, und weil diese Gegenstände , wenn ich ihnen große Aufmerksamkeit hätte schenken sollen , mich von meinen Lieblingsbestrebungen abgelenkt hätten . So ging alles gut , Vater und Mutter freuten sich über meine Ordnung , und ich freute mich über ihre Freude . Da verfiel ich eines Tages auf das Zeichnen . Ich könnte mir ja meine Naturgegenstände , dachte ich , eben so gut zeichnen als beschreiben , und die Zeichnung sei am Ende noch sogar besser als die Beschreibung . Ich erstaunte , weshalb ich denn nicht sogleich auf den Gedanken geraten sei . Ich hatte wohl früher immer gezeichnet , aber mit mathematischen Linien , welche nach Rechnungsgesetzen entstanden , Flächen und Körper in der Meßkunst darstellten und mit Zirkel und Richtscheit gemacht worden waren . Ich wußte wohl recht gut , Daß man mit Linien alle möglichen Körper darstellen könne , und hatte es an den Bildern meines Vaters vollführt gesehen ; aber ich hatte nicht weiter darüber gedacht , da ich in einer andern Richtung beschäftigt war . Es mußte diese Vernachlässigung von einer Eigenschaft in mir herrühren , die ich in einem hohen Grade besaß , und die man mir zum Vorwurfe machte . Wenn ich nämlich mit einem Gegenstande eifrig beschäftigt war , so vergaß ich darüber manchen andern , der vielleicht größere Bedeutung hatte . Sie sagten , das sei einseitig , ja es sei sogar Mangel an Gefühl . Ich fing mein Zeichnen mit Pflanzen an , mit Blättern , mit Stielen , mit Zweigen . Es war anfangs die Ähnlichkeit nicht sehr groß , und die Vollkommenheit der Zeichnung ließ viel zu wünschen übrig , wie ich später erkannte . Aber es wurde immer besser , da ich eifrig war und vom Versuchen nicht abließ . Die früher in meine Pflanzenbücher eingelegten Pflanzen , wie sorgsam sie auch vorbereitet waren , verloren nach und nach nicht bloß die Farbe , sondern auch die Gestalt , und erinnerten nicht mehr entfernt an ihre ursprüngliche Beschaffenheit . Die gezeichneten Pflanzen dagegen bewahrten wenigstens die Gestalt , nicht zu gedenken , Daß es Pflanzen gibt , die wegen ihrer Beschaffenheit und selbst solche , die wegen ihrer Größe in ein Pflanzenbuch nicht gelegt werden können , wie zum Beispiele Pilze oder Bäume . Diese konnten in einer Zeichnung sehr wohl aufbewahrt werden . Die bloßen Zeichnungen aber genügten mir nach und nach auch nicht mehr , weil die Farbe fehlte , die bei den Pflanzen , besonders bei den Blüten , eine Hauptsache ist . Ich begann daher , meine Abbildungen mit Farben zu versehen , und nicht eher zu ruhen , als bis die Ähnlichkeit mit den Urbildern erschien und immer größer zu werden versprach . Nach den Pflanzen nahm ich auch andere Gegenstände vor , deren Farbe etwas Auffallendes und Faßliches hatte . Ich geriet auf die Faltern , und suchte mehrere nachzubilden . Die Farben von minder hervorragenden Gegenständen , die zwar unscheinbar , aber doch bedeutsam sind , wie die der Gesteine im unkristallischen Zustande , kamen später an die Reihe , und ich lernte ihre Reize nach und nach würdigen . Da ich nun einmal zeichnete und die Dinge deshalb doch viel genauer betrachten mußte , und da das Zeichnen und meine jetzigen Bestrebungen mich doch nicht ganz ausfüllten , kam ich auch noch auf eine andere , viel weiter gehende Richtung . Ich habe schon gesagt , Daß ich gerne auf hohe Berge stieg und von ihnen aus die Gegenden betrachtete . Da stellten sich nun dem geübteren Auge die bildsamen Gestalten der Erde in viel eindringlicheren Merkmalen dar und faßten sich übersichtlicher in großen Teilen zusammen . Da öffnete sich dem Gemüte und der Seele der Reiz des Entstehens dieser Gebilde , ihrer Falten und ihrer Erhebungen , ihres Dahinstreichens und Abweichens von einer Richtung , ihres Zusammenstrebens gegen einen Hauptpunkt und ihrer Zerstreuungen in die Fläche . Es kam ein altes Bild , das ich einmal in einem Buche gelesen und wieder vergessen hatte , in meine Erinnerung . Wenn das Wasser in unendlich kleinen Tröpfchen , die kaum durch ein Vergrößerungsglas ersichtlich sind , aus dem Dunste der Luft sich auf die Tafeln unserer Fenster absetzt , und die Kälte dazu kömmt , die nötig ist , so entsteht die Decke von Fäden , Sternen , Wedeln , Palmen und Blumen , die wir gefrorene Fenster heißen . Alle diese Dinge stellen sich zu einem Ganzen zusammen , und die Strahlen , die Täler , die Rücken , die Knoten des Eises sind , durch ein Vergrößerungsglas angesehen , bewunderungswürdig . Eben so stellt sich von sehr hohen Bergen aus gesehen die niedriger liegende Gestaltung der Erde dar . Sie muß aus einem erstarrenden Stoffe entstanden sein , und streckt ihre Fächer und Palmen in großartigem Maßstabe aus . Der Berg selber , auf dem ich stehe , ist der weiße , helle und sehr glänzende Punkt , den wir in der Mitte der zarten Gewebe unserer gefrorenen Fenster sehen . Die Palmenränder der gefrorenen Fenstertafeln werden durch Abbröcklung wegen des Luftzuges oder durch Schmelzung wegen der Wärme lückenhaft und unterbrochen . An den Gebirgszügen geschehen Zerstörungen durch Verwitterung in Folge des Einflusses des Wassers , der Luft , der Wärme und der Kälte . Nur braucht die Zerstörung der Eisnadeln an den Fenstern kürzere Zeit als der Nadeln der Gebirge . Die Betrachtung der unter mir liegenden Erde , der ich oft mehrere Stunden widmete , erhob mein Herz zu höherer Bewegung , und es erschien mir als ein würdiges Bestreben , ja als ein Bestreben , zu dem alle meine bisherigen Bemühungen nur Vorarbeiten gewesen waren , dem Entstehen dieser Erdoberfläche nachzuspüren , und durch Sammlung vieler kleiner Tatsachen an den verschiedensten Stellen sich in das große und erhabene Ganze auszubreiten , das sich unsern Blicken darstellt , wenn wir von Hochpunkt zu Hochpunkt auf unserer Erde reisen , und sie endlich alle erfüllt haben , und keine Bildung dem Auge