etwas Wühlendes , Unruhiges und beherrschte jede Situation . Bei Tische wartete sie nicht mehr auf . Der Stadtamtmann fand , daß es kaum noch schicklich war . In die Höhe wuchs sie nicht mehr , dafür that es ihr Geist , und sie regierte eigentlich das Haus , das sie aufgenommen . Selbstverständlich da , als die Frau Stadtamtmann eines Jungen genesen war , aber auch später . Durch ihre sichere , herausfordernde Ruhe , ihr spöttisches Lächeln , ihren Flunkergeist nur verdarb sie sich zuweilen ihre Autorität . Lange Ruhe um sie her ertrug sie nicht , und übermäßiges Glück oder allzu frohe Selbstzufriedenheit verdarb sie gern , indem sie Schicksal spielte . Der Amme gegenüber lobte sie das schöne Aussehen anderer Kinder , eine Handlung , für die man bekanntlich von jeder Amme vergiftet werden kann . Einem Bedienten , der etwas schwach von Begriffen war und seine Bestimmung verfehlt zu haben glaubte , weil er eine leserliche Hand schrieb , gaukelte sie bald diese , bald jene glänzende Aussicht vor . Hager ! rief sie , wenn sie die Zeitung gelesen hatte , in Amerika ist ein Vetter Ihres Namens gestorben , man fordert alle Hagers auf sich zu melden ! Mußte Hager gerade die Schuhe oder Messer putzen , so hatte sie , wenn er frei war , die Zeitung verlegt und jagte den beschränkten Menschen wochenlang mit seinen Vermuthungen , welcher von seinen Anverwandten jener in Amerika verstorbene Hager gewesen sein konnte , im Kreise umher . Von ihrem Koboldgeist blieben dann selbst die bei einem Kaufmann dienende Schwester und ihre Geschwister im Waisenhause nicht verschont . Ihr bei aller äußern Ruhe innerlich unruhiger Sinn wuchs mit dem Besuch des Theaters , das sie durch den Stadtamtmann frei hatte , jedoch nur im dunkeln Hintergrunde einer Loge dritten Ranges , während die Herrschaft im zweiten saß . Immer mit leuchtenden Augen kam sie vom Theater heim . Man glaubte natürlich , daß es die Stumme von Portici gewesen , die sie so außerordentlich aufgeregt hatte ; aber es waren die Zuschauer , die Logen , die glänzenden Toiletten , die fürstlichen Herrschaften . Die Tischgespräche berichteten dann nach wie vor von vornehmen Spielern , von zanksüchtigen vornehmen Herrschaften , von allem , was sich nur zur Kenntnißnahme des Polizeirichters einer so ansehnlichen Stadt drängte , und dergleichen Leute sah sie dann wieder fröhlich und wohlgemuth und mit Lorgnetten spielend in den elegantesten Logen . Eines Tages that sie einen tiefen Einblick in das innerste Lebensgetriebe ... Das glänzendste Waarenmagazin der Stadt war ein sogenannter Bazar , in welchem alle Modeartikel und Bedürfnisse einer eleganten oder auch nur comfortablen häuslichen Einrichtung , soweit sie Stoffe betraf , verkauft wurden . Ein unternehmender Kaufmann im Anfang der mittlern Jahre leitete dies Geschäft , wie man sagte , nicht ganz mit seinem eigenen Gelde . Sein Savoirfaire kam ihm jedoch zu statten , um die ganze höchste , hohe und mittlere Gesellschaft an sich zu ziehen . So gefällig die Formen des Mannes waren , der in seinem schwarzen Frack mit weißer Halsbinde die Honneurs seines mit mindestens einem Dutzend Commis ausgestatteten Geschäftes machte , so entschieden wußte er doch ebenfalls in geeigneten Fällen aufzutreten . Schon oft war in seinem großen und schwer zu beaufsichtigenden Geschäft gestohlen worden , sogar während des Verkaufs , und oft schon hatte er , wenn entweder der Stadtamtmann bei ihm oder er bei jenem zu Tische war , erklärt , er würde niemand schonen , wenn er einen jener eleganten Diebe beim Handverkauf entdeckte , und sollte es der Vornehmste sein . Schicken Sie nur sofort zu mir , hatte der Polizeirichter erwidert . In solchen Fällen muß man der Schlange gleich auf den Kopf treten ! Und eines Tages schickte der Kaufmann ; der Stadtamtmann möchte eiligst , aber selbst kommen , hieß es , er möchte einen seiner Gehilfen , aber vorläufig nur in der Ferne , bereit halten ... Der Stadtamtmann war nicht gegenwärtig . Und da auch Hager , der Diener , nicht zugegen war , so mußte Lucinde die Mantille umwerfen und auf das Amthaus laufen . Aber auch dort fand sie ihren Herrn nicht . Da sie ihn auf dem Casino vermuthete , so eilte sie ins Casino und nahm sofort einen der Polizeidiener mit . Ihr Weg führte sie aber an dem großen Magazin des Kaufmanns selbst vorüber , in dessen obern Räumen dieser auch wohnte . Da ihre Herrschaft in die letztern beschieden war , so glaubte sie sehr vernünftig zu handeln , wenn sie die Stiege hinaufging und dem Kaufmann wenigstens den Polizeidiener anbot , der ja so lange unten , wie zufällig , bei einer glänzenden Carrosse , die am Hause stand , warten konnte ... Da das ganze Haus nur allein von dem Kaufmann bewohnt wurde und oft der Verkehr in den obern Räumen mit dem Magazin , das zwei Stockwerke einnahm , der lebhafteste war , so konnte es Lucinden nicht wunder nehmen , den Eingang der Wohnung offen zu finden . Auch stand auf der Treppe ein Bedienter in Livree , der auf seine Herrschaft zu warten schien und nicht unmöglich der unten harrenden Carrosse , die ein Wappenschild schmückte , angehörte . Aber noch mehr Thüren standen offen , und augenscheinlich herrschte in der Wohnung die größte Verwirrung , wie sie wol nach aufregenden Entdeckungen stattzufinden pflegt . In dem hintern Zimmer glaubte Lucinde einen Wortwechsel zu hören . Niemand war zugegen , außer einigen Kindern des Kaufmanns , die sorglos umherrannten . Ist der Vater da ? fragte Lucinde . In seinem Bureau ! hieß es . Die Bedienung schien ausgeschickt zu sein ; auch die Mutter war nicht anwesend . Lucinde kommt näher ; die Teppiche dämpfen ihren Tritt , und schon übersieht sie im Geist , was drinnen vor sich geht . Sie zieht die Thüren hinter sich zu und steht unentschlossen , ob sie klopfen soll oder nicht ... Nein ! ruft