß Fürsten und Herren , ja der Kaiser selbst Fürsprache einlegten für den Verbrecher : er mußte gerichtet werden , damit sein Blut den Rath und die Geschlechter wieder rein wasche von der Schmach , die er aufgehäuft . Und nun denkst Du das Geschlecht der Tucher mit dem der Muffel zu verbinden ? das wird nie geschehen ! « Vergeblich bemühte sich Stephan dem Vater zu beweisen , daß weder Gabriel Muffel noch einer seiner Brüder betheiligt gewesen sei an der That des Vaters , und daß sowohl die Tucher selbst mit allen andern Geschlechtern das bestätigt hätten , indem Gabriel Muffel zu den Genannten des großen Rathes gehöre und alle Ehren genösse , die seinem Geschlecht zukämen . Der alte Loosunger blieb bei seiner Weigerung : daß er nie die Enkelin eines Hingerichteten in seine Familie aufnehmen werde , und da der Sohn versuchte ihm Widerstand entgegen zu setzen , und bei Ursula und ihrem Vater Ausflüchte suchte , ihnen noch die verweigerte Einwilligung seines Vaters zu verbergen , ging der stolze Loosunger selbst so weit , als er Gabriel Muffel auf dem Rathhaus begegnete , zu sagen : er möge die Ehre seiner Tochter behüten , wie er die seines Sohnes , denn zu einer Verbindung beider werde er nie seine Einwilligung geben . Im Zorn erwiederte Gabriel Muffel die Beleidigung des Hochfahrenden in gleich roher Weise , wie sie in jener Zeit gebräuchlich war , und heimkehrend verwehrte er seiner Tochter jeden Umgang mit