, sich von allen vernünftigen Interessen loszusagen , er wollte seine ganze ernste Vergangenheit desavouiren und nur ein Leben der Liebe leben für mich . Seine Worte ließen mich kalt , seine flammenden Küsse machten mich fast schaudern , ich war in Desespoir , mir selbst ein Gegenstand des Horreurs . Meine Kraft drohte zu erliegen , da nahm Bonaventura mich in seine Arme , und leise weinend wie ein müdes Kind , faltete ich trostlos meine Händchen zum Gebete und schlief von seinen Küssen überdeckt , in seinen Armen ein . Am Morgen erwachte ich in Zorn gegen mich selbst . Ich hatte keinen Glauben in die Versprechungen meines Mannes und dennoch sah ich gleich an dem Tage , daß er Ernst mache , sie zu erfüllen . Er besuchte das Lesecabinet nicht mehr , er vermied alle Männer von geistiger Distinction , mit denen er sonst zu conversiren pflegte , er wich , wie Fürst Callenberg , nicht von meiner Seite . Servillier , eitel wie alle Franzosen , hielt dies für ein Zeichen von Jalousie , fühlte sich dadurch geschmeichelt und vermehrte seine Attentionen für mich . Mich brachte dieses Benehmen meines Mannes in eine wunderbare Position . Wollte ich nicht das Ridicule über mich nehmen , von der Laune eines eifersüchtigen Gatten tyrannisirt zu werden , so blieb mir keine Wahl , als zu zeigen , daß ich frei sei , die Huldigung der Männer anzunehmen . Ich schwankte , welchen von meinen Adorateuren ich bevorzugen wolle , denn alle Drei waren mir unaussprechlich indifferent . Da entschied ein Moment , ein Zufall meine Wahl . Bonaventura hatte nach wenig Tagen , da ihm seine sogenannten ernsthaften Occupationen fehlten und ich unmöglich in der Laune sein konnte , ihn in seinem Attachement an meine Person zu encouragiren , angefangen sich furchtbar zu langweilen . So oft ich nach ihm hinblickte , saß er mismuthig da und schon mehrmals hatte ich ihn gähnen sehen , das machte ihn mir vollends insupportable . Ich nahm gar keine Rücksicht auf ihn und es war mir ein Soulagement , als ich bemerkte , daß ein ganz unbedeutendes , schlichtes Fräulein von Elsleben , eine Cousine des Fürsten , die mit ihrem Vater , einem preußischen Gutsbesitzer , eben angekommen war , ihn zu beschäftigen anfing . Sie war eine ganz gewöhnliche , weibliche Erscheinung , ein unschuldiges Kind , das für mich dadurch ein Ridicule bekam , weil der Vater sie immer » meine Mieze « nannte . Eigentlich hieß sie Aurora , nach ihrer verstorbenen Mutter ; aber auch diese war von dem Vater » Mieze « genannt worden und so führte er aus Pietät den Namen auch in der Tochter fort . Aurora zu Ehren war ein Dejeuner auf dem alten Schlosse veranstaltet worden . Man ritt theils auf Eseln , theils zu Pferde hinauf . Mein Mann machte den Cavalier Aurora ' s und that ängstlich um sie besorgt , während ihr Vater ihm unablässig zurief : » Geben Sie Acht , bester Graf ! daß meine Mieze nicht vom Esel fällt ; halte Dich fest Miezchen ! Du bist noch nie geritten , so ein Esel ist eine eigensinnige Bestie und keine bequeme Familienkutsche , in der man so sicher sitzt wie in Abrahams Schoos ; biege Dich weiter nach hinten , Miezchen ! « und wie dergleichen Ermahnungen denn weiter hießen . Mich packte ein solcher Degout vor diesen ganz ignobeln Menschen , und vor Bonaventura , den dies höchlich zu belustigen schien , daß ich zu Servillier sagte , der grade in meiner Nähe war : » Um Gottes Willen , Vicomte , lassen Sie uns absteigen und einen Fußpfad einschlagen , denn die Anwesenheit dieser Menschen macht mich nervos . « Servillier bot mir die Hand , ich ließ mich von meinem Pferde herabheben , und wanderte mit ihm durch den Baumschatten den Berg in die Höhe ; wie immer folgte der Fürst in gewisser Entfernung . Ganz gegen seine Gewohnheit schwieg Servillier eine Weile , dann sagte er : » Wenn ich Sie so ansehe , meine Gräfin , so frage ich mich immer , welch ein splendides Gestirn über dem Grafen geleuchtet hat , daß ihm eine Diogena zu Theil ward ; ja welches Gestirn über diesem Jahrhundert leuchtet , daß Sie uns gegönnt sind . « » Sie sind grandios in Ihren Exagerationen , Vicomte ! « warf ich mit der Gleichgültigkeit hin , mit der man solche banale Phrasen beantwortet und selbst verschwendet . » Meine Gräfin ! « rief er aus , » o , hören Sie mich an ! « - Er führte mich zu einer der Bänke , die sich auf dem Wege fanden , nöthigte mich darauf niederzusitzen und legte sich mir zu Füßen hin , während er anmuthig meine Hände hielt und sie mit spielender Grazie an seine Lippen drückte . Dann erhob er sich etwas und sagte knieend : » Madonna ! Du mußt ein Kind des Südens sein ! Nur der Süden erzeugt solch glänzend poetische Erscheinungen wie Du ! Im schönen Griechenland stand die Wiege Deiner Ahnen ; dort hat der goldene Sonnengott Deine goldenen Locken angestrahlt , dorthin , nach dem Süden gehört Deine flammende Existenz ! - O , Madonna ! Du hättest im Mittelalter leben müssen bei uns in der schönen Provence , an den Ufern des blauen Meeres , die Königin der Herzen und der Cours d ' amour ! « Ich hörte ihm schweigend zu und träumte mich zurück in die Tage , von denen er sprach , in ein Zeitalter , in dem Liebe ein Cultus war , und man die Frauen wie Göttinnen anbetete aus scheuer , blöder Ferne . Ich fragte mich , ob das die Liebe sei , die ich gesucht ? - Servillier blickte mit seinen großen , brennenden Augen so fest in die meinen , daß es schien , als wolle er in den profundesten Tiefen meiner Seele lesen .