ich dies zum ersten Male las , kann ich Madrid nicht nennen hören , ohne an ein paar Tausend kleine weiße Füße zu denken , die durch das grüne tauige Gras hüpfen , bald sittsam verschwindend , bald lüstern wieder emportauchend und immer reizend verführerisch . Es versteht sich von selbst , daß ich mir einbilde , alle schönen Frauen gingen barfuß in Spanien . In das Land der tausend kleinen Füße , in das Land der spitzen Filzhüte , in das Land der spanischen Fliegen und der spanischen Erdbeeren , kurz , in das Land Spanien muß ich jetzt meine Leser führen , denn schon hat unser Ritter Schnapphahnski Berlin im Rücken , schon hat er Belgien und Frankreich passiert , und schon steht er auf den Pyrenäen , um hinunterzuscharwenzeln in das Reich , wo jetzt der unschuldige König Paquo herrscht , der niemandem etwas zuleide tut , am wenigsten seiner - Frau . Man reist nicht billiger und nicht schneller als in Gedanken . Ohne Kostenaufwand und ohne Zeitverlust habe ich meine Leser nach Spanien gebracht . Meine Leser sind mir für diese rasche Beförderung aufrichtigen Dank schuldig . Wie würden sie sich gelangweilt haben , wenn sie von deutschen Eisenbahnen auf die französischen Postwagen und dann von den französischen Postwagen auf die spanischen Maulesel gekommen wären - ja , meine Leser würden auf den Hund gekommen sein , wenn ich sie nicht vermöge meiner unendlichen Geschicklichkeit auf den Flügeln des Gedankens hinübergewiegt hätte in das Reich , wo außer Paquo auch jetzt die unschuldige Königin Isabella herrscht , die sich über niemanden zu beklagen hat , ausgenommen über ihren - Mann . Paquo und Isabella , Isabella und Paquo , sie waren noch kein seliges Paar , als unser Schnapphahnski seine Reise antrat . Die unschuldige Isabella hatte damals den Herrn Paquo noch nicht von seiner schwachen Seite her kennengelernt ; sie meinte nicht anders , als daß sie ebenso glücklich sein würde wie ihre Mutter , die Frau Munoz , die wirklich mit allen Ehren zu ihren neun Kindern gekommen ist - arme Isabella ! armer Paquo ! Sie saßen noch nicht auf dem Throne , denn noch raste der grause Don Carlos , der bleiche Aristokrat mit dem grimmigen Schnurrbart , durch Wälder und Auen , ein unerbittlicher Jäger auf der großen altspanischen Kronjagd . Don Carlos führte Krieg ; er brauchte daher Soldaten . Konnte ihm etwas erwünschter sein , als daß sich eines Morgens , schön wie ein Engel und keck wie der Teufel , im schwarzen Frack und in weißer Weste und duftend nach allen Wohlgerüchen der Levante : Se . Hochwohlgeboren , der Ritter Schnapphahnski , bei ihm präsentierte , um seine Dienste anzubieten ? Don Carlos strich seinen grimmigen Schnurrbart und besah den deutschen Landsknecht von oben bis unten . Der Ritter sah zwar aus , als ob er eben vom Friseur käme , aber : Kanonenfutter ! Kanonenfutter ! dachte der Spanier , und es versteht sich von selbst , daß er Sr. Hochgeboren auch nicht das geringste Hindernis in den Weg legte , sich bei der nächsten Bataille vor den Kopf schießen zu lassen . Deutsche Landsknechte waren tapfer zu allen Zeiten . Dieselben großen Lümmel , die zu Hause in Filzschuhen , in gestrickten Kamisölern und in baumwollenen Nachtmützen faul wie alt gewordene Hunde und feige wie weibliche Hasen hinter den Öfen oder auf den Wirts-hausbänken herumlungerten , sie haben sich im Auslande , für fremde Fürsten , stets mit einer Gewissenhaftigkeit und mit einer Ausdauer geprügelt , die wirklich alle Grenzen übersteigt . Wer daheim ein Kaninchen war , er wurde draußen ein Tiger ; die Träumer verwandelten sich in Raufbolde ; die blonden sentimentalen Schlingel in Totschläger ; die sanften blassen Heinriche und Gottfriede in donnerwetternde Generäle und Feldwebel , die ihre Feinde so gemütlich ums Leben brachten , wie sie seinerzeit Korn mähten oder Spargel stachen . Auf allen Schlachtfeldern aller Jahrhunderte haben sich Deutsche für ihren pünktlich ausbezahlten Sold auch pünktlich totschlagen lassen . Mit ihren frommen blauen Augen schauten sie so gutmütig in die kohlschwarzen Schlünde der Kanonen , als sollten ihnen gebratene Tauben statt kopfdicker Kugeln daraus entgegenfliegen , und wenn sie die Gewehre umdrehten und mit den Kolben dreinfegten , da schnitten sie keine schlimmern Grimassen als unsere Dorfschulmeister in Hessen oder in Nassau , wenn sie den Bauernjungen das Einmaleins oder das Christentum einbleuen . Gott weiß , wie Schnapphahnski sich in Spanien benahm ! Da wir aber im Laufe unserer Erzählung in jedem Punkte streng bei der Wahrheit geblieben sind , so wollen wir auch hier gestehen , daß derselbe Mund , der die Abenteuer in Schlesien , Troppau und in Berlin erzählte , uns in betreff der spanischen Fahrten die Versicherung gab , daß der edle Ritter , wider alles Erwarten , als sehr ritterlicher Landsknecht dabei erschienen sei und den Ruhm unserer Tapferkeit im Auslande nicht im geringsten in Frage gestellt habe . Mit dieser einfachen Erklärung mußten wir aber auch zufrieden sein , denn alle Details über die spanischen Erlebnisse unseres Ritters fehlen ; zwischen Troppau und Spanien liegen die Pyrenäen , und wohlmeinende Freunde unseres Helden waren nicht mehr imstande , dem braunen Freiwilligen aus O. in Schlesien auf Schritt und Tritt zu folgen . Deutlicher wird erst die Historie des Ritters : » Als Don Carlos fliehen mußte Mit der ganzen Tafelrunde Und die meisten Paladine Nach honettem Handwerk griffen « - mit einem Worte , als der Krieg wieder zu Ende war und unser Odysseus sich nach seiner Ballettänzerin zurücksehnte , die nach der Abreise ihres schönen Wasserpolacken zu einer wahren Tragödie hinabgetrauert war . Man kann sich leicht denken , wie sehr der edle Ritter nach der Heimat verlangte , nach Berlin , wo man seiner so liebend gedachte , wo er so gut angeschrieben stand bei Zeus Kronion , bei den Offizieren der Garde , bei seinem Juwelier und bei seiner Tänzerin . Doch nicht unangefochten sollte er zu