auch ein Wort so Etwas wie ein Baum , das steht fest und man kann sich dran halten ? Ja , es kommt nur darauf an , ob man will , da hat man ' s so gut wie einen Baum .... Und was so eine ehrenhafte Bäuerin sagt , das ist fest und getreu ; und sie hat doch auch geweint , weil sie fort gemußt von der Heimath , und ist doch schon lang hinaus verheirathet aus dem Dorf und hat Kinder , ja , und der eine heißt Johannes . « Amrei stand an dem Vogelbeerbaum und legte die Hand an den Stamm und sagte : » Du , warum gehst denn du nicht fort ? warum heißen dich die Menschen nicht auch auswandern ? Vielleicht wäre dir ' s auch besser anderswo . Aber freilich , du bist zu groß und du hast dich nicht selber hergesetzt , und wer weiß , ob du nicht an einem andern Orte verkämest . Man kann dich nur umhacken und nicht versetzen . Dummes Zeug ! Ich hab ' ja auch von da weggemußt . Ja , wenn ' s mein Vater wäre , da müßt ' ich mit ihm gehen . Er hat mich nicht zu fragen , und wer viel fragt , geht viel irr ' . Es kann mir Niemand rathen , auch die Marann ' nicht . Und beim Ohm ist ' s doch so , er denkt : ich thu dir Gutes und du mußt mir ' s wieder bezahlen . Wenn er hart gegen mich ist und gegen den Dami , weil er ungeschickt ist , und wir gehen auf und davon .... wohin sollen wir dann in der wilden fremden Welt ? Und hier kennt uns jeder Mensch und jede Hecke , jeder Baum hat ein bekanntes Gesicht . Gelt , du kennst mich ? « sagte sie wieder aufschauend zu dem Baum . » O wenn du reden könntest ! Du bist doch auch von Gott geschaffen , o warum kannst du nicht reden ? Du hast doch auch meinen Vater und meine Mutter so gut gekannt , warum kannst du mir nicht sagen , was sie mir rathen würden ? O lieber Vater , o liebe Mutter , mir ist so weh , daß ich fort soll . Ich habe doch hier Nichts und fast Niemand ; aber mir ist ' s , als müßt ' ich aus dem warmen Bett in den kalten Schnee . Ist das , was mir so weh thut , ein Zeichen , daß ich nicht fort soll ? Ist das das rechte Gewissen , oder ist es nur eine dumme Angst ? Wenn jetzt nur eine Stimme vom Himmel käm ' und thät mir ' s sagen . « Das dreizehnjährige Kind zitterte von innerer Angst und der Zwiespalt des Lebens that sich zum Erstenmal schreiend in ihm auf . Und wieder sprach sie halb , halb dachte sie , aber jetzt entschlossen : » Wenn ich allein wäre , da weiß ich fest , ich ginge nicht , ich bliebe da ; es thut mir zu weh ; und ich kann mir schon allein forthelfen . Gut , merk ' dir das . Also Eins hast du fest , mit dir selber bist du im Reinen . Ja , aber was ist das für ein dummes Denken ! Wie kann ich mir ' s denken , daß ich allein wäre ohne den Dami ? Ich bin ja gar nicht allein da , der Dami gehört zu mir und ich zu ihm . Und für den Dami wär ' s doch besser , er wäre in einer Vatersgewalt ; das thät ' ihn aufrichten . Wozu brauchst du aber einen Andern ? kannst du nicht selber für ihn sorgen , wenn ' s nöthig ist ? Und wenn er so eingeheimst wird , ich seh ' schon , da bleibt er sein Lebenlang nichts als ein Knecht , der Pudel für andere Leute ; und wer weiß , wie die Kinder des Ohms gegen uns sind . Weil sie selber arme Leute sind , werden sie die Herren gegen uns spielen . Nein , nein , sie sind gewiß brav und das ist schön , wenn man so sagen kann : guten Tag , Vetter , guten Morgen , Bas ' . Wenn nur der Ohm eins von den Kindern mitgebracht hätt ' , da könnt ' ich viel besser reden , und könnte auch Alles besser erkundschaften . O wie ist das Alles auf Einmal so schwer ... « Amrei setzte sich nieder am Baum und ein Buchfink kam dahergetrippelt , pickte sich ein Körnchen auf , schaute sich um und flog davon . Ueber das Gesicht Amrei ' s kroch Etwas , sie wischte es ab . Es war ein Abgottskäfer . Sie ließ ihn auf ihrer Hand herumkriechen , zwischen Berg und Thal ihrer Finger , bis er auf die Spitze des Fingers kam und davon flog . » Was der wohl erzählen wird , wo er gewesen sei , « dachte Amrei , » und so ein Thierchen hat es gut : wo es hinfliegt , ist es daheim . Und horch ! wie die Lerchen singen , die haben ' s gut , die brauchen sich nicht zu besinnen was sie zu sagen und was sie zu thun haben . Und dort treibt der Metzger mit seinem Hund ein Kalb aus dem Dorfe . Der Metzgerhund hat eine ganz andere Stimme als die Lerche ... « » Wohin mit dem Füllen ? « rief der Kohlenmathes aus dem Fenster einem jungen Burschen zu , der ein schönes junges Füllen am Halfter führte . » Der Rodelbauer hat ' s verkauft , « lautet die Antwort , und bald wieherte das Füllen weiter unten im Thale . Amrei , die das hörte , mußte wiederum denken : » Ja , so ein Thier verkauft man von der Mutter weg und